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Angriff auf IsraelWie geht es den Menschen in Gaza jetzt? Die wichtigsten Antworten

Nach dem brutalen Angriff der Hamas verteidigt sich Israel. Die Situation der Menschen in Gaza spitzt sich laut Hilfsorganisationen immer weiter zu.Dana Heide, Nell Rubröder 15.10.2023 - 14:11 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Lage in Gaza ist angespannt – die Krankenhäuser sind mit der Anzahl der Verletzten überfordert.

Foto: Reuters

Berlin. Nach dem massiven Angriff der Hamas auf Israel, bei dem laut offiziellen Angaben mindestens 1200 Menschen getötet, rund 3400 Menschen verletzt und mindestens 150 nach Gaza verschleppt wurden, verteidigt sich Israel seit Tagen mit Bombardements auf das dicht besiedelte Gebiet.

Insgesamt sollen nach palästinensischen Angaben mehr als 2300 Menschen im Gazastreifen getötet und rund 10.000 verwundet worden sein.

Schon jetzt sprechen Hilfsorganisationen von katastrophalen humanitären Bedingungen vor Ort. Das Problem: Laut Angaben des israelischen Militärs missbraucht die Hamas die Bewohner von Gaza als menschliche Schutzschilder.

Hamas-Terroristen versteckten sich in Gaza in Tunneln unter Häusern und in Gebäuden von Zivilisten, hieß es von einem Sprecher.

Wie ist die Lage in Gaza?

Die Lage im Gazastreifen wird nach Darstellung der Vereinten Nationen „rasch untragbar“. Dort gebe es keinen Strom, kein Wasser, keinen Treibstoff und die Lebensmittel gingen zur Neige, erklärte der UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths in einem Statement am Samstag.

„Den Menschen in Gaza fehlt es gerade an allem“, sagte die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) ebenfalls am Samstag nach Gesprächen mit dem ägyptischen Außenminister Samih Schukri und dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Aboul Gheit, in Kairo.

Sie sei daher mit den Vereinten Nationen und den Partnern in Gesprächen, wie humanitäre Hilfe organisiert werden könne. Geeignet dafür sei der Grenzübergang Rafah zwischen Ägypten und dem Gazastreifen. Baerbock betonte, dass für die aktuelle Lage einzig die Hamas verantwortlich sei. „Die Hamas missbraucht die Menschen in Gaza als Schutzschilder“, sagte Baerbock.

Die EU-Kommission gab am Samstagabend eine Verdreifachung der humanitären Hilfe für den Gazastreifen auf 75 Millionen Euro bekannt.

Ein Problem in Gaza ist neben der Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln auch die Gesundheitsversorgung. „Die Krankenhäuser im Gazastreifen stehen kurz vor dem Zusammenbruch“, schrieb Tedros Adhanom Ghebreyesus, der Chef der Weltgesundheitsorganisation WHO, am Freitag auf dem Kurznachrichtendienst X (vormals Twitter).

Ohne die sofortige Bereitstellung von Hilfsgütern werde die grundlegende Gesundheitsversorgung zum Erliegen kommen, warnte er.

So berichtet das Handelsblatt über den Israel-Krieg:

In einer Mitteilung vom Donnerstag sprach das Rote Kreuz von katastrophalen Folgen von Stromausfällen in Krankenhäusern in Gaza, da dadurch wichtige Dienstleistungen wie die Sauerstoffversorgung von Patienten oder die Durchführung von Nierendialysen beeinträchtigt würden. „Ohne Strom laufen Krankenhäuser Gefahr, zu Leichenhallen zu werden“, schrieb Fabrizio Carboni, Regionaldirektor des Internationalen Roten Kreuzes für den Nahen Osten (IRKR), auf X eindringlich.

Wie lange reichen lebensnotwendige Vorräte noch?

Juliette Touma von UNWRA teilte der Wochenzeitung „Die Zeit“ schon Mitte vergangener Woche per Whatsapp mit, dass die Auffanglager überfüllt seien und die Vorräte an Wasser und Lebensmitteln in zehn Tagen erschöpft sein könnten. Sie betonte, dass bis zum späten Mittwochnachmittag bereits 218.600 Flüchtlinge in den 92 von der UNRWA betriebenen Schulen Zuflucht gesucht hätten.

Erschwert würde die Situation durch die eingeschränkte Mobilität der humanitären Helfer vor Ort. Das Rote Kreuz, das mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Gaza hat, berichtet, dass aufgrund fehlender minimaler Sicherheitsgarantien derzeit keine Hilfsgüter verteilt werden können. 23 Mitarbeiter von Hilfsorganisationen seien bereits getötet worden, teilte das Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten der UN (OCHA) mit.

Bei den Luftangriffen sind auch Mitarbeiter der Hilfsorganisationen getötet worden.

Foto: Reuters

Bereits am Dienstag hatte Israel eine Total-Blockade für die Region verhängt. Es soll bis auf weiteres keine Strom-, Treibstoff- und Nahrungsmittellieferungen für die Zivilbevölkerung Gazas geben.

Was wären die Folgen einer israelischen Bodenoffensive?

Die israelische Armee (IDF) bereitet sich nach Angaben von Militärsprechern auf eine Bodenoffensive im Gazastreifen vor und hat rund 300.000 Reservisten für einen Krieg gegen die dort herrschende Terrormiliz Hamas mobilisiert. Am Freitagabend teilte das israelische Militär mit, dass vereinzelt Ziele im Gazastreifen mit Bodentruppen angegriffen worden seien. Immer wieder soll es am Wochenende Einsätze in Gaza gegeben haben.

Die israelische Armee hatte zuvor die Vereinten Nationen darüber informiert, dass die gesamte palästinensische Bevölkerung nördlich des Wadi Gaza innerhalb von 24 Stunden in den südlichen Gazastreifen umgesiedelt werden soll, so ein UN-Sprecher. Ob es sich tatsächlich um eine Frist von 24 Stunden handelte, ist jedoch umstritten. Die UN kritisierten die Frist. „Die Vereinten Nationen halten es für unmöglich, dass eine solche Umsiedlung ohne katastrophale humanitäre Folgen durchgeführt werden kann“, so der Sprecher weiter. In den vergangen Tagen hatte die israelische Armee den Aufruf immer wieder bekräftigt, am Sonntag verlängerte Israel die Frist zur Flucht in den Süden schließlich.

Rund 1,1 Millionen Palästinenser leben nördlich des Wadi Gaza, einem schmalen Feuchtgebiet, das sich von West nach Ost durch den Gazastreifen zieht.

Nach der Warnung durch die israelische Regierung, fliehen zahlreiche Palästinenser aus dem nördlichen Gaza-Streifen.

Foto: AP

Chaos sei bereits ausgebrochen, berichtet Inas Hamdan, eine Mitarbeiterin des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) im Gazastreifen am Freitag dem Fernsehsender ARD: „Niemand weiß, was zu tun ist“. Die meisten Menschen hätten noch keine direkte Anweisung des Militärs gehört, das Gebiet zu verlassen, berichteten Anwohnerinnen und Anwohner der Nachrichtenagentur AP.

Welche Möglichkeiten zur Flucht aus Gaza gibt es?

Für Palästinenser gibt es derzeit nur die Möglichkeit, vom Norden in den Süden von Gaza zu flüchten. Das israelische Militär teilte am Sonntag mit, es werde eine Fluchtroute in Richtung Süden für mehrere Stunden von Angriffen verschonen, damit sich Zivilisten in Sicherheit bringen können.

Der Grenzübergang nach Ägypten blieb zunächst geschlossen. Kairo hatte ihn bereits am Montag nach Luftangriffen auf Rafah auf unbestimmte Zeit geschlossen. Das Land verhandelt derzeit mit Israel, den USA, Deutschland und anderen Staaten über einen Korridor, durch den Hilfsgüter und Treibstoff über den Grenzübergang Rafah nach Gaza geliefert werden sollen. Laut Medienberichten sind bereits massenweise internationale Hilfsgüter in die Nähe von Rafah transportiert worden - sie kommen jedoch aufgrund der Grenzblockade nicht nach Gaza herein.

Auch über die Ausreise ausländischer Bürger, die sich derzeit in Gaza befinden, über den Grenzübergang Rafah zur Flucht nach Ägypten wird derzeit verhandelt. Ein ranghoher ägyptischer Vertreter hatte am Samstag laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Afp erklärt, sein Land, Israel und die USA hätten sich darauf verständigt, Ausländern im Gazastreifen die Ausreise über den Grenzübergang Rafah zu ermöglichen.

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Einen Fluchtkorridor für palästinensische Zivilisten raus aus Gaza wird es aber wohl nicht geben. In Gaza befinden sich auch deutsche Staatsangehörige. Teil der Gespräche von Außenministerin Baerbock in Kairo war am Samstag neben der Organisation von humanitärer Hilfe laut der Grünen-Politikerin auch die Ausreise von deutschen Staatsbürgern aus Gaza über den Grenzübergang in Rafah nach Ägypten.

Obwohl die Grenzen von Gaza derzeit für Palästinenser geschlossen sind, warnen die ersten Migrationsforscher vor Fluchtbewegungen auch nach Europa. Der Berliner Migrationsforscher Ruud Koopmans schrieb auf dem Kurznachrichtendienst X, dass sich unter den potenziellen Flüchtlingen dann „viele Hamas-Anhänger“ befinden könnten. Europa stehe vor dem Problem, dass es zurzeit keine Möglichkeit habe, diesen Menschen die Einreise zu verweigern. Die EU müsse „dringend handeln“.

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