Wolfgang Schäuble: „Es kann kein Ende der Banken-Regulierung geben“
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble: „Es waren nicht die Staaten, welche die Krise ausgelöst haben. Das war die Finanzbranche!“
Foto: dpaBerlin. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist Erwartungen der Banken auf ein baldiges Ende neuer Regulierungen entgegengetreten. „Die Kreativität der Banken, die Regulierung zu umgehen, ist weiterhin groß“, sagte Schäuble in einem Interview mit dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe). Zwar würden strengere Eigenkapitalvorschriften für mehr Stabilität im Bankensystem sorgen. „Ich weiß, dass die Banken meinen, es reiche nun“, sagte er. „Aber da sage ich zum Beispiel vor einigen Tagen zu Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen: Es waren nicht die Staaten, welche die Krise ausgelöst haben. Das war die Finanzbranche! Deshalb kann es kein Ende der Regulierung geben“, so Schäuble.
Der geschäftsführende Finanzminister bekräftigte, sich weiter in der EU für die Einführung einer Finanztransaktionssteuer einsetzen zu wollen, ist aber skeptisch, dass dies schnell gelingt. „Wir sind mit aller Kraft für die Finanztransaktionssteuer, aber realistischer Weise wird sie auf absehbare Zeit nicht die erhoffte Größenordnung erreichen“, sagte er. Deshalb hätten Union und SPD in den Koalitionsverhandlungen die zwei Milliarden Euro, die noch im Finanzplan jährlich ab 2015 vorgesehen waren, „vorsichtshalber nicht mehr berücksichtigt“, so Schäuble.
„Das war für die interne Rechnung bei den Koalitionsverhandlungen wichtig, sonst ist das Geld schneller verplant, als man gucken kann“, sagte er.
Schäuble (CDU) spricht sich dafür aus, dass seine Partei das Bundesfinanzministerium besetzen sollte. Auf die Frage, ob er der CDU dazu geraten habe, sagte er: „Ja, das ist doch klar.“ Schäuble erklärte zudem seine Bereitschaft, Finanzminister in der Großen Koalition zu werden. Wenn Angela Merkel ihm den Posten anbiete, „dann würde ich nicht ablehnen“, sagte er. „Mir war es wichtig, erst den Koalitionsvertrag abzuwarten und zu schauen, ob er die Basis für eine solide Finanzpolitik ist. Die Bedingung ist aus meiner Sicht erfüllt“, sagte Schäuble.
Der 71-Jährige betonte aber, dass er über die Vergabe der Ministerposten nicht informiert sei. „Sie irren, wenn Sie meinen, da wüsste ich mehr als Sie“, sagte er. „Ich habe dem Wortlaut im Koalitionsvertrag entnommen, dass die drei Parteichefs über die Ressortverteilung und die Minister schon gesprochen haben, es aber 14 Tage lang geheim halten wollen“, sagte Schäuble.
Die Kritik der CDU-Wirtschaftspolitiker um Michael Fuchs und Christian von Stetten am Koalitionsvertrag und am Mindestlohn wies Schäuble zurück. „Die Vereinbarung zum Mindestlohn im Koalitionsvertrag entspricht mehr den Vorstellungen von CDU und CSU als denen der SPD“, sagte Schäuble. Die Union habe im Wahlkampf gesagt, die Tarifautonomie dürfe nicht geschwächt werden. „Unsere Vereinbarung stärkt sie. Das hätten wir schon vor Jahren machen sollen, aber das war mit der FDP schwierig“, so der geschäftsführende Finanzminister.
Schäuble wies auch den Vorwurf des CDU-Wirtschaftsrats zurück, dass der Koalitionsvertrag zu sozialdemokratisch sei. Er schätze die Wirtschaftspolitiker, die ihre Positionen einbrächten. „Andere vertreten die Arbeitnehmer, manche engagieren sich besonders für die junge Generation, wieder andere für die ältere. Eine Volkspartei muss alle Gruppen berücksichtigen“, sagte Schäuble. Die CDU sei „die ruhige und starke Kraft in Deutschland“. Die Union wolle „die Welt nicht neu erfinden. Die SPD wollte vieles anders machen“, sagte er. „Aber wir und die Mehrheit der Wähler haben gesagt: Stopp, das ist die falsche Richtung.“ Schäuble warnte vor zu viel Reformeifer. Politik solle gesellschaftliche Veränderungen nicht vorwegnehmen: „Sonst ist sie nicht freiheitlich.“
Das vollständige Interview mit Wolfgang Schäuble finden Sie im Kaufhaus der Weltwirtschaft.