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BMWZweite Amtszeit für Vorstandschef Oliver Zipse

Vorstandschef Oliver Zipse soll den Münchener Autokonzern noch bis 2026 führen. Die Planspiele über seine Nachfolge haben aber bereits begonnen.Markus Fasse, Franz Hubik 21.09.2023 - 08:47 Uhr Artikel anhören

Der Vertrag des Managers soll vorzeitig verlängert werden.

Foto: AP

München. Der BMW-Konzern steht vor einer wichtigen Personalentscheidung. Nach Informationen des Handelsblatts aus Unternehmenskreisen soll der Vertrag mit Vorstandschef Oliver Zipse auf einer Aufsichtsratssitzung kommende Woche vorzeitig um weitere zwei Jahre verlängert werden. Der 59-Jährige soll demnach bis Sommer 2026 an der Spitze des Autobauers bleiben.

Die vorzeitige Vertragsverlängerung gilt als Vertrauensbeweis der Großaktionäre aus der Familie Quandt, die rund die Hälfte der Stimmrechte bei BMW kontrollieren. Auch die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat wollen die Entscheidung mittragen. BMW wollte die Personalie auf Anfrage nicht kommentieren.

Zipse hatte den Chefposten bei BMW 2019 von seinem Vorgänger Harald Krüger übernommen, der vorzeitig sein Amt abgab. Zipse hat in seiner ersten Amtszeit die Mobilitätsdienste verkauft und das Chinageschäft ausgebaut.

BMW: Altersgrenze wird für Oliver Zipse aufgeweicht

Das größte Projekt für die kommenden Jahre ist die Einführung der „Neuen Klasse“ einer neu designten Elektrobaureihe, die ab 2025 auf den Markt kommt. Der Kraftakt muss aus dem laufenden Geschäft finanziert werden, das in den wichtigsten Absatzmärkten China und Europa unter Druck steht. Anders als die Konkurrenten Mercedes und Audi hält BMW an den Verbrennungsmotoren fest und nennt kein Ausstiegsdatum aus Benzin und Diesel.

Der Weg bis zu einer möglichen Wachablösung in der BMW-Zentrale, dem „Vierzylinder“, ist damit zwar noch weit. Denn mit der Vertragsverlängerung um zwei Jahre geht der Aufsichtsrat weiter als bisher – in der Regel bekommen Vorstandsvorsitzende über dem 60. Lebensjahr nur ein Jahr zusätzlich.

Die Planspiele über die Nachfolge haben aber ebenfalls schon begonnen. Der Nachfolger oder die Nachfolgerin soll aus einem engen Kreis an Vertrauten aufgebaut werden, mit denen Zipse in seiner ersten Amtszeit den Vorstand besetzt hat. Den Konzernkreisen zufolge kommen drei Namen infrage: Produktionsvorstand Milan Nedeljkovic, Einkaufschef Joachim Post und Personalvorständin Ilka Horstmeier.

Mit der Verlängerung um zwei Jahre will der Aufsichtsrat allerdings Zeit gewinnen, schließlich steht Zipse, der das Unternehmen straff führt, und seiner Mannschaft ein Kraftakt bevor. Zwar verdient BMW so gut wie lange nicht mehr – die Umsatzrendite im Autogeschäft lag zuletzt bei fast elf Prozent. Doch Autos sind anders als in den Coronajahren keine Mangelware mehr. Die Engpässe in der Lieferkette sind weitgehend überwunden, der Branche drohen Preiskämpfe.

Damit neigt sich die Zeit der Bilderbuchgewinne dem Ende zu. Zumal die Nachfrage sinkt. Steigende Zinsen und die hohe Inflation trüben die Kauflaune der Verbraucher. In Deutschland und China ist die Wirtschaft unter Druck, das schlägt auf die Absatzzahlen durch. Darüber hinaus verdient BMW nach wie vor das meiste Geld mit Verbrennungsmotoren.

Der große Umschwung ist ab 2025 geplant, wenn die auf der IAA in München vorgestellte „Neue Klasse“ auf den Markt kommen soll. Die rein auf Elektroantriebe ausgerichtete Modellfamilie soll zunächst in Ungarn vom Band laufen, aber dann sehr schnell in alle BMW-Werke gebracht werden.

Damit ändert BMW nicht nur die Antriebstechnik, sondern auch das Design seiner Autos. Und Zipse gibt ein Versprechen an die Investoren: „Wir werden definitiv nicht weniger profitabel sein als heute.“

Das Problem dabei: Die Produktionskosten von Elektroautos sind weit höher als jene von Diesel und Benzinern – und eins zu eins lassen sich die Mehraufwände für teure Batterien und neue Software nicht an Endkunden weitergeben. Zipse muss BMW also schlanker aufstellen und die Kosten im Griff behalten. Einige Analysten hegen Zweifel, ob ihm das gelingen wird.

Henning Cosman von der britischen Bank Barclays stufte die BMW-Aktie zuletzt von „equal weight“ auf „underweight“ ab. Der Grund für die Verkaufsempfehlung: BMW werde „nicht in der Lage sein, die Fahrzeugverkäufe von zuletzt 2,4 auf perspektivisch drei Millionen Einheiten zu steigern, ohne Rabatte und eine Normalisierung der Listenpreise zu erreichen“.

Zipse hat allerdings schon einmal bewiesen, dass er das Unternehmen konsequent auf Profitabilität ausrichten kann. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit ließ er 6000 Jobs streichen und streckte während der Coronapandemie Investitionen. Anders als die Konkurrenten konnte BMW die Lieferkettenausfälle relativ glimpflich verkraften, auch weil sich das Einkaufsressort frühzeitig mit knapp gewordenen Halbleitern eingedeckt hatte.

Selbst während der Pandemie führte Zipse das Unternehmen eng. Von seinen Führungskräften erwartete er Anwesenheit. Mit Zipse arbeite BMW wieder zielgerichteter, sagt ein Mitglied des Aufsichtsrates. Die internen Querelen, die in der Amtszeit Krüger offen und zum Teil öffentlich ausgetragen wurden, hätten deutlich abgenommen. Das liege auch daran, dass Zipse merklich entscheidungsfreudiger als sein Vorgänger sei.

BMW geht bewusst auf Gegenkurs zur Branche

„BMW brauchte Führung und Zipse hat Führung geliefert“, sagt ein lang gedienter Manager. So wickelte der studierte Informatiker und Maschinenbauer das milliardenschwere Konglomerat „Your Now“ ab, in dem Krüger gemeinsam mit Mercedes seine Carsharing-Flotte und Taxidienste gebündelt hatte. In China übernahm BMW die bereits zuvor ausgehandelte Mehrheit an dem Produktions-Joint-Venture mit Brilliance und baut die Produktion in dem mit Abstand wichtigstem Markt weiter aus.

Mit einem Jahresumsatz von 142 Milliarden Euro gehört der Konzern nun zu den fünf größten deutschen Industrieunternehmen. Dass die Marke BMW wieder mehr Autos verkauft als die Marke Mercedes, hat Zipses Standing im Konzern zusätzlich angehoben – das letzte Mal war das seinem Mentor und Aufsichtsratschef Norbert Reithofer gelungen.

Zipses größtes Projekt für die kommenden Jahre ist die Einführung der neu designten Elektrobaureihe.

Foto: dpa

Dem Aufstieg Teslas, der unter Krüger bereits einsetzte, konnte auch Zipse bislang nichts entgegenhalten. Dabei ist der ehemalige Strategiechef und spätere Produktionsvorstand vom kompletten Umstieg auf den Stromantrieb immer noch nicht überzeugt. „Zweifellos ist die Elektromobilität der wichtigste Weg für die individuelle Mobilität der Zukunft – aber eben nicht der einzige“, sagte Zipse dem Handelsblatt erst Anfang September. Als einziger deutscher Hersteller peilt BMW den Serieneinsatz von Brennstoffzellen ab 2025 an.

Und auch bei den Verbrennern bleibt Zipse auf Gegenkurs zur Branche. Ein hartes Ausstiegsdatum für die Entwicklung, wie Audi es für 2026 formuliert hat, gibt es bei BMW nicht. Alle Modellreihen, vor allem die großen Geländewagen, erhalten zum Ende des Jahrzehnts noch einmal neue Benzin- und Dieselmotoren. Zipses Kalkül: Wenn andere die Technik nicht mehr fortführen, bleibt mehr Geschäft für BMW übrig.

Abgestimmt war dieser Kurs in den vergangenen Jahren eng mit Nicolas Peter, der im Mai in den Ruhestand ging und nun die BMW-Stiftung führt. Der ehemalige Finanzvorstand, ersetzt durch Walter Mertl, galt über die Jahre als eindeutige Nummer zwei in der BMW-Führung. In dieser Rolle habe er durchaus Gegenpositionen zu Zipse vertreten, beispielsweise in der Frage, ob die Profitabilität des Unternehmens wichtiger sei als die Ausweitung der Verkäufe, erzählen Insider.

Das sind die Kandidaten für die Zipse-Nachfolge bei BMW

Wer künftig die Rolle der Nummer zwei im BMW-Vorstand einnimmt, ist offen. Zipse hat mit Nedeljkovic, Post und Horstmeier zwei Kandidaten und eine Kandidatin, die für „jede Position“ im Unternehmen denkbar seien, heißt es im Konzern.

Milan Nedeljkovic ist Produktionsvorstand und führt damit bereits jenes Ressort, das jeder künftige BMW-Chef einmal geführt haben muss. Neben der Leitung der Werke München und Leipzig hat er zudem die Karosserieproduktion der Tochtermarke Mini in Oxford verantwortet und hat damit auch die notwendige Auslanderfahrung. Er muss nun für den reibungslosen Anlauf der „Neuen Klasse“ sorgen.

Der Produktionsvorstand verfügt auch über viel Auslandserfahrung.

Foto: eric kruegl BMW

Einkaufsvorstand Joachim Post ist mit 52 Jahren noch relativ jung im engsten Führungszirkel, verfügt aber über sehr viel Erfahrung im Konzern. So hat der Maschinenbauer unter anderem die Produktionsanläufe in China geleitet – eine Königsdisziplin für einen BMW-Manager.

Vor seinem Eintritt in den Vorstand verantwortete er die Fahrzeugstrategie und die Modelle der Mittelklasse, das Brot-und-Butter-Geschäft für die Münchener. Auch er könnte das Produktionsressort übernehmen.

Der Einkaufsvorstand hat sich bei Produktionsanläufen in China bewährt.

Foto: Handelsblatt

Das gilt ebenso für Ilka Horstmeier, seit 2019 Personalchefin. Auch in ihrem Lebenslauf steckt alles, was eine künftige BMW-Chefin braucht. Vor ihrem Eintritt in den Vorstand leitete sie mit Dingolfing das wichtigste deutsche Werk, zuvor verantwortete sie den Aufbau der Produktion von Elektroantrieben und Achsen – zentral für den Umstieg zum Stromauto. Schon bei ihrem Eintritt in den Vorstand galt sie als Kandidatin für das Produktionsressort.

Wie Zipse beherrscht auch sie die Bühne: Anfang September trat Horstmeier in München beim Digitalkongress „DLD“ in T-Shirt auf. Eine ihrer Botschaften lautete: „Tempo, Fokus und Zielstrebigkeit“.

BMW-Personalchefin Ilka Horstmeier beherrscht wie Zipse die Bühne.

Foto: BMW

Damit ist Zipses Agenda für die kommenden Jahre gesetzt: BMW muss trotz letzter Vorbehalte auf Elektrokurs, das Geschäft digitalisieren und die Profitabilität halten. Der Wettbewerb wird härter. Da sind zum einen neue Konkurrenten aus China wie Nio oder Li Auto. Zudem erhöht der wichtigste Wettbewerber die Taktzahl.

Mercedes-Frontmann Ola Källenius hat intern das Ziel ausgegeben, mindestens so effizient zu werden wie BMW. Der Schwede spart eisern. Dank höherer Verkaufspreise ist die Umsatzrendite von Mercedes schon jetzt höher als jene von BMW. Der Kapitalmarkt beobachtet die Entwicklung genau. Zipse darf die Margenlücke zu Mercedes nicht zu groß werden lassen.

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Gleichzeitig gilt es, auch personell die Weichen für die zweite Hälfte des Jahrzehnts zu stellen. Wer BMW-Chef werden will, sollte zwei Vorstandsressorts geleitet haben. Nedeljkovic, Post und Horstmeier haben jeweils bislang nur ein Ressort geführt. Ein Projekt für Zipses zweite Amtszeit dürfte also ein Vorstandsumbau sein.

Erstpublikation: 20.09.2023, 04:00 Uhr.

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