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Künstliche IntelligenzEmmett Shear soll neuer CEO von OpenAI werden

Erst am Freitag wurde Sam Altman überraschend als CEO von OpenAI entlassen. Über das Wochenende ist über seine schnelle Rückkehr spekuliert worden. Doch den Job bekommt ein anderer.Stephan Scheuer 20.11.2023 - 06:39 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Investor aus dem Silicon Valley hatte OpenAI mitgegründet und zuletzt als CEO geführt.

Foto: Bloomberg/Getty Images

San Francisco. Der Verwaltungsrat hat Emmett Shear zum neuen CEO von OpenAI berufen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg am Montagmorgen. Shear war CEO des Videoportals Twitch. Damit sind die Überlegungen hinfällig geworden, dass der am Freitag entlassene Sam Altman schon bald wieder die Führung des KI-Start-ups übernehmen könnte. Mitarbeitende und Investoren hatten massiv Druck gemacht, Altman zur Firma zurückzuholen. Altman habe für seine Rückkehr zur Bedingung gemacht, dass alle Mitglieder des Verwaltungsrats, die auf seine Entlassung gedrängt hatten, ihre Posten niederlegen müssen, berichteten die US-Medien „New York Times“, „The Information“ und die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider.

Um 13 Uhr (Ortszeit) teilte Sam Altman ein Foto von sich, das ihn bei OpenAI mit einer Gästekarte zeigte. Interims-Chefin Mira Murati versuche, ihren Vorgänger wieder als CEO zu installieren, hieß es in den Berichten. Parallel verhandelten die Gegner von Altman aus dem Verwaltungsrat von OpenAI mit möglichen Kandidaten, um einen dauerhaften Nachfolger für Altman als CEO zu installieren.

Altman hatte als CEO von OpenAI das einst gemeinnütze Unternehmen um einen kommerziellen Bereich ergänzt und Milliardensummen von externen Geldgebern eingeworben. Dieser Kurs stieß auf Widerstand bei Mitgliedern des Verwaltungsrates. Sie waren besorgt, dass er zu schnell vorgeht, ohne sich ausreichend um die Sicherheitsaspekte einer Technologie zu kümmern. Der Konflikt mündete am Freitag im Rauswurf von Altman durch vier der sechs Mitglieder des Verwaltungsrates.

Mitarbeitende von OpenAI sowie externe Investoren kritisierten das Vorgehen. Unter anderem machte sich der Technologiekonzern Microsoft dafür stark, wieder eine stabile Führung bei OpenAI zu erreichen, wie das Handelsblatt von Insidern erfuhr. Microsoft-CEO Satya Nadella hatte Investitionen von mehr als zehn Milliarden Dollar in das Start-up angestoßen und die KI-Technologie von OpenAI in alle wichtigen Produkte integriert.

Das Verhältnis von Nadella und Altman gilt als eng. Der Verwaltungsrat von OpenAI hatte Microsoft nur wenige Minuten vor einer öffentlichen Stellungnahme über den Rauswurf von Altman informiert.

Der Investor Vinod Khosla sprach sich öffentlich für eine Rückkehr von Altman als CEO von OpenAI aus. „Sam Altman ist ein CEO, wie es ihn nur einmal gibt. Er ist ein Anstifter, dessen positiver Einfluss auf die Welt unauslöschlich und tiefgreifend sein wird, und zwar in jedem Winkel der Erde.“ Khosla gehörte zu den frühen Geldgebern von OpenAI.

Weiter sagte er: „Um es klar zu sagen: Khosla Ventures will Sam Altman zurück bei OpenAI, wird ihn aber bei allem, was er als Nächstes tut, unterstützen.“ Altman hatte bereits Gespräche geführt, ein nächstes, eigenständiges KI-Projekt zu starten.

Angespannte Stimmung unter OpenAI-Mitarbeitern

Microsoft äußerte sich öffentlich nicht zu den Vorgängen bei OpenAI. Berichten zufolge besitzt Microsoft 49 Prozent am kommerziellen Arm von OpenAI, während andere Investoren und Mitarbeiter ebenso 49 Prozent halten. Die verbleibenden zwei Prozent sind im Besitz der gemeinnützigen Muttergesellschaft von OpenAI.

Die Stimmung unter aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern von OpenAI ist angespannt. Viele sind verärgert über Altmans Entlassung und besorgt über die Auswirkungen dieses plötzlichen Führungswechsels auf einen bevorstehenden Aktienverkauf im Wert von 86 Milliarden Dollar.

OpenAI ist eine Non-Profit-Organisation und wurde unter anderem von Milliardär Elon Musk mitgegründet. Mit der Einführung von ChatGPT am 30. November letzten Jahres hat OpenAI eine weltweite Begeisterung für generative KI-Technologie ausgelöst. Diese Technologie, die auf umfangreichen Datenmengen trainiert wurde, ist wie ein Mensch in der Lage, daraus Inhalte zu erstellen. Die Technologie findet bereits in zahlreichen Branchen von Finanzdienstleistungen über Gesundheitswesen bis hin zu Unterhaltung und Medien Anwendung.

Nach der Einführung von ChatGPT haben Regulierungsbehörden weltweit reagiert: Die Europäische Union überarbeitete ihr KI-Gesetz, und die USA leiteten Bemühungen zur Regulierung von KI ein. Der plötzliche Wechsel an der Spitze von OpenAI und die ungewisse Zukunft Altmans werfen nun Fragen über die weitere Entwicklung und Richtung der generativen KI-Technologie auf.

Nach der Entlassung: Vergleiche zwischen Sam Altman und Steve Jobs

Sam Altman, der als charismatischer Führer von OpenAI galt, spielte bei dem Unternehmen eine ähnliche Rolle wie der verstorbene Steve Jobs bei Apple. Mit seiner Entlassung als CEO von OpenAI werden nun Vergleiche zu Jobs’ Entlassung bei Apple im Jahr 1985 gezogen. Diese historische Parallele wird besonders betont, da Apple erst nach Jobs’ Rückkehr 1997 seinen Weg zur wertvollsten Firma in den USA fand.

Altman, der zuvor die Start-up-Schmiede Y Combinator leitete, hatte sich im letzten Jahr mit Weltführern getroffen und war regelmäßig auf Technologieveranstaltungen präsent, was ihn zu einer Berühmtheit in der Branche machte. Mit der Entlassung von Altman gab der Verwaltungsrat am Freitag zudem die Degradierung von Greg Brockman als Führungskraft bekannt. Dieser kündigte daraufhin an, das Unternehmen ganz verlassen zu wollen.

Microsoft-Chef Satya Nadella und Sam Altman gelten als eng. Berichten zufolge besitzt Microsoft 49 Prozent am kommerziellen Arm von OpenAI.

Foto: AP

„Sam Altman ist ein Held von mir“, sagte der ehemalige Google-CEO und Investor Eric Schmidt in einem X-Post. „Er hat ein Unternehmen von nichts auf 90 Milliarden Dollar aufgebaut und unsere gemeinsame Welt für immer verändert. Ich kann es kaum erwarten zu sehen, was er als Nächstes macht. Ich und Milliarden von Menschen werden von seiner zukünftigen Arbeit profitieren – es wird einfach unglaublich.“

Ron Conway, ein langjähriger Start-up-Investor, kommentierte in einem X-Post: „Was heute bei OpenAI passiert ist, ist ein Vorstandsputsch, wie wir ihn seit 1985 nicht mehr gesehen haben, als der damalige Apple-Vorstand Steve Jobs hinausdrängte. Es ist schockierend, verantwortungslos und wird Sam & Greg oder allen Entwicklern bei OpenAI nicht gerecht.“

Brian Chesky, CEO von Airbnb, bezeichnete Altman in einem X-Post als „einen der besten Gründer seiner Generation“, der „einen immensen Beitrag zu unserer Branche geleistet hat“. Matt Schlicht, CEO des Start-ups Octane AI, sagte, Altman und Brockman hätten „eine Technologie verfügbar gemacht, von der wir bisher nur träumen konnten“, und bezeichnete sie als „die aufregendste und mächtigste Entwicklung unserer Lebenszeit“.

Ryan Jannsen, CEO von Zenlytic, teilte Schlichts Meinung und betonte, dass die KI-Gemeinschaft durch die Ereignisse bei OpenAI verunsichert sei. „Sam und OpenAI waren der Katalysator, der der Welt zeigte, wozu KI-Technologie fähig ist“, sagte Jannsen. „Ein Großteil der Aufregung und Aktivität in der KI heute ist sehr direkt ihrem Pionierwerk zu verdanken.“

Chaos bei OpenAI könnte die Konkurrenz begünstigen

Der Wirbel bei OpenAI könnte Rivalen Vorteile in einem schnell wachsenden und hochkompetitiven Markt für fortgeschrittene große Sprachmodelle verschaffen. Von gut finanzierten Start-ups wie Anthropic und Cohere bis hin zu Cloud-Computing-Giganten wie Google und Amazon könnten Unternehmen nun „nach der nächsten besten Alternative suchen“, so der Branchenanalyst Patrick Moorhead.

Josh Wolfe, Partner bei Lux Capital, sagte gegenüber dem US-Sender CNBC, dass OpenAI einen enormen Reputationsverlust erleidet zu einem Zeitpunkt, an dem Unternehmen entscheiden, welche Modelle sie als Bausteine verwenden werden. „Die überraschende Unberechenbarkeit dieses Vorgangs signalisiert totale Unvorhersehbarkeit, was für Unternehmen, die mit OpenAI zusammenarbeiten oder ihm vertrauen wollen, schrecklich ist“, sagte Wolfe.

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Die ungewöhnliche Struktur von OpenAI macht es schwierig, das Unternehmen zu verstehen. Der Vorstand von OpenAI überwacht die gemeinnützige Organisation, zu der die Unternehmensentität gehört, und „fungiert als das übergeordnete Leitungsorgan für alle Aktivitäten von OpenAI“, so der Blogpost, der Altmans Entlassung ankündigte.

Mehrere Investoren sagten CNBC, dass OpenAIs hybrides Modell von Anfang an ein rotes Tuch war, teilweise weil Anreize zu leicht falsch ausgerichtet werden können. Jetzt, so sagten sie, riskiert das Unternehmen einen schweren Braindrain, wenn Toptalente Altman zu seinem nächsten Projekt oder einem Konkurrenten in der Branche folgen.

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