Gaza: Wer finanziert die Terrororganisation Hamas?
Die Terrororganisation beherrscht den Gaza-Streifen seit 2007.
Foto: ReutersBrüssel, Berlin. Bei seinem Truppenbesuch im Süden Israels ließ Verteidigungsminister Yoav Gallant keinen Zweifel an der Zukunft der Terrorgruppe. Die Hamas, so sagte er am späten Dienstag, sei der Islamische Staat (IS) von Gaza. Mit aller Macht hatten die USA, die Türkei und andere Staaten die vor allem in Syrien und dem Irak aktive Terrormiliz bekämpft und weitgehend ausgeschaltet. Dieses Schicksal stehe nun der aus dem Gazastreifen operierenden Hamas bevor.
Nach dem überraschenden Angriff der Terroristen am Samstagmorgen hat Israel das palästinensische Küstengebiet abgeriegelt und bereitet nun eine Bodenoffensive vor. Welchen Umfang diese haben wird, ist bisher nicht abzuschätzen. Verteidigungsminister Gallant war nach dem Terrorangriff mit mehr als 1000 Toten und 150 Entführten deutlich: „Was in Gaza war, wird es nicht mehr geben.“
Seit dem Jahr 2007 haben die militanten Islamisten das Sagen im Gazastreifen; seitdem hat Israel das Territorium von der Außenwelt isoliert. Wer einreisen will, durchläuft mehrere Grenzkontrollen. Nur wenige der rund 2,4 Millionen Bewohner haben das Gebiet in ihrem Leben überhaupt je verlassen können.
Die Hamas hat mittlerweile ein autoritäres Regime errichtet. Es gibt keine Transparenz über ihre Finanzierung. Eine politische Opposition und soziales Engagement werden weitestgehend unterdrückt, wie Berichte von vor Ort zeigen.
Jeder zweite Einwohner von Gaza lebt in Armut – trotz Finanzhilfen aus dem Ausland. Nach Schätzungen von Experten soll alleine das Emirat Katar 1,5 Milliarden Dollar nach Gaza transferiert haben. Das Geld sollte eigentlich als eine Art Arbeitslosengeld an die Zivilbevölkerung ausgezahlt werden. Einen Großteil davon dürfte die Hamas allerdings für sich selbst genutzt haben, erwarten Fachleute.
Unterstützung aus dem Iran
Finanzielle Hilfe sollen die Hamas auch aus Iran erhalten haben, der bereits die im Libanon ansässige Terrormiliz Hisbollah mit Waffen und Kapital unterstützt. Welchen Umfang die Finanzströme haben, ist aber unklar.
Die mit dem Geld finanzierte militärische Aufrüstung hat ein alleiniges Ziel, das die Hamas schon in ihrer Gründung festgeschrieben hat: die Vernichtung des Staates Israels und seiner Bürger. Dass es der Hamas ernst ist, zeigen die jüngsten Terrorangriffe, die überraschend organisiert abliefen.
Das Vorgehen und der Ausbildungsstand der Hamas-Terroristen deuten viele Experten als Beleg für eine Unterstützung durch einen anderen Staat, am wahrscheinlichsten den Iran.
Warum wurde der Geheimdienst nicht aktiv?
Der mörderische Überfall war nicht nur geplant, sondern die Vorbereitungen blieben den israelischen Sicherheitsbehörden auch verborgen. Auch das spricht für eine neue Qualität, heißt es in Kreisen westlicher Nachrichtendienste.
Das dürfte die Bodenoffensive der israelischen Armee vor eine Herausforderung stellen. Bereits in vorherigen Gaza-Kriegen hat die israelische Armee aufgrund der dichten Besiedelung des Gebiets stets versucht zu vermeiden, mit Bodentruppen in Gaza einzumarschieren. Dafür müssten die Truppen zwischen Häusern und auf teilweise sehr engen Straßen vorrücken. Hier können sie leicht in Hinterhalte geraten.
So berichtet das Handelsblatt über den Israel-Krieg:
- Die überrumpelte Supermacht – Biden will einen Flächenbrand in Nahost verhindern
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- Das große Versagen der Geheimdiens: Wie konnte das passieren?
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Über wie viele Kämpfer die Hamas verfügt, ist schwer einzuschätzen. Israel spricht von „einigen Zehntausend“, wobei der harte Kern der gut ausgebildeten Terroristen einige Tausend umfassen dürfte.
In den vergangenen Jahren hat die Hamas ein weites Tunnelsystem gebaut, über dessen Ausmaße seit Jahren spekuliert wird – es dürfte mehrere Hundert Kilometer lang sein. Klar war, dass die Hamas durch diese Tunnel seit Jahren Lebensmittel, Versorgungsgüter, aber vor allem auch militärische Güter und Menschen schmuggelt.
Während es für die Zivilbevölkerung von Gaza nur unter sehr hohen Auflagen und Ausnahmeregelungen möglich ist, das Gebiet zu verlassen, wurden ranghohe Hamas-Mitglieder immer wieder außerhalb gesichtet.
Das Tunnelsystem nutzt die Hamas auch als Lager für militärisches Gerät. In einem Propaganda-Video der Terrororganisation ist zu sehen, wie etliche Raketen in einem unterirdischen Gang eingelagert sind. Zwei Terrorkämpfer tragen eine Rakete über Treppen an die Oberfläche, von wo sie abgeschossen wird. Unabhängig verifizieren lässt sich die Authentizität nicht, doch der massive Raketenbeschuss vom Gaza-Streifen aus gibt zumindest Hinweise.