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Rösler und BrüderleFDP zieht mit „Kapitän und Spitzenmann“ in die Wahl

Der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler behält sein Amt. Allerdings soll Fraktionschef Rainer Brüderle „Gesicht und Kopf“ der FDP für die Bundestagswahl werden. Die Liberalen geben sich nun einig - aber Fragen bleiben. 21.01.2013 - 15:07 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Führen die FDP gemeinsam in die Bundestagswahl 2013: Parteichef Philipp Rösler (li.) und der designierte Spitzenkandidat Rainer Brüderle.

Foto: Handelsblatt

Berlin. Überraschende Einigung im FDP-Machtkampf: Philipp Rösler bleibt Parteivorsitzender, Fraktionschef Rainer Brüderle wird Spitzenkandidat für die Bundestagswahl im September: „Rainer Brüderle ist unser Gesicht, unser Kopf für die Bundestagswahl,“ sagte Rösler nach stundenlangen Beratungen im Präsidium und im Parteivorstand vor der Presse in Berlin.
Die Tandemlösung soll bei einem vorgezogenen Parteitag im März offiziell beschlossen werden. Der Vorschlag war von Rösler selbst gekommen. Wegen anhaltend schlechter Umfragewerte auf Bundesebene war der FDP-Chef immer stärker unter Druck geraten.

„Das ist eine richtige Aufstellung“, sagte Rösler in Berlin. „Jedem ist klar: Rainer Brüderle und ich sind unterschiedlich. Wir ergänzen uns.“ Ziel sei es, die Stimmen der FDP zu mehren. „Wir sind davon überzeugt, dass wir mit der Niedersachsenwahl den Zug FDP wieder auf das richtige Gleis gesetzt haben.“

Dennoch ließ Rösler immer noch Raum für Spekulationen. So nannte er Brüderles neue Rolle nie „Spitzenkandidat", sondern immer nur „Spitzenmann“. Diesen Begriff, so Rösler, habe die FDP gewählt, um sich von anderen Parteien abzusetzen. Und nach wie vor beansprucht der Parteichef die Rolle des Steuermanns im Tandem für sich selbst: „Ich werde als Parteivorsitzender das gesamte Team, was zu einer Spitzenmannschaft mit dazu gehört, führen.“ Und noch mal Rösler: "Kapitän ist der Parteivorsitzende, Sturmspitze ist der Spitzenmann."

Brüderle stellte klar, dass er nicht Parteichef werden wollte. Ihm sei es um eine schnelle Klärung und schnelle Entscheidungen gegangen. „Es war nicht meine Absicht, Parteivorsitzender zu werden“, sagte Brüderle. „Wir wissen klar, was wir wollen.“ Gemeinsam gebe es große Erfolgschancen.

Zuvor hatte Parteichef Philipp Rösler dem 67-jährigen Fraktionsvorsitzenden angeboten, die Parteispitze zu übernehmen. Nach einem Vier-Augen-Gespräch wurde dann vereinbart, dass Rösler FDP-Chef bleibt und Brüderle Spitzenkandidat für den Bundestagswahlkampf werden soll. Rösler sagte, die Arbeitsteilung werde hervorragend gelingen.

Die FDP unter Parteichef Rösler
Rösler, bisher Bundesgesundheitsminister, löst Rainer Brüderle als Wirtschaftsminister ab und steigt zum Vizekanzler auf.
Auf dem Parteitag in Rostock wird Rösler mit 95,1 Prozent als jüngster FDP-Vorsitzender und Nachfolger von Guido Westerwelle gewählt. Rösler verspricht: „Ab heute wird die FDP liefern.“
Die FDP fliegt mit 2,4 Prozent in Bremen aus der Bürgerschaft.
Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern kassiert die FDP mit 2,8 Prozent die nächste Niederlage.
Bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin landen die Liberalen bei 1,8 Prozent.
Generalsekretär Christian Lindner tritt überraschend zurück.
Die Parteispitze setzt sich bei einem Mitgliederentscheid knapp mit ihrem Kurs bei der Euro-Rettung durch.
Nachdem das Jamaika-Bündnis mit CDU und Grünen im Saarland geplatzt ist, stürzt die FDP bei der folgenden Landtagswahl auf 1,2 Prozent ab.
Bei der vorgezogenen Landtagswahl in Schleswig-Holstein wird die schwarz-gelbe Koalition abgewählt. Mit Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki erringen die Liberalen aber 8,2 Prozent.
Bei der vorgezogenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gewinnt Rot-Grün, mit Lindner an der Spitze kommen die Liberalen jedoch auf 8,6 Prozent. Im Bund bleiben die Umfrage in den folgenden Monaten desaströs.
Entwicklungsminister Dirk Niebel verlangt beim Dreikönigstreffen der FDP in Stuttgart offen ein neues Führungsteam. Er fordert, den für Mai geplanten Parteitag vorzuziehen.
Zwei Tage vor der Niedersachsen-Wahl plädieren auch FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle und Lindner für ein Vorziehen des Parteitages.
Die FDP erreicht bei der Landtagswahl in Niedersachsen sensationelle 9,9 Prozent, viele Stimmen kommen von CDU-Wählern.
Die FDP-Führung einigt sich darauf, dass Rösler Parteivorsitzender bleibt. Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl soll Brüderle werden. Der Parteitag wird von Mai auf März vorgezogen.

Vor der Presse wertete Rösler das starke Abschneiden seiner Partei in Niedersachsen als „absolut ermutigendes Signal“ für die Liberalen bundesweit. Das Ergebnis zeige, dass es unabhängig von Umfragen am Wahltag gelingen könne, mit richtigen Themen, Personen und Konstellationen Wahlerfolge zu erzielen. Man könne Niedersachsen zwar nicht vergleichen mit dem Bund. Es mache aber Sinn, sich auf das Wesentliche sowie die richtigen Inhalte und Botschaften zu konzentrieren und mit Geschlossenheit voranzugehen.

Zuvor hatte die Führungsdebatte in der FDP einen neuen Höhepunkt erreicht: Parteichef Philipp Rösler bot dem Präsidium der Liberalen seinen Rückzug vom Parteivorsitz an, sollte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle das Amt übernehmen wollen. „Ich bin bereit, zur Seite zu treten, wenn Rainer Brüderle auch Bundesvorsitzender werden will“, sagte Rösler dem Vernehmen nach.

Infografik Wahlkreise

So hat Niedersachsen gewählt

Ein geschickter Schachzug Röslers, der nach wochenlangem Führungsstreit und dem überraschenden Wahlerfolg der FDP am Sonntag nun eine Entscheidung erzwungen hat. Denn der 67-jährige Brüderle lehnte das Angebot ab. Er wolle Rösler als Vorsitzenden stützen, hieß es im Präsidium. Führungsmitglieder sprachen von einer guten Lösung, die die unsägliche Personaldebatte beenden solle.

Einstimmig beschloss das Parteipräsidium unterdessen, den für Mai geplanten Bundesparteitag vorzuziehen, wie es weiter hieß. Ein Termin steht noch nicht fest, doch ist dafür der März im Gespräch. Dabei soll auch die Führungsspitze neu gewählt werden.

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Die neue Aufgabenteilung in der FDP-Führung wird nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) keine Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit der schwarz-gelben Koalition haben. „Wir werden so vertrauensvoll wie immer miteinander zusammenarbeiten“, sagte die CDU-Chefin nach Sitzungen der CDU-Spitzengremien am Montag in Berlin.

Die Einigung der Liberalen könne sie „nicht als Tabula rasa bezeichnen“, sagte Merkel auf eine entsprechende Frage. „Es sind ja alle da: Der eine ist Vorsitzender, der andere ist Spitzenkandidat.“

dpa, dapd, afp
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