Rethink Work: Ex-Merkel-Vertraute Eva Christiansen: „Loyalität endet nicht mit einer Amtszeit“
Sie sieht sich als einer Art „Verständigerin“ zwischen Politik und Wirtschaft.
Foto: HandelsblattDüsseldorf. Eva Christiansen hat 20 Jahre für und mit der Frau gearbeitet, die das US-Magazin „Forbes“ in den vergangenen Jahren mehrmals zur mächtigsten Frau der Welt kürte: Angela Merkel. Und auch wenn Christiansen bis heute nichts Persönliches über die ehemalige Kanzlerin preisgibt, scheint doch durch, was für eine Chefin Merkel war.
„Loyalität endet nicht mit einer Amtszeit“, sagt die 54-Jährige in der neuen Folge von Handelsblatt Rethink Work. Ihr sei viel Vertrauen entgegengebracht worden und sie fände es „absolut unangebracht“, nach ihrem Ausstieg aus der Politik über Vertrauliches zu plaudern.
Christiansen ist seit 1997 in der CDU, war schon mit Ende 20 Sprecherin in der CDU Deutschland und später in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, bevor sie mit Merkel ins Kanzleramt wechselte. Dort war sie zuletzt Medien- und Planungschefin und eine der engsten Beraterinnen von Merkel. Mittlerweile ist Christiansen Partnerin der Kommunikationsberatung FGS Global in Berlin.
Dort unterstützt sie Vorstandsmitglieder von Unternehmen bei ihrer strategischen Positionierung, speziell Frauen, und berät Firmen und Organisationen in Fragen der Reputation. Über ihre Erfahrungen mit der Frau, die 16 Jahre Deutschland regierte, spricht sie aber durchaus.
Zum Beispiel darüber, dass sie Angela Merkel immer kritisches Feedback geben konnte – sie es sogar eingefordert hat. „Und das bis zum Schluss“, sagt Christiansen. Oder dass Merkel damals, als ihre heute 17-jährige Tochter noch sehr klein war, versucht hat, Termine nicht in die Zeit zu legen, in der sie – zumal alleinerziehend – „out of office“ war.
Ex-Merkel-Beraterin Eva Christiansen: „Loyalität endet nicht mit einer Amtszeit“
Zudem hätten der damalige Kanzleramtschef Thomas de Maizière und Merkel dafür gesorgt, erzählt Christiansen, dass Referatsleiterinnen im Kanzleramt nicht zurück in ihre Ministerien mussten, wenn sie schwanger wurden, sondern im Kanzleramt bleiben durften. „In den Jahren danach gab es einen richtigen Babyboom“, so Christiansen.
Sie spricht sich auch für Frauenquoten aus, denn sie ist überzeugt: „Ohne einen gewissen Druck, und der darf auch nicht zu sanft sein, geht es weder in der Politik noch in der Wirtschaft.“
Christiansen sieht sich generell als einer Art „Verständigerin“ zwischen Politik und Wirtschaft. Sie findet, dass „beide Seiten sehr viel weniger voneinander wissen, als es den Anschein hat“. Und so spricht sie auch darüber, was beide Seiten unterscheidet, was sie verbindet – und was Politik von Wirtschaft und Wirtschaft von Politik lernen kann, etwa mit Blick auf Leadership.