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PostbankExperten fordern Neukundenverbot für Deutsche-Bank-Tochter

Die Fintech-Branche beklagt eine Ungleichbehandlung durch die Bafin und verlangt härtere Strafen gegen die Deutsche-Bank-Tochter Postbank.Dennis Schwarz 07.10.2023 - 09:19 Uhr Artikel anhören

Die Deutsche Bank hatte bei der Migration von Kundendaten der Postbank den Informationsbedarf der Kunden und den Schulungsbedarf für seine Beschäftigten unterschätzt.

Foto: dpa

Frankfurt. Fintech-Experten geht der Einsatz eines Sonderbeauftragten bei der Postbank nicht weit genug: Sie fordern ein Neukundenverbot für die Deutsche-Bank-Tochter. „Bei Fintechs wurden in der Vergangenheit auch drastischere Maßnahmen ergriffen“, sagt Miriam Wohlfarth. Es sei nur fair, wenn dies jetzt auch bei in der Finanzbranche etablierten Unternehmen so umgesetzt würde. Wohlfarth ist seit mehr als 20 Jahren in der Branche aktiv und hat die Fintechs Ratepay und Banxware gegründet.

Peter Grosskopf sieht ebenfalls signifikantere Dimensionen bei der Postbank: „Die Systemrelevanz ist viel höher als bei jedem anderen Fintech. Etablierte Banken dürfen keinen Welpenschutz haben“, sagt der Gründer der Defi-Plattform Unstoppable Finance.

Die Finanzaufsicht betont immer wieder den Grundsatz „gleiches Geschäft, gleiches Risiko, gleiche Regeln“. In der Fintech-Branche wird daran jedoch stark gezweifelt. Viele sind der Ansicht, dass die Finanzaufsicht unverhältnismäßig hart gegen junge Unternehmen vorgeht. „Fintechs werden immer mit den großen, etablierten Banken verglichen. Deshalb muss es jetzt aber auch umgekehrt die gleichen Strafen geben“, fordert Wohlfarth.

Weder die Deutsche Bank noch die Bafin wollten die Forderungen der Fintech-Experten kommentieren. Bafin-Chef Mark Branson hatte sich bereits auf dem Handelsblatt-Bankengipfel dazu geäußert, ob die Aufsicht bei Fintechs rigoroser vorgeht: „Diese unterschwellige These, dass wir bei den Kleinen strenger sind als bei den Großen, stimmt überhaupt nicht“, sagte er. Die Aufsicht sei sehr risikoorientiert unterwegs.

„Kleine Unternehmen, die schnell wachsen, können in gewissen Bereichen wie Betrugsprävention oder Geldwäsche große Risiken mit sich bringen und da braucht es eine Reaktion“, betonte Branson. Wenn etwas bei einem großen Institut schiefgehe, brauche es natürlich auch eine entsprechende Reaktion. „Wir sind diskriminierungsfrei unterwegs“, sagte der Bafin-Chef.

Auflagen für N26 und Solaris: Hier ist die Bafin aktiv geworden

Prominente Beispiele, in denen die Bafin aktiv geworden ist, sind die Berliner Smartphonebank N26 sowie der Berliner „Banking as a Service“-Spezialist Solaris. Die Finanzaufsicht hatte bei einer Prüfung 2020 teils schwerwiegende Mängel bei Solaris festgestellt. Sie schickte daraufhin einen Sonderprüfer in die Bank.

Zudem muss das Institut seit Jahresbeginn von der Behörde eine Erlaubnis einholen, bevor es neue Kunden aufnimmt. Konkret müsse Solaris Maßnahmen ergreifen, „um eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation im Risikomanagement und in der Geldwäscheprävention sicherzustellen und Risiken zu begrenzen“, teilte die Bafin Ende Januar mit.

N26 hat seit November 2021 einen Sonderprüfer der Bafin im Unternehmen. Die Finanzaufsicht ist der Ansicht, dass N26 viele Jahre zu schnell gewachsen ist und seine Prozesse und Kontrollen nicht entsprechend weiterentwickelt hat. Seitdem darf die Berliner Smartphonebank nur maximal 50.000 Neukunden pro Monat aufnehmen. N26 habe „trotz einiger Fortschritte nach wie vor Defizite in seinen Systemen zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung“, erklärte die Bafin erst Mitte Juni dieses Jahres.

Im Fall der Postbank geht es um andere Themen als im Fall von Solaris und N26. Die Deutsche Bank hatte Anfang September eine Rüge der Bafin wegen massiver Probleme bei ihrer Privatkundentochter Postbank kassiert.

Massive Probleme bei der Postbank

Die Aufseher beobachten „seit dem Jahreswechsel 2022/2023 „erhebliche Beeinträchtigungen bei der Abwicklung des Kundengeschäfts bei der Postbank“, hieß es damals. Viele Nutzer konnten sich nicht mehr einloggen, ihre Umsätze wurden nicht angezeigt, und die telefonische Hotline des Instituts war oft nicht erreichbar. Auf dem Handelsblatt-Bankengipfel entschuldigte sich Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing dafür.

Am Montag teilte die Bafin dann mit, einen Sonderbeauftragten zu entsenden, der die Bank beim Abarbeiten ihrer Probleme kontrolliert. „Er soll überwachen, dass das Institut die Einschränkungen im Kundenservice zügig und vollständig beseitigt“, heißt es von der Aufsicht. Damit komme die Bafin ihrem gesetzlichen Auftrag zum kollektiven Verbraucherschutz nach und kann aufsichtlich eingreifen, sollten sich die dringend notwendigen Verbesserungen bei der Auftragsabwicklung bei Postbank und DSL Bank nicht einstellen, heißt es ergänzend von einem Sprecher.

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Eine Entscheidung, die den Fintech-Experten nicht genügt.

Erstpublikation: 04.10.2023, 11:26 Uhr.

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