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Walter Ophey"Es dümpelt so still vor sich hin"

Fast alle Künstler wollen für die Ewigkeit schaffen. Doch viele erhalten nicht die Beachtung, die ihnen zusteht, weil Museen und Erben mit ihrem Nachlass überfordert sind. Das gehört zu den ungeschminkten Erkenntnissen einer Düsseldorfer Tagung über den Fortbestand von Künstlernachlässen. Ein Beispiel liefert der rheinische Expressionist Walter Ophey.Christiane Fricke 09.01.2013 - 10:42 Uhr Artikel anhören

Walter Ophey: "Im Sandbruch Reiter", 1912, Öl auf Leinwand. (Ausschnitt)

Foto: Stiftung Museum Kunstpalast ñ Artothek

Düsseldorf. Wer einen Künstlernachlass in seine Obhut nimmt, trägt Sorge für ein ganzes Lebenswerk mit vielen hundert oder tausend Artefakten, manchmal auch für den schriftlichen Nachlass. Museen, die sich neben ihrem weiter gefassten Sammlungsauftrag dem Erbe eines Künstlers ausdrücklich verpflichtet fühlen – Beispiel das Museum Kurhaus in Kleve mit dem Nachlass von Ewald Mataré – sind die Ausnahmen. Denn das Oeuvre erhalten, erschließen und zugänglich machen ist eine Ressourcen, Personal und einiges Geld bindende Angelegenheit, die eine Institution leicht überfordern kann, wenn sie dem Kunstschaffen von Epochen verpflichtet ist oder in Themen übergreifenden Zusammenhängen sammelt.

Ob dem Nachlass immer ein Gefallen getan wird, wenn ihn ein Museum übernimmt, darüber lässt sich streiten. Zumindest gibt es Beispiele, die noch lebende Künstler oder Erben zum Nachdenken bringen sollten. Etwa der Werknachlass des mit 47 Jahren verstorbenen rheinischen Expressionisten Walter Ophey im Museum Kunstpalast in Düsseldorf, jüngst Thema eines Vortrags von Museumskurator Kay Heymer im Rahmen einer Tagung zum Thema Künstlernachlässe in der Stiftung Malkasten in Düsseldorf. Anreger und Mitorganisator der Veranstaltung war das Rheinische Archiv für Künstlernachlässe (RAK), Bonn.

Günstiger Kauf

Heymer stellte schon zu Beginn seines Vortrags klar: „Das Museum ist nicht im wünschenswerten Umfang der Ort, der künstlerische Werknachlässe sammelt.“ Anschließend referierte er Fakten zum Fall Ophey (1882-1930), die seine Zuhörer einigermaßen erschütterten. Dabei konnte er sich auf Anfang der neunziger Jahre publizierte Angaben des Werkverzeichnis-Bearbeiters Stefan Kraus stützen.

Im Atelier von Heinz May, 1926. Bernhardine und Walter Ophey (li.), Jupp Rübsam (i. Rahmen), hinten re. Charlotte und Ernst Gottschalk, vorne Ethie und Heinz May.

Foto: RAK Bonn

Demnach erwarb die Stadt Düsseldorf 1954 gegen eine geringe Leibrente von monatlich 350 DM von der verwitweten Bernhardine Ophey bis auf wenige Ausnahmen den gesamten künstlerischen Nachlass. Ca. 289 Ölgemälde, 108 Aquarelle, 528 farbige Pastellzeichnungen, 224 Schwarz-Weiß-Zeichnungen und 3647 Studienzeichnungen sowie Entwürfe für Kirchenausmalungen und Graphik gelangten in das Kunstmuseum. Die Bilder erhielten damals rückseitig mit weißer Farbe eine der Kennung OY voran gestellte Inventarnummer.

Die Witwe, die den schriftlichen Nachlass behielt, erhielt als Gegenleistung für die Überlassung der Werke eine geringe Leibrente, die überdies praktisch nicht erhöht wurde – anders als angekündigt. So musste die Frau des Künstlers Unterstützung durch ihren Neffen annehmen und starb 1968 in Armut. Die Möglichkeit von Bildverkäufen war ihr weitgehend genommen.

Walter Ophey: "Flußlandschaft", Um 1906, Öl auf Leinwand.

Foto: Stiftung Museum Kunstpalast - Artothek

Walter Ophey: "Hafen bei Meta bei Sorrent", um 1910. (Ausschnitt)

Foto: Galerie Paffrath, Düsseldorf

Seit fast 60 Jahren befindet sich der Werknachlass Opheys nun im Museum Kunstpalast (ehemals Kunstmuseum Düsseldorf). „Doch bis heute ist er nicht zufrieden stellend erforscht, er ist nicht zufrieden stellend gelagert und macht immer noch sehr viel Arbeit“, fasste Heymer am Ende seiner Ausführungen die Lage zusammen. Was das im Einzelnen bedeutet, zeigte sein Blick auf den Gemäldebestand. Er umfasst heute rund 180 Werke. 42 Bilder überließ das Museum bereits Anfang der siebziger Jahre der Galerie Paffrath zur Vermarktung. Weitere 19 Werke erhielt das Stadtmuseum.

Die restlichen ca. 48 Bilder befinden sich laut Heymer im Museum. Doch sie müssen gesucht werden. Das teilte der Kunsthistoriker auf Anfrage nach der Veranstaltung mit, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass es für ein Museum, dessen Sammlungsziel die kunsthistorische Darstellung nicht nur regionaler, sondern auch überregionaler Zusammenhänge eines ganzen Jahrhunderts zur Aufgabe hat, schwierig sei, einen umfangreichen Spezialkomplex wie den Werknachlass eines „lokalen Künstlers“ umfassend und vollständig wissenschaftlich zu erschließen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Aus diesem Grund ist es eine große Ausnahme, wenn Werknachlässe von Künstlern in Museumssammlungen gelangen“

Von Flechtheim entdeckt

Erstaunlich ist der relativ geringe Bekanntheitsgrad des Künstlers, der von dem Galeristen Alfred Flechtheim früh entdeckt und ausgestellt wurde und Mitbegründer des Sonderbunds war. Er soll zwar ständig in der Dauerausstellung des Kunstmuseums präsent und in zahlreichen Gruppenausstellungen gezeigt worden sein. Doch vielleicht waren vier Einzelausstellungen einfach zuwenig. Zwischen der Ausstellung 1962 und der Retrospektive von 1991 klaffen fast 30 Jahre.

„Im Rahmen unserer Möglichkeiten tun wir schon, was wir können, aber die Bedingungen dafür sind nicht ideal“, sagt dazu Kay Heymer. Die Familie sieht das anders: „Es dümpelt so still vor sich hin“, findet Imke Pehle, Nachfahrin des mit Ophey verschwägerten Bildhauers Albert Pehle, dessen Familie die Witwe Ophey einst unterstützte. „Wenn die Stadt so drunter leidet, würden sie es gerne kaufen“. Unterdessen laufen Bemühungen, den schriftlichen Nachlass Opheys in das Rheinische Archiv für Künstlernachlässe zu ziehen.

Nach Einschätzung des Düsseldorfer Galeristen Hans Paffrath befindet sich eine größere Anzahl von Gemälden in Privatbesitz, anders als die begehrten Farbkreide-Zeichnungen, von denen die meisten in Museumshand sind. Er selber hat zurzeit drei Ölbilder im Angebot, darunter das Frühwerk „Segelboote“ für 19.500 Euro. Attraktive Motive haben nach Einschätzung von Paffrath das Potential, an die 100.000 Euro zu erzielen.

Peter Barth von der Galerie Remmert & Barth erinnert sich an eine Arbeit, die 2001 im Düsseldorfer Auktionshaus für 94.400 DM (ohne Aufgeld) zugeschlagen wurde. Die letzten relevanten Zuschläge lagen bei Lempertz über 60.000 Euro (inkl. Aufgeld) in den Jahren 2006 und 2008. Selber hat der Düsseldorfer Galerist das Bild „Benrather Schlosspark“ für 46.000 Euro im Angebot. Zwei weitere Gemälde sollen in den neuen Übersichtskatalog der Galerie aufgenommen werden. Ihre Preise stehen jedoch noch nicht fest.

Deutsche Sammler behalten ihre Bilder

Nach den Erfahrungen von Hans Paffrath gibt es „Bilder, die fluktuieren könnten, aber sie tun es nicht.“ Ihre Besitzer würden nicht im Traum daran denken, ihre Werke zu verkaufen „selbst wenn ich ihnen den doppelten Preis biete, fügt der Händler hinzu. „Aber dieses Problem haben wir bei vielen Malern.“ In den USA würde viel schneller gekauft und wieder verkauft. Dort erwirbt man weniger mit dem Herzen. „In Deutschland sind die Dinge manchmal Jahrzehnte oder über mehrere Generationen vom Markt weg.“

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