Goldpreis-Entwicklung: Drei Gründe für den Abwärtstrend
Gold-Geschäft im indischen Mumbai (Bombay): Die Schmucknachfrage auf dem Subkontinent ist unverändert hoch.
Foto: ReutersFrankfurt. Der August ist bisher kein guter Monat für den Goldpreis. Das Edelmetall befindet sich im Abwärtstrend, fiel Ende vergangener Woche sogar auf knapp 1.884 Dollar pro Feinunze und somit auf den niedrigsten Stand seit Mitte März. Mittlerweile hat sich der Preis zwar erholt, notiert aber dennoch weiter unterhalb von 1.900 US-Dollar (Stand: 22. August 2023).
Solange sich der Markt darüber uneinig ist, ob und wann sich die US-Notenbank Federal Reserve von ihrer straffen Geldpolitik verabschiedet, könnte die Preisschwäche anhalten. Das hat mehrere Gründe.
1. Goldpreis-Entwicklung: Gold leidet unter hohen Zinsen
Gold wirft keine laufenden Erträge ab. In einem Umfeld hoher Zinsen entscheiden sich Investoren, die ihr Geld sicher anlegen wollen, daher statt für Gold eher für Staatsanleihen. Und deren Verzinsung ist stark gestiegen: So lag die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe zuletzt bei rund 4,3 Prozent und somit fast so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr.
Umgekehrt bedeutet das aber auch: Seit Anfang des Jahres ist der Kurs der zehnjährigen US-Bonds um rund ein Prozent gesunken. Denn Renditen und Kurse am Anleihemarkt entwickeln sich gegenläufig. So ist der Bestand von US-Staatsanleihen in Saudi-Arabien auf den niedrigsten Stand seit mehr als sechs Jahren gesunken. Auch China hat seinen Bestand deutlich reduziert. Anleihen seien also noch tiefer gefallen als Gold, betont Nitesh Shah, Leiter Rohstoff- und Makro-Research beim Vermögensverwalter Wisdom Tree.
Kurzfristig sorgen die US-Anleiherenditen für „starken Gegenwind“ beim Edelmetall, schreibt Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. Denn zugleich seien die Inflationserwartungen unverändert geblieben und sei daher der Realzins gestiegen. Das erhöhe die Opportunitätskosten von Gold. Sprich: Anleihen werden gegenüber Gold noch mal attraktiver. Beim Realzins wird die Veränderung der Kaufkraft mitberechnet, also eine Inflation oder Deflation.
2. Unklare Signale der Fed
Aus den Protokollen der Fed-Sitzung von Ende Juli geht hervor, dass die Währungshüter „weiterhin erhebliche Aufwärtsrisiken für die Inflation sehen, die eine weitere Straffung der Geldpolitik erforderlich machen könnten“. Kurz nach Veröffentlichung dieser Protokolle vergangene Woche sank der Goldpreis auf ein Fünf-Monats-Tief.
Hinzu kommt, dass die kürzlich veröffentlichten US-Wirtschaftsdaten, etwa zur Industrieproduktion, besser ausfielen als erwartet, erklärt UBS-Rohstoffexperte Giovanni Staunovo. „Die Marktteilnehmer werden jetzt auch genau auf das kommende Treffen in Jackson Hole schauen, in der Hoffnung, weitere Hinweise über die nächsten Schritte der Fed zu bekommen.“
Der Goldpreis schwächelt wegen uneindeutiger Signale der US-Notenbank Fed.
Foto: dpaDie UBS hat ihren Ausblick für den Goldpreis nun herabgestuft, von 2.100 US-Dollar pro Unze auf 1.950 US-Dollar pro Unze. „Ursprünglich haben wir mit einer leichten Rezession ab Ende 2023 gerechnet, erwarten nun aber eine sanfte Landung“, heißt es in dem Bericht. Daher sei es wahrscheinlicher, dass die Fed erst im zweiten Quartal 2024 mit Zinssenkungen beginnen wird.
3. Stärkerer US-Dollar senkt den Goldpreis
Ebenso rechnet die UBS in ihrem Report damit, dass der Druck auf den US-Dollar nachlassen wird, bis eine Zinssenkung näher rückt. Darwei Kung, Portfoliomanager für Rohstoffe bei der DWS, sagt, die gestiegene Realrendite der zehnjährigen US-Anleihen habe zu einer größeren Nachfrage nach dem US-Dollar beigetragen. Das senke den Preis von Gold, das in Dollar gehandelt wird.
Erstpublikation: 22.08.2023, 12:23 Uhr.