Oldtimer als Geldanlage: Diese Modelle sind besonders gefragt
Kein anderes Fahrzeug hat im vergangenen Jahr in Deutschland so viel an Wert gewonnen wie der Opel Manta.
Foto: CarpixelMünchen. Manta-Witze sind verschwunden, genau wie der namensgebende Opel aus dem Straßenverkehr. Gut lachen hat hingegen, wer heute ein solches Modell besitzt. Denn kein anderes Fahrzeug hat im vergangenen Jahr in Deutschland so sehr an Wert gewonnen wie der Opel Manta B in der PS-starken GT/E-Variante: Satte 31,21 Prozent waren es, wie die neueste Auswertung der Südwestbank ergab.
Oldtimer boomen. Zum Jahresbeginn waren in Deutschland 793.589 Fahrzeuge zugelassen, laut Kraftfahrtbundesamt waren es 8,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Wer sich für Oldtimer als Geldanlage interessiert, muss nicht nur wissen, welche Modelle gefragt sind und sein werden, sondern auch die Besonderheiten dieser Anlageklasse verstehen.
Jens Berner, der Oldtimer-Experte der Südwestbank, beobachtet bereits seit der Finanzkrise im Jahr 2008, dass sich Oldtimer als spannende Anlageobjekte etabliert haben. „Viele Kunden waren und sind auf der Suche nach alternativen, aber wertstabilen Investitionsmöglichkeiten, darunter auch Oldtimern“, sagt Berner.
Gar von „Garagengold“ sprechen inzwischen viele in der Szene. Dabei hat sich das Interesse inzwischen deutlich gewandelt, was sich auch an der Preisentwicklung der einzelnen Modelle zeigt.
Viele der in Deutschland beliebten Oldtimer werden in der wachsenden Szene als „Youngtimer“ bezeichnet. Die Autos der 80er- und 90er-Jahre kennen viele Neubesitzer noch aus ihrer Jugend. Damals waren sie unerschwinglich. Heute sind sie für wenige Tausend Euro zu haben und zudem häufig in einen erstaunlich guten Zustand.
Und der Opel Manta ist kein Einzelfall mehr. Noch vor wenigen Jahren dominierten unter Oldtimern die Marken Mercedes und Porsche. Unter den ausländischen Herstellern waren Premium- und Luxuswagen von Ferrari, Aston Martin und Jaguar begehrt. Diese Marken sind nach wie vor gefragt.
Mercedes SLR Uhlenhaut: Das teuerste Auto der Welt als Geldanlage
Das zeigt sich vor allem, wenn Rares und Außergewöhnliches angeboten wird: Im vergangenen Jahr wurde das bislang teuerste Auto aller Zeiten versteigert. 143 Millionen US-Dollar war einem unbekannten privaten Sammler ein Mercedes SLR Uhlenhaut aus dem Jahr 1955 wert. Der Preis war etwa dreimal so hoch wie der des vorherigen Rekordfahrzeugs, eines Ferrari 250 GTO aus dem Jahr 1962.
Dass der Sammler für diesen Mercedes diese enorme Summe zahlte, liegt an der Einzigartigkeit des Fahrzeugs. Den nach Rudolf Uhlenhaut, dem damaligen Leiter der Versuchsabteilung des Autobauers, benannte Wagen gibt es nur zweimal. Im Jahr 1955 hatte sich Mercedes aus der Rennszene verabschiedet, zurück blieben zwei Rennwagen mit Straßenzulassung. Das zweite Fahrzeug können Besucher weiter im Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart besichtigen.
Im Jahr 1955 hatte sich Mercedes aus der Rennszene verabschiedet, zurück blieben zwei Rennwagen mit Straßenzulassung.
Foto: HagertySolche Schätze finden allerdings höchst selten den Weg auf die Straße. Private Sammler halten sie streng unter Verschluss und spekulieren häufig auf weitere Preissteigerungen.
So geschehen am vergangenen Wochenende bei der Automobil-Auktionswoche „Monterey Auction Week“ an der amerikanischen Westküste: Auto-Analyst Frank Wilke vom Bochumer Marktanalysehaus Classic Analytics war vor Ort und konnte beobachten, wie ein Ferrari F40 von 1991 für 3,085 Millionen Dollar versteigert wurde. Erst im Jahr 2019 wechselte dieser Wagen für 1,682 Millionen Dollar den Besitzer. In nur vier Jahren verdoppelte das Fahrzeug damit fast seinen Wert.
Wie üblich bei solchen Auktionen handelt es sich um außergewöhnliche Fahrzeuge für einen betuchten Sammlerkreis. Weil der Ferrari F40 aus dieser Zeit inzwischen stark nachgefragt ist, ist sein Wert in so kurzer Zeit so sehr gestiegen. „Normalerweise sollte man Fahrzeuge nicht kaufen und gleich wieder verkaufen, das überschwemmt den Markt“, rät Analyst Wilke. Die höchsten Erlöse erzielen nach seinen Worten Autos, die zwei bis drei Jahrzehnte vom Markt verschwinden und dann „fresh to the market“ wieder auftauchen.
Die breite Masse der Interessenten sucht indes nach deutlich günstigeren Autos. Dabei erzielten sogenannte Volumenhersteller zuletzt die höchsten Zuwächse.
Die Preise für den Oldtimer haben im vergangenen Jahr kräftig zugelegt.
Foto: RUOTE DA SOGNOSo sind die Preise für Oldtimer der Marke Peugeot innerhalb eines Jahres um 15,4 Prozent gestiegen, wie jüngst Classic Analytics ermittelte. Zum Erfolg der Franzosen trug besonders das Modell 404 Coupé bei, ein eleganter Zweitürer, dessen Wert innerhalb eines Jahres um 29 Prozent nach oben ging.
Da der 404er in Nordafrika noch heute zum Straßenbild gehört, blicken sich viele Interessenten inzwischen auch dort um. Im Gegensatz zu Europa, wo die Produktion 1975 eingestellt wurde, lief diese in Afrika bis 1989 weiter.
Beim französischen Wettbewerber Renault sind die Preise für alte Schätze um mehr als zehn Prozent im vergangenen Jahr gestiegen, mehr als acht Prozent waren es bei Opel. Bei Mercedes-Benz haben die Preise im Durchschnitt um 4,2 Prozent zugelegt, bei Porsche um 3,3 Prozent. Das jüngste Preisplus von 1,6 Prozent bei Aston Martin und Jaguar sowie nur 0,9 Prozent bei Ferrari mutet dagegen fast bescheiden an.
Kurios in diesem Zusammenhang: Manche gefragte Klassiker von einst haben zuletzt sogar an Wert verloren und sind jetzt günstiger zu haben. Markante Beispiele zeigt der Deutsche Oldtimer-Index (DOX), den der Verband der Automobilwirtschaft (VDA) jedes Jahr veröffentlicht.
Der PS-stärkste Motor eines Modells wirkt sich preissteigernd beim Verkauf aus.
Foto: Elfer SportSeit 2018 haben einige „Lieblinge der Oldtimer-Enthusiasten“ verloren: Der Jaguar E-Type beispielsweise ist um sieben Prozent gesunken, der Mercedes 190 SL um 13 Prozent und die CS-Baureihe von BMW mit der markanten Haifisch-Front um 14,1 Prozent. Der Grund: „Diese Fahrzeuge waren vor wenigen Jahren so stark gefragt, dass die Preise massiv anzogen. Inzwischen sinkt das Interesse“, erklärt Auto-Analyst Wilke.
Grundsätzlich sind die aktuellen Preise allerdings lediglich Richtgrößen. Entscheidend für Interessenten ist immer der Zustand des einzelnen Wagens.
Um diesen einschätzen zu können, sollten Interessierte wichtige Fragen stellen: Lässt sich eine lückenlose Historie belegen? Ist das Fahrzeug „unverbastelt“, somit nahe am Originalzustand? Wurden Wartungsarbeiten regelmäßig durchgeführt und sind Unterboden und Radkästen nicht von Rost zerfressen?
Oldtimer als Geldanlage: Vorsicht bei Re-Importen
Preissteigernd wirken sich in der Regel eine Vollausstattung mit luxuriösen und technischen Raffinessen sowie der PS-stärkste Motor aus, den es damals zu bestellen gab. Oft ist für Sammler auch eine besondere Farbe oder ein einzelnes Baujahr interessant.
Alte VW-Bullis kommen vermehrt als Re-Importe in Deutschland auf den Markt.
Foto: mauritius images / tmpictures / Thomas MüllerEinen besonders kritischen Blick sollten Oldtimer-Fans auf die zunehmende Zahl an Re-Importen nach Deutschland werfen. VW-Bullis vom Typ T1 und T2, die im sonnigen Kalifornien vom Rostbefall verschont geblieben sein sollen, sind wegen der großen Nachfrage vermehrt im Angebot.
Aus Japan kommen vor allem luxuriöse und PS-starke Mercedes-Modelle mit dem großen V8-Motor zurück ins Land ihrer Erbauer. Einst waren sie dort bei betuchten Kunden beliebt. „Besonders die Wartung der aufwendigen technischen Triebwerke über die Jahre lässt aber häufig zu wünschen übrig“, beobachtet Wilke von Classic Analystics. Hohe Werkstattkosten können nach dem Kauf die Folge sein.
Experten empfehlen deshalb, vor einem möglichen Kauf einen heimischen Sachverständigen zu Rate zu ziehen. Für Oldtimer besteht die Auswahl zwischen einem Kurzgutachten und einem vollständigen Wertgutachten. Die Kosten dafür betragen laut dem Versicherer Allianz von 80 Euro in der einfachsten Variante bis zu 500 Euro. In der Kurzbewertung orientiert sich der Gutachter lediglich an der Optik und verteilt Zustandsnoten zwischen eins und fünf.
Für ein teures Sammlerfahrzeug empfiehlt sich hingegen ein vollständiges Wertgutachten. Darin steht dann auch, ob Motor und Getriebe im Originalzustand sind und zur Fahrgestellnummer passen. Von sogenannten „matching numbers“ ist dann die Rede: Die einzelnen Baugruppen, technische Daten, aber auch Umbauten werden notiert.
In diesem Jahr wird die vierte Generation des Porsche 911 30 Jahre alt.
Foto: dpaZudem geht die Fahrzeughistorie anhand von Kaufverträgen, Werkstattrechnungen oder Service-Heften in die Bewertung ein. Allerdings haben solche Gutachten auch ein Verfallsdatum. Wirbt der Verkäufer mit einer Bewertung, die bereits zwei bis drei Jahre alt ist, empfiehlt es sich, ein neues Gutachten erstellen zu lassen.
Nebenkosten eines Oldtimers sind erheblich
Anlaufstellen sind unter anderen Dekra oder TÜV, im Netz finden sich aber auch eine Reihe freier Gutachter. „Entscheidend sind eine differenzierte Betrachtung und Bewertung des Fahrzeugzustands durch einen Experten“, heißt es beim Branchenverband VDA.
Nach dem Kauf eines Oldtimers fallen weitere hohe Kosten an: Steuern und Versicherungen, Wartung und Reparaturen können jedes Jahr Tausende von Euro verschlingen.
Bei einem Kaufpreis ab 100.000 Euro rechnet Südwestbank-Experte Berner beispielsweise mit Nebenkosten zwischen drei und fünf Prozent pro Jahr. Die schmälern selbst bei spürbaren Preissteigerungen die mögliche Rendite.
Zudem gilt: Wer sich in dieser Größenordnung für einen Oldtimer interessiert, der sollte diesen als sinnvolle Beimischung für ein deutlich größeres Portfolio sehen. „Unter Chance-Risiko-Verhältnissen sowie aus Gründen einer angemessenen Diversifikation eignen sich Oldtimer zur Vermögensanlage nur für Kunden mit einem liquiden Anlagevermögen von über einer Million Euro“, rät Südwestbank-Experte Berner.
Wer nicht ganz so vermögend ist, spekuliert häufig auf die Preisentwicklung von Fahrzeugen, die 30 Jahre alt werden. Damit gehen allerdings nicht mehr wie in früheren Jahren automatisch Wertsteigerungen einher, wie Auto-Analyst Wilke beobachtet.
Oldtimer: Vorteile des H-Kennzeichens
Allerdings besteht mit einem Oldtimer-Gutachten auch die Möglichkeit, ein H-Kennzeichen zu erhalten. Darin wird bestätigt, dass das Fahrzeug der Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes dient, wie es in Paragraf 23 der Straßenverkehrszulassungs-Ordnung (StVZO) heißt. Die Folge sind nicht nur die Einstufung als Oldtimer, sondern auch eine geringere Kfz-Steuer und die Erlaubnis, in Umweltzonen einfahren zu dürfen.
In diesem Jahr überschreiten neben einer Vielzahl von Modellen der BMW 3er Cabrio E 36, der Golf III Cabrio und die erste Generation der Mercedes C-Klasse die 30-Jahres-Marke. Auch die vierte Generation des Porsche 911, auch 993 genannt, gehört dazu.
Beim letzten luftgekühlten 911er steigen die Preise allerdings schon seit Jahren, da die Fans der Marke in ihm den Ursprung des typischen Boxermotors erkennen. Danach musste der Motor aus Umweltaspekten einer Wasserkühlung Platz machen.
Erstpublikation: 24.08.2023, 13:03 Uhr.