Batterietechnologie: Northvolt arbeitet an einer Natrium-Batterie
Das schwedische Batterie-Start-up Northvolt will Natrum-Ionen-Batterien produzieren.
Foto: HandelsblattDüsseldorf. Das Batterie-Start-up Northvolt plant den Einstieg in das Geschäft mit Natrium-Ionen-Batterien. Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, haben die Schweden einen Prototyp mit einer Energiedichte von bis zu 160 Wattstunden pro Kilogramm entwickelt. Damit ziehen die Schweden mit dem Weltmarktführer CATL gleich, der bereits einen Natriumakku mit der gleichen Energiedichte auf dem Markt hat.
Was die Northvolt-Entwicklung aber von einem Großteil der Konkurrenz unterscheidet ist, dass sie auf eisenbasiertes Kathodenmaterial setzt – und damit unabhängig von kritischen Materialien wie Lithium, Nickel, Mangan oder Kobalt ist, auf die China in der Herstellungskette de facto ein Monopol hat. Das Kathodenmaterial ist einer der größten Kostenpunkte bei Batterien.
Die Northvolt-Natriumakkus sollen zunächst in Energiespeichersystemen eingesetzt werden, eine zweite Generation könnte dann auch in E-Autos Anwendung finden. Wann die Zellen in Großserie auf den Markt kommen sollen, verriet das Unternehmen nicht.
Eine mit den Plänen vertraute Person sagte dem Handelsblatt jedoch, dass 2027 oder 2028 als wahrscheinlichster Zeitpunkt gilt. Northvolt wollte diese Information nicht kommentieren. Das Unternehmen, dessen größte Anteilseigner der Volkswagen-Konzern und die Investmentbank Goldman Sachs sind, gilt schon länger als Börsenkandidat.
Northvolt plant neue Produktionsstätten in Heide und Danzig
Derzeit betreibt Northvolt ein Batteriezellwerk im nordschwedischen Skellefteå, ein weiteres ist im norddeutschen Heide geplant. In Danzig in Polen zieht das Unternehmen zudem derzeit eine hochautomatisierte Produktion für stationäre Energiespeicher hoch. Dort könnten auch die Natriumakkus zum Einsatz kommen.
Um das Leichtmetall Natrium ist unter Batterieherstellern in den vergangenen Monaten ein regelrechter Hype entstanden. Denn anders als Lithium kommt Natrium in der Natur als Meer- oder Steinsalz im Überfluss vor. Das macht Natrium-Ionen-Batterien in der Herstellung deutlich günstiger und umweltfreundlicher als heutige Akkus, die allesamt auf Lithium basieren.
Außerdem gelten Überhitzungen bei Natriumakkus als unwahrscheinlicher, was der Zellchemie den Ruf einbringt, sicherer als heutige Standardakkus zu sein. Dafür ist die Energiedichte und damit die Leistungsfähigkeit von Natrium im Vergleich zu Lithium geringer. Heutige Hochleistungsakkus erreichen mit bis zu 300 Wattstunden pro Kilogramm etwa doppelt so hohe Werte wie die Natriumbatterien.
Die Natriumakkus von Northvolt sollen eine Energiedichte von 160 Wattstunden pro Kilogramm erreichen.
Foto: HandelsblattNorthvolt-Chef Carlsson: Natrium als „Meilenstein“
„Die Welt setzt große Hoffnungen auf Natriumionen, und ich freue mich sehr, sagen zu können, dass wir eine Technologie entwickelt haben, die diese Hoffnungen in die Realität umsetzen kann“, sagte Unternehmenschef und Gründer Peter Carlsson in einer Mitteilung. Northvolt hat die Zellen in seiner Forschungseinheit zusammen mit dem schwedischen Forschungs-Spin-off Altris entwickelt.
Carlsson bezeichnete die Technologie in der Mitteilung als „Meilenstein“ für sein Unternehmen. Sie sei auch entscheidend, um Elektromobilität „weltweit kosteneffizienter, nachhaltiger und zugänglicher“ zu machen.
Die Schweden sind bei Weitem nicht die Ersten, die den Energiespeicher aus Salz für sich entdeckt haben. In China werden bereits erste elektrische Kleinstwagen mit Natrium-Akkus verkauft. Als ein wichtiger Wegbereiter gilt der chinesische Marktführer CATL, der bereits 2021 erste Ankündigungen zu der Technologie machte und inzwischen Natriumbatterien mit einer Energiedichte von 160 Wattstunden pro Kilogramm im Portfolio hat.
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Dazu kommen weitere Ankündigungen – vorwiegend von chinesischen Anbietern. Aber auch der Volkswagen-Konzern als Europas größter Autobauer schaut sich die Technologie genau an. Um das Jahr 2026 könnte die Zellchemie „wettbewerbsfähig“ gegenüber Lithium-Batterien werden, sagte der zuständige Konzernvorstand Thomas Schmall kürzlich auf der IAA Mobility in München vor Journalisten.
Ladepark in Niedersachsen: Mit Natriumbatterien könnte alles viel billiger werden.
Foto: dpaEine günstigere Zellchemie gilt als einer der Hauptschlüssel für bezahlbare Elektromobilität: Aktuell macht die Batterie etwa 40 Prozent der Produktionskosten in einem Elektroauto aus. Die Preise für eine Tonne des Batterierohstoffs Lithiumcarbonat waren zuletzt am Spotmarkt in China, dem wichtigsten Standort für das Material, zwar gesunken – und liegen aktuell unter 150.000 Yuan (circa 19.000 Euro). Allerdings kommen die Preise auch von einem Allzeithoch. Vor gut einem Jahr kostete eine Tonne Lithiumcarbonat am chinesischen Spotmarkt noch fast 600.000 Yuan (circa 75.000 Euro).
„Die zwischenzeitlich sehr hohen Preise für Lithium haben sicherlich großes Interesse an alternativen Chemikalien wie Natrium geweckt“, sagt Shobhan Dhir, Batterieexperte an der University of Oxford. Dennoch müsse der Kostenvorteil von Natrium-Ionen „im großen Maßstab erst noch nachgewiesen“ werden.
Wegen seiner geringen Energiedichte sei Natrium definitiv ein Konkurrent zu günstigen Lithiumeisenphosphat-Akkus, die vor allem in China verbreitet sind. Auf der Langstrecke oder in sehr leistungsstarken Elektroautos könne die Chemie jedoch „fast sicher nicht“ mit nickelreichen Batterien mithalten, meint Dhir.
Derzeit beliefert Northvolt unter anderem die Pkw- und Lkw-Hersteller Volkswagen, BMW, Scania und Volvo mit seinen Batterien. Für seine Batteriefabrik in Heide hat der Bund erst kürzlich zusätzlich 600 Millionen Euro bereitgestellt. Das Problem: Das Geld sollte aus dem Klima- und Transformationsfonds kommen, ebenjenem Teil des Haushalts, den das Bundesverfassungsgericht jüngst kassiert hat. Damit ist die Finanzierung des Projekts aktuell ungewiss.