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KommentarFed-Zinsentscheid: Amerika, du hast es besser!

Fed-Chef Jerome Powell lässt die Marktteilnehmer im Ungewissen über den weiteren Kurs – er kann es sich beim guten Zustand der US-Ökonomie leisten.Jens Münchrath 02.11.2023 - 15:25 Uhr
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Jerome Powell betonte bei der jüngsten Sitzung, dass sich die Frage von Zinssenkungen aktuell nicht stelle.

Foto: IMAGO/Xinhua

Jerome Powell machte das, was Notenbanker immer gern so tun, wenn die Unsicherheit in der Nähe von möglichen Zinswenden groß ist. Sie fahren auf Sicht. Und so stellte der Fed-Chef nach der jüngsten Sitzung des Boards klar, dass nichts klar ist.

Alles ist möglich für den Rest des laufenden und Beginn des kommenden Jahres: eine weitere Zinspause – es wäre die dritte in Folge – , eine Senkung oder gar noch einmal eine Erhöhung, sollte die Inflation auf jetzigem Niveau verharren und die Konjunktur im vierten Quartal, wie bereits im dritten, doch stärker ausfallen als erwartet.

Aber auch diese Ungewissheit über den Kurs der mit Abstand wichtigsten Notenbank der Welt kann kaum darüber hinwegtäuschen: Aus ökonomischer Perspektive betrachtet scheinen die USA vor allem in Vergleich zu Europa derzeit in so ziemlich der besten aller möglichen Welten zu leben – und das gilt kurz- und vor allem auch langfristig:

  • Erstens: Die Vereinigten Staaten haben kein Wachstumsproblem: Trotz mantraartig wiederholten Warnungen vor einer harten Landung zeigt sich die Konjunktur sehr robust. Davon zeugt nicht nur das starke dritte Quartal mit einem aufs Jahr hochgerechneten Wachstum von fast fünf Prozent, sondern auch der durchgehend starke Arbeitsmarkt.
  • Amerika hat zweitens kein Energieproblem: Im Gegensatz zu Europa sind die USA mehr oder weniger energieautark, was sich nicht zuletzt in den im Vergleich zu Europa deutlich niedrigeren Energiepreisen niederschlägt. Der alte Kontinent befindet sich auch fast zwei Jahre nach Ausbruch des Ukrainekriegs im Energienotstand.
  • Drittens haben die USA anders als Europa kein Innovationsproblem, was die übermächtigen Technologieunternehmen des Landes mit erstaunlicher Konstanz immer wieder unter Beweis stellen. Wenn Europäer sich gegenseitig Wohnungen vermieten, wenn sie sich ins Taxi setzen oder digitale Zeitungsinhalte konsumieren – US-Firmen wie Airbnb, Uber, Meta, Apple oder Amazon verdienen mit, und zwar in teils unverschämten Dimensionen.
  • Und zu guter Letzt und langfristig womöglich der relevanteste Indikator: Die USA haben im Gegensatz zu Europa kein demografisches Problem. Das ist ein komfortables Umfeld für eine Notenbank. Hinzu kommt, dass die Fed nicht in einem fragmentierten makroökonomischen Umfeld agieren muss wie die EZB. Sie ist wesentlich freier in ihren Entscheidungen.

Wenn es in den USA große Risiken gibt, dann sind sie politischer Natur. Da ist erstens die gewaltig angestiegene Staatsverschuldung in Höhe von 33 Billionen Dollar, die letztlich aus der Tatsache resultiert, dass die vergangenen drei US-Regierungen unter Barack Obama, Donald Trump und vor allem auch Joe Biden eine kreditfinanzierte Rettungspolitik betrieben, also gäbe es kein Morgen. Gerade die kräftig anziehenden Kapitalmarktzinsen in den USA zeigen die Dimension dieses Risikos.

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Das zweite Risiko sind die Präsidentschaftswahlen im November 2024. Eine Rückkehr Trumps muss nicht zwingend mit einem Rückschlag für die US-Wirtschaft einhergehen, wie seine erste Amtszeit gezeigt hat.

Doch würde ein Präsident Trump den Konflikt mit China anheizen oder nähme er Abstand von der filigranen Krisendiplomatie in den Kriegen in Israel oder der Ukraine, könnte die Lage auch für die erfolgsverwöhnte amerikanische Ökonomie eine ganz andere werden – und ebenso für den Rest der Weltwirtschaft.

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