Interview: Helmut Schleweis: „Wohnen ist die soziale Frage des nächsten Jahrzehnts“
Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes fordert eine drastische Senkung der Grunderwerbsteuer für eigengenutztes Wohneigentum.
Foto: Marc-Steffen UngerFrankfurt. Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis warnt angesichts hoher Teuerung und gestiegener Zinsen vor einer Spaltung der Gesellschaft. „Menschen mit niedrigem Einkommen leiden besonders unter der hohen Inflation, weil die Preissteigerungen für Lebensmittel und Energie sie besonders hart treffen“, sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) dem Handelsblatt.
„Hinzu kommt, dass der beste Schutz gegen Inflation – Wohneigentum – für große Teile der Bevölkerung unerschwinglich geworden ist.“ Für Familien mit niedrigem Einkommen brauche es großzügigere Förderprogramme. „Das Thema Wohnen ist die entscheidende soziale Frage des nächsten Jahrzehnts.“
Bei den Sparkassen, die mehr als jede dritte Wohnung in Deutschland finanzieren, ist die Baufinanzierung im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 50 Prozent eingebrochen. „Es mehren sich aber die Signale, dass der Boden erreicht ist“, sagte Schleweis.
„In einigen Regionen sind die Immobilienpreise etwas gesunken, und die Baukosten steigen nicht mehr so stark an wie vor einigen Monaten – das macht Hoffnung.“ Das Ziel der Bundesregierung, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu errichten, lasse sich aber weder in diesem noch im nächsten Jahr erreichen.