Finanzinstitut: Britische Metro Bank braucht neues Kapital – Aktienkurs stürzt ab
Der Börsenwert der Metrobank ist stark eingebrochen.
Foto: ReutersLondon. Die Kurse für Anleihen und Aktien der britischen Metro Bank sind am Donnerstag eingebrochen. Hintergrund ist offenbar ein Kapitalbedarf der Bank von bis zu 600 Millionen Pfund (690 Millionen Euro), der inzwischen auch die britische Finanzaufsicht alarmiert hat.
Nach einem Bericht der „Financial Times“ wurde der Verwaltungsratsvorsitzende Robert Sharpe zu Gesprächen in die Bank of England zitiert, wo er mit Vertretern der Prudential Regulation Authority (PRA) und Financial Conduct Authority (FCA) zusammentreffen sollten.
„Metro Bank nimmt die jüngsten Spekulationen über eine potenzielle Kapitalerhöhung zur Kenntnis“, teilte das Finanzinstitut mit. Man prüfe eine Reihe von Optionen, „einschließlich einer Kombination aus der Emission von Eigenkapital, der Emission von Schuldtiteln und/oder der Refinanzierung und dem Verkauf von Vermögenswerten“.
Eine Entscheidung darüber sei noch nicht gefallen. Die US-Investmentbank Morgan Stanley soll dem Vernehmen nach bei der Kapitalbeschaffung helfen.
Die Finanzmärkte reagierten nervös auf die Meldungen: Die Anleihekurse sackten um fast vier Prozent ab, der Aktienkurs von Metro Bank sank im frühen Handel in London um etwa 30 Prozent.
Der Börsenwert des Unternehmens ging auf rund 65 Millionen Pfund (etwa 75 Millionen Euro) zurück, Ende 2017 hatte der Marktwert noch bei 3,2 Milliarden Pfund gelegen. Die Ratingagentur Fitch setzte die Bank auf „negative watch“.
Metro steckt nicht zum ersten Mal in Schwierigkeiten
Die Metro Bank versuchte, die Märkte mit dem Hinweis zu beruhigen, dass man auf vergleichbarer Basis in den vorausgegangenen Quartalen bis Ende Juni 2023 profitabel gearbeitet habe. Im ersten Halbjahr betrug der Gewinn vor Steuern 16 Millionen Pfund.
Metro hat in Großbritannien etwa 2,8 Millionen Kunden und beschäftigt rund 4000 Mitarbeiter. Die Bank wurde 2010 vom Amerikaner Vernon Hill gegründet und war damals die erste neue Retail-Bank in London seit mehr als 100 Jahren.
Metro steckt allerdings nicht zum ersten Mal in Schwierigkeiten. Nachdem 2019 Bilanzfehler aufgedeckt wurden, zogen Kunden kurzfristig Einlagen in Höhe von mehr als einer Milliarde Pfund ab.
Vor Kurzem verweigerten die Finanzaufseher der PRA der Bank die Erlaubnis, ihren Kapitalbedarf im Hypothekengeschäft mit einem internen Modell festzulegen. Die Aktien verloren daraufhin mehr als 60 Prozent an Wert.
Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg betrugen die Vermögenswerte der Metro Bank Ende Juni 2023 rund 22 Milliarden Pfund. Der Schuldenstand lag Ende vergangenen Jahres bei 4,9 Milliarden Pfund.