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Cartier und Co.Darauf kommt es an, wenn Sie in Schmuck investieren wollen

Hochkarätiger Schmuck kann als Wertanlage dienen. Doch der Markt ist komplex. Welche Juweliere gefragt sind – und bei welchen Steinen Anleger besonders aufpassen müssen.Katharina Schneider 22.12.2023 - 11:53 Uhr Artikel anhören

Ob sich ein Schmuckstück als Wertanlage eignet, hängt vor allem davon ab, wer es gefertigt hat und wie hochwertig die Diamanten und Edelsteine sind.

Foto: Imago [M], VAN HAM Kunstauktionen | Saša Fuis Photographie

Frankfurt. Wenn es um Schmuck geht, denken viele Menschen wohl an ihren letzten Besuch beim Juwelier. Dort wollten sie vielleicht ein funkelndes Geschenk aussuchen, um einem Freund oder einer Partnerin Freude zu bereiten. Doch der Schmuckkauf kann auch ganz anders ablaufen, zum Beispiel in einem Auktionshaus. Dort treffen sich Privatleute und Händler, die nach exklusiven Stücken suchen, von denen sie einen Wertzuwachs erwarten.

Der Markt für Schmuck als Geldanlageobjekt ist sehr komplex. Die Preise richten sich vor allem nach den verwendeten Edelmetallen und Edelsteinen. Stammt das Stück von einem besonders renommierten Juwelier, oder hat es eine sogenannte „Provenienz“, gehörte also einer berühmten Person, steigert dies auch den Wert.

Privatanleger, die in diesem Segment investieren wollen, brauchen erfahrene Berater. Außerdem sollten sie nur Stücke mit dem Zertifikat eines namhaften Prüflabors erwerben. Das Gleiche gilt für den Verkauf als Privatperson: Mit einem möglicherweise wertvollen Erbstück sollte man nicht auf gut Glück zum Goldankäufer nebenan gehen.

Ob sich ein Schmuckstück als Wertanlage eignet, hängt vor allem davon ab, wer es gefertigt hat und wie hochwertig die verarbeiteten Diamanten und Farbedelsteine sind. „Für Schmuck, der industriell und in hoher Stückzahl hergestellt wurde und Steine von bloß mittlerer Qualität enthält, bekommt man beim Verkauf meist nicht mehr als den reinen Materialwert“, sagt Haidrun Wietler. Sie ist studierte Mineralogin und öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige aus Heidelberg.

Chancen auf eine Wertsteigerung gebe es dagegen bei besonders aufwendigen und handgearbeiteten Stücken sowie bei solchen von namhaften Juwelieren. „Auch sehr hochwertige Diamanten und Farbedelsteine mit Unikatcharakter können an Wert gewinnen“, berichtet Wietler.

Cartier, van Cleef & Arpels, Harry Winston: Diese Juweliere sind gefragt

Zu den besonders gefragten Juwelieren zählen Cartier, van Cleef & Arpels, Boucheron, Harry Winston, JAR und Fabergé. Hinzu kommen Wallace Chan aus Shanghai und Hemmerle aus München. „Einzelstücke oder solche, die nur wenige Male gefertigt wurden, sind besonders begehrt“, weiß Jakob Zeijl, der beim Kölner Auktionshaus van Ham die Abteilung für Schmuck und Uhren leitet. Eine Wertsteigerung sei bei ihnen sehr wahrscheinlich.

Für eine Wertanlage sollten Diamanten möglichst groß sein, mindestens ein Karat, besser mehr als drei Karat.
Jakob Zeijl, Leiter der Abteilung Schmuck und Uhren beim Kölner Auktionshaus van Ham

Ein Gegenbeispiel ist etwa ein klassischer Verlobungsring von Tiffany. „Die Ringe und Diamanten haben zwar eine hohe Qualität, aber es gibt davon so viele, dass bei einem Verkauf kaum mehr der ursprüngliche Preis erzielt werden kann, insbesondere bei Ringen mit kleinerem Stein“, sagt Zeijl.

Auch mit Stücken, die einst berühmten Personen gehörten, können hohe Preise erzielt werden. Beim Auktionshaus Christie’s wurde 2011 beispielsweise die Juwelensammlung der Schauspielerin Elizabeth Taylor für insgesamt knapp 116 Millionen Dollar versteigert.

Hochwertiger Schmuck wird meist aus Gold mit einer Legierung von mindestens 585 oder aus Platin (950) gefertigt. 585er-Gold besteht zu 58,5 Prozent aus Feingold. Die Preise für die Edelmetalle werden an der Börse gehandelt, sind also auch für Privatleute jederzeit eindeutig ermittelbar.

Diamanten als Gelanlage: Auf die Steine kommt es an

Die Bewertung von Diamanten und Edelsteinen ist hingegen hochkomplex. Diamanten werden nach den vier „C“ klassifiziert: Carat (Gewicht), Colour (Farbe), Clarity (Reinheit) und Cut (Schliff). Je näher ein Diamant der absoluten Farblosigkeit kommt, desto seltener ist er, häufiger ist eine Tendenz ins Gelbliche. Zudem sollte er möglichst wenig sogenannte Einschlüsse haben und exakt geschliffen sein, damit er schön funkelt.

Spätestens Audrey Hepburn machte den Juwelier für hochpreisigen Schmuck international bekannt.

Foto: imago images/Ronald Grant

„Für eine Wertanlage sollten Diamanten möglichst groß sein, mindestens ein Karat, besser mehr als drei Karat“, sagt Schmuckexperte Zeijl. Bezüglich Farbe und Reinheit sollten sie im Top-Bereich liegen.

Ältere Steine sind nicht automatisch besser. Mitunter haben sie sogar weniger Brillanz, denn erst seit etwa 1930 gibt es den heute dominierenden Brillantschliff. Zuvor wurde häufig der sogenannte Altschliff verwendet. Trotzdem können auch Altschliff-Diamanten hohe Preise erzielen. Bei van Ham wurde ein solcher loser Diamant mit etwas mehr als vier Karat im Mai für 85.800 Euro inklusive Aufgeld verkauft, obwohl er ursprünglich auf lediglich 45.000 Euro taxiert wurde.

Wichtig bei Diamanten: Zertifikat eines Prüflabors

Wichtig sei auch ein Zertifikat eines renommierten Prüflabors. „Das gilt insbesondere bei großen Steinen“, sagt Elisabeth Strack, Gemmologin – Wissenschaftlerin für Steine – und öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige mit eigenem Prüflabor in Hamburg. „Inzwischen gibt es auch synthetische Diamanten: In Deutschland dürfen diese nur mit der Bezeichnung ‚synthetisch‘ angeboten werden, während die amerikanische Bezeichnung ‚lab-grown‘ untersagt ist, da sie Verbraucher in die Irre führen kann.“ Diese Steine werden vor allem im Internet angeboten.

Bei Farbedelsteinen ist die Bewertung noch schwieriger. Denn den Preis bestimmen ihre Farbe, ihre Reinheit, ihre Seltenheit und gegebenenfalls ihre Herkunft. Sehr begehrt sind wegen ihrer hohen Qualität etwa Saphire aus Kaschmir, Rubine aus Burma und Smaragde aus Kolumbien. „Auch neonfarbige Turmaline aus Paraiba sind beliebt, vor allem in den Farben ‚Swimmingpool‘ oder ‚Electric Blue‘“, sagt Expertin Wietler.

Diese Rolle spielt die Farbe bei Edelsteinen

Der Laie sollte sich von intensiven Farben nicht beeindrucken lassen, denn die Steine könnten behandelt sein. „Durch Erhitzen kann man zum Beispiel Farben verbessern, besonders häufig wird das bei Saphiren gemacht. Unbehandelte Steine sind jedoch wertvoller“, sagt Strack. Wie sich die Herkunft eines Steins auf den Preis auswirken kann, berichtet Zeijl anhand eines Beispiels: „In unser Auktionshaus wurde ein Ring mit einem Rubin und zwei Diamanten eingeliefert, der zunächst auf 3000 Euro taxiert wurde. Ein Labor hat jedoch bestätigt, dass der Rubin aus Burma stammt. So konnte der Ring für 16.000 Euro verkauft werden.“ Experten können die Herkunft der Steine unter anderem anhand der Struktur von mikroskopisch kleinen Einschlüssen erkennen.

Auch Perlen können Schmuckstücke zieren. „Momentan ist die Nachfrage nach Naturperlen nicht sehr groß, es gibt jedoch eine kleine Klientel, die ungeheuer hohe Preise für Naturperlen zahlt, denn heutzutage kommen fast nur noch Zuchtperlen auf den Markt“, so Strack, die mehrere Fachbücher zum Thema Perlen geschrieben hat.

Schmuck als Geldanlage: Art déco als Dauerbrenner

Eine hohe Nachfrage gibt es nach wie vor nach sogenanntem Art-déco-Schmuck, der Ende des 19. Jahrhunderts aufkam und seine Hochphase zwischen den 1920er-Jahren und dem Zweiten Weltkrieg hatte. „Dank des puristischen Designs und der schnörkellosen Linien sind die Stücke sehr zeitlos“, sagt Mineralogin Wietler. Ringe, Colliers und Armbänder verkaufen sich am besten.

„Broschen trägt momentan kaum jemand, deshalb sind sie relativ günstig zu haben. Wer antizyklisch kaufen möchte, könnte darauf setzen, dass sie wieder modern werden“, sagt Zeijl. Sicher könne man sich dessen aber nicht sein. „Trends unterliegen keinen klaren Regeln“, gibt er zu bedenken.

Der Schmuckmarkt wird größer, wir haben zwei Rekordjahre hinter uns.
Jakob Zeijl, Leiter der Abteilung Schmuck und Uhren beim Kölner Auktionshaus van Ham

Wer hochkarätigen Schmuck mit der Chance auf eine Wertsteigerung erwerben will, muss mindestens mit einer fünfstelligen Summe einsteigen. „Zu möglichen Renditen lassen sich keine seriösen Aussagen treffen“, sagt Wietler. Grundsätzlich gelte: „Je hochkarätiger die Stücke gestaltet sind – insbesondere in Bezug auf das darin eingefasste Edelsteinmaterial –, desto teurer können sie werden, aber desto kleiner wird auch der Interessentenkreis.“

Stein-Wissenschaftlerin Strack spricht von einem „Wertsicherungsmittel in Zeiten der Not“ statt von einer Geldanlage. „In erster Linie sollte man die Schönheit des Schmucks sehen und Freude daran haben“, rät die Expertin.

Wie bei allen Anlagesegmenten gilt jedoch auch bei Schmuck: Je günstiger man ihn erwirbt, desto größer ist das Renditepotenzial. Die Stücke direkt beim Juwelier zu erstehen ist unter diesem Gesichtspunkt eher ungünstig. „Wenn ein Schmuckstück hergestellt wird, steckt da neben den Materialkosten sehr viel Arbeit und geistige Energie drin, die sich im Preis für den Endverbraucher niederschlagen. Doch beim Wiederverkauf wird das kaum noch berücksichtigt“, so Strack. In Auktionshäusern werden häufig niedrigere Preise aufgerufen als beim Juwelier im Facheinzelhandel. Allerdings handelt es sich dann um gebrauchte Schmuckstücke.

Wertvollen Schmuck gibt es meist nur in Präsenz

Auktionshäuser haben teils größere Ausstellungsflächen, auf denen man sich den Schmuck in Ruhe anschauen und auf Nachfrage aus der Vitrine holen lassen kann, berichtet Mineralogin Wietler. „Zum Beispiel im Dorotheum in Wien.“ Die intime Atmosphäre, wenn man sich bei einem Juwelier einzelne Stücke zeigen lässt, sei „nicht jedermanns Sache“.

30 bis 100
Euro
kostet die Begutachtung eines Schmuckstücks durch einen Gutachter, je nach Beschaffenheit des Objekts. Bei aufwendigen Stücken kann es auch teurer werden.

Alternativ zu einem Besuch im Auktionshaus kann man zu Hause durch die Kataloge blättern, doch auch die digitale Präsenz der Aktionshäuser sei inzwischen „perfekt“, findet Wietler. Allerdings würden die Auktionshäuser keine Gewähr bezüglich der Beschreibungen übernehmen. Vor allem bei hochpreisigem Schmuck sollten Käufer daher auf Zertifikate achten.

Zwar gibt es immer häufiger reine Online-Auktionen. Die besonders wertvollen Schmuckstücke werden aber meist noch in Präsenz-Auktionen versteigert, an denen Bieter aber auch via Internet teilnehmen können. Bieter müssen bedenken, dass sie zusätzlich zum Zuschlagspreis eine Provision an das Auktionshaus zahlen müssen, das sogenannte Aufgeld. Inklusive Mehrwertsteuer liegt es typischerweise bei über 30 Prozent.

Unter den Bietern sind meist Privat- und Fachleute. Letztere sind mitunter lediglich an den verwendeten Steinen interessiert, um diese für neue Schmuckstücke zu verwenden. „Der Schmuckmarkt wird größer, wir haben zwei Rekordjahre hinter uns“, berichtet Aktionsexperte Zeijl. Dass Menschen Schmuck einliefern, um persönliche finanzielle Engpässe zu überwinden, sei selten. „Häufig hat es damit zu tun, dass die Stücke nicht mehr zum Lebenswandel passen. Wenn ältere Leute abends weniger ausgehen, zeigen sie auch ihren Schmuck seltener und möchten sich selbst um den Verbleib kümmern, anstatt das ihren Erben zu überlassen“, beobachtet Zeijl.

Vor Verkauf des eigenen Schmucks zum Gutachter oder Prüflabor

Wer Schmuck besitzt und diesen verkaufen möchte, sollte gut abwägen, an wen er sich wendet. „In An- und Verkaufsläden bekommt man in der Regel nur den Preis für die Edelmetalle. Edelsteine werden dabei kaum berücksichtigt“, gibt Strack zu bedenken. „Bei reinem Goldschmuck, der von keinem besonderen Juwelier stammt, können solche Händler aber eine gute Adresse sein.“ Wer vermutet, dass das eigene Schmuckstück exklusiv ist und wertvolle Steine enthält, hat die Möglichkeit, einen Gutachter aufzusuchen, bevor er den Verkauf in Angriff nimmt.

In klassischen An- und Verkaufsläden bekommt man in der Regel nur den Materialpreis als Privatverkäufer.

Foto: dpa

Zu finden sind diese über die Industrie- und Handelskammern (IHK), die Sachverständige für Edelsteine, Gold- und Silberschmuck öffentlich bestellen und vereidigen. Die Kosten für ihre Dienstleistung richten sich nach dem Zeitaufwand für die Untersuchung des Schmucks. „Je nach Beschaffenheit des Schmuckstücks liegt die Gebühr zwischen 30 und 100 Euro. Bei einem Collier mit vielen Steinen kann es aber auch teurer werden“, rechnet Strack vor.

Ein Sachverständiger kann einschätzen, wie viel ein Stück bei einem Juwelier kosten würde und welchen Preis es erfahrungsgemäß in einer Auktion erzielen könnte. „Bei sehr hochwertigen Steinen rate ich zu einer Überprüfung in einem international anerkannten Prüflabor, zum Beispiel dem Gemmological Institue of America (GIA) in Kalifornien, dem Gemresearch Swisslab (GRS) in der Schweiz, dem HRD in Antwerpen oder dem Diamantprüflabor (DPL) in Idar-Oberstein“, zählt Wietler auf.

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Mit einem Zertifikat dieser Labore ließen sich zudem deutlich bessere Preise erzielen. Auch in Hinblick auf die Versicherung oder das spätere Vererben sei ein Zertifikat hilfreich.

Stellt sich bei der Begutachtung heraus, dass der Schmuck sehr wertvoll ist, kann man ihn dann noch tragen, oder gehört er in den Safe? Letztlich sei das eine sehr persönliche Entscheidung, findet Experte Zeijl: „Man sollte sich solche Stücke aussuchen, die man wirklich schön findet und diese auch tragen. Allerdings sollte man schon überlegen, wann man sie trägt.“ Vor der Gartenarbeit legt man den Diamantring und das üppige Armband doch besser in die Schatulle.

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Erstpublikation: 18.08.2023, 04:00 Uhr.

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