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SpezialchemieClariant kauft Kosmetik-Zulieferer in größtem Deal seit 2011

Mit einer millionenschweren Übernahme will der Chemieriese Clariant sich gegen den Abschwung der Branche stemmen. Konzernchef Conrad Keijzer hofft auf eine Trendwende.Jakob Blume 30.10.2023 - 12:38 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Schweizer Chemiekonzern Clariant übernimmt den kanadischen Kosmetik-Zulieferer Lucas Meyer Cosmetics für 810 Millionen Dollar.

Foto: Arnd Wiegmann

Zürich. Der Spezialchemiekonzern Clariant stärkt sein Kerngeschäft und übernimmt für 810 Millionen Dollar das Unternehmen Lucas Meyer Cosmetics, das Grundstoffe für die Kosmetikindustrie herstellt. Das teilte der Konzern am Montag mit. „Spezialzutaten sind der mit Abstand attraktivste Markt in der Spezialchemie, sowohl beim Wachstum als auch bei den Margen“, sagte Clariant-Chef Conrad Keijzer im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Für Clariant ist es die größte Übernahme seit 2011. Damals hatte der Spezialchemiekonzern aus der Schweiz die deutsche Südchemie übernommen. Mit dem Zukauf stärken die Schweizer ihr wichtigstes Geschäftsfeld, genannt Care Chemicals, in dem die Produktion von Grundstoffen für die Konsumgüterindustrie sowie die Pharmabranche gebündelt sind.

Die Sparte erwirtschaftete zuletzt gut die Hälfte des Gesamtumsatzes von zuletzt rund einer Milliarde Franken im dritten Quartal. Der Zukauf werde bereits ab dem zweiten Jahr den Gewinn pro Aktie steigern, kündigte Clariant-Chef Keijzer an.

Der Deal passt zu seiner Strategie, den Konzernumsatz mit strategischen Zukäufen zu steigern. Zu Beginn seiner Amtszeit hatte er bereits das Produktportfolio umgebaut und zahlreiche Sparten verkauft. Clariant habe lange nach solch einer Übernahmemöglichkeit gesucht, so Keijzer. „Doch Firmen wie Lucas Meyer Cosmetics kommen nur selten auf den Markt.“

Clariant machte sich im aktuellen Umfeld auch die Schwäche der Konkurrenz zunutze. Der Baseler Chemiekonzern übernimmt die Produktion von Grundstoffen für die Kosmetikbranche vom US-Konkurrenten International Flavors & Fragrances (IIF). Das Unternehmen braucht seinerseits Cash, um die Schuldenlast zu reduzieren. Einem Bloomberg-Bericht zufolge galten auch der Dax-Konzern Symrise und der schweizerische Düfte- und Geschmacksstoffproduzent Givaudan als Interessenten für Lucas Meyer. Der Preis liegt allerdings rund 200 Millionen Dollar unter dem Preis, den sich IIF von dem Verkauf erhofft hatte, zeigen Daten von Bloomberg.

Clariant-Chef sieht Tiefpunkt überwunden

Der Baseler Spezialchemiekonzern stemmt sich mit dem Zukauf gegen die aktuelle Krise der gesamten Branche. Neben der schwachen Konjunktur belastete zuletzt auch der starke Schweizer Franken das Ergebnis von Clariant. Der Umsatz fiel im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahres um 21 Prozent, von rund 1,3 Milliarden auf eine Milliarde Franken. Das Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) brach um 28 Prozent auf 159 Millionen Franken ein.

Der Clariant-CEO zeigte sich jedoch optimistisch, dass der Chemiekonzern das Schlimmste überstanden hat. „Wir haben den Tiefpunkt durchschritten.“ Das Volumen der Verkäufe ziehe gegenüber dem Vorjahresquartal wieder an. Im Juli musste Clariant eine Gewinnwarnung veröffentlichen. Auch die deutschen Chemiekonzerne BASF, Lanxess und Evonik hatten ihre Anleger im Sommer vor schlechteren Geschäftszahlen gewarnt. Grund dafür waren der Abschwung der Weltkonjunktur sowie der Abbau von Lagerbeständen bei den Kunden der Chemieriesen.

Lichtblick bei Clariant ist das Geschäft mit Katalysatoren, die in der Ölindustrie, aber auch bei der Herstellung chemischer Grundstoffe wie Methanol, Ethanol oder Ammoniak zum Einsatz kommen.

Der Umsatz wuchs gegen den Branchentrend auf währungsbereinigter Basis um acht Prozent. Die Ebitda-Marge verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum beinahe, von 11,8 Prozent auf 22,3 Prozent.

An der Börse kletterten die Clariant-Aktien zwischenzeitlich um 2,9 Prozent. Der Markt habe einen schlechteren Zwischenbericht erwartet, erklärte Michael Kunz von der Luzerner Kantonalbank. Wie andere Branchenvertreter leide Clariant unter dem Lagerabbau und der schwachen Kundennachfrage.

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„Die große Unbekannte ist immer noch, wie stark die Nachfrage wirklich wieder anziehen kann, wenn die Lager geräumt sind“, so der Analyst. Die Übernahme begrüßten die Experten aus strategischer Sicht, halten den Kaufpreis aber für zu hoch. Er sei skeptisch, ob die Margen des Geschäfts angesichts der hohen Finanzierungskosten gehalten werden könnten, erklärte Konstantin Wiechert von Baader Helvea.

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