Umfrage: Unternehmenschefs sehen EU-Regulierung als größte Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit
BASF-Chef Brudermüller beklagt die Brüsseler Bürokratie.
Foto: dpaBrüssel. Die EU-Regulierung ist ein zentrales Hemmnis für Unternehmen im internationalen Wettbewerb mit den USA und China. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Umfrage des Unternehmensverbands Conference Board unter mehr als 50 europäischen Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsratschefs, die am Mittwoch veröffentlicht wird.
Demnach erklärten 86 Prozent der Befragten, die „inkohärente und komplexe Regulierung“ habe bedeutende Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit Europas in den kommenden drei Jahren. Als weitere Risikofaktoren nannten sie die hohen Energiepreise und die geopolitischen Krisen.
Die Regulierung sei das größte Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit, sagte Martin Brudermüller, Chef des Chemiekonzerns BASF und Präsident des European Roundtable of Industrialists (ERT). Er forderte EU-Kommission und EU-Parlament auf, das Thema zur Priorität in der nächsten Legislaturperiode ab 2024 zu machen.
83 Prozent der Unternehmenschefs erwarten der Umfrage zufolge jedoch nicht, dass die EU die bürokratische Belastung nennenswert reduzieren wird. Kürzlich hatte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) Vorschläge gemacht, welche Berichtspflichten für Firmen künftig wegfallen sollen. Die Liste wurde von Wirtschaftsverbänden jedoch als unzureichend kritisiert.
Optimistischer hingegen sehen die Wirtschaftsführer die Brüsseler Pläne für grüne Investitionen. Eine Mehrheit erwartet ehrgeizige Vorschläge für den Umbau der Energie-Infrastruktur in den kommenden drei Jahren. Allerdings bezweifeln 70 Prozent auch, dass die EU die richtigen Verwaltungsprozesse für den grünen Umbau hat.
Unternehmenschefs sehen Konjunkturperspektiven pessimistisch
Entsprechend düster sehen die Konzernlenker die ökonomischen Aussichten Europas. 61 Prozent geben an, die europäische Wirtschaft laufe schlechter als vor sechs Monaten. 43 Prozent erwarten, dass sich die Lage auf absehbare Zeit weiter verschlechtert. Nur neun Prozent sind mit Blick auf die kommenden sechs Monate optimistisch.
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„Wir befinden uns weltweit in einer Umgebung der Unsicherheit – und es ist nur natürlich, dass dies auf das Vertrauen schlägt“, sagte Brudermüller. „Aber Europa begegnet diesen multiplen Krisen nicht aus einer Position der Stärke.“
Die eingetrübte Stimmung dürfte sich auch in der Herbstprognose der EU-Kommission widerspiegeln, die EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni an diesem Mittwoch vorlegt. Der EU-Sonderbeauftragte für Wettbewerbsfähigkeit, Mario Draghi, hatte kürzlich bereits vor einer Rezession in der Euro-Zone gewarnt. In Brüssel wird aber erwartet, dass die offizielle Prognose etwas rosiger ausfällt.