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Amy Cappellazzo Sotheby's verliert seine Deal-Macherin

20 Jahre hat Amy Cappellazzo die Strippen im internationalen Auktionsgeschäft gezogen. Nun bricht die charismatische Geschäftsfrau zu neuen Ufern auf.
13.05.2021 - 08:14 Uhr Kommentieren
Sotheby's Chairwoman betreute fast das gesamte globale Kunstgeschäft des Unternehmens. Quelle: Timothy Greenfield-Sanders
Amy Cappellazzo

Sotheby's Chairwoman betreute fast das gesamte globale Kunstgeschäft des Unternehmens.

(Foto: Timothy Greenfield-Sanders)

New York Vor drei Jahren konnte ein breites Publikum Amy Cappellazzo in ihrem Element beobachten. In der Emmy-nominierten Doku „The Price of Everything“ nahm die Strippenzieherin damals als Chairwoman Global Fine Arts bei Sotheby’s wie gewohnt kein Blatt vor den Mund: „Wenn Museen zu viele Kunstwerke haben, die nie gezeigt werden, sind sie Friedhöfe“. Oder „Kontext ist wirklich wichtig. Ein Künstler, der in einer Lobby gezeigt wird, kommt da niemals heraus. Das ist sein Todeskuss“. Es ging in der Filmdokumentation um die Relation von Wert und Kaufpreis zeitgenössischer Kunst.

Relaxed, im Fond einer Limousine, sehen wir sie im Film auch stramm verhandelnd am Handy. Sie ist scharfsinnig, charismatisch, mit schier endloser Energie ausgestattet, eine eloquente Verfechterin des manchmal vor allem für junge Künstler erbarmungslosen Marktes.

Selbst Konkurrenten gestehen ihr zu, ein „brillanter Deal-Macher“ zu sein, Kunden vertrauen ihr blind. Aber Cappellazzo (53) besitzt neben dem Geschäftssinn eine ebenso tiefe Leidenschaft für die Kunst.

Nun gab der Star bekannt, Sotheby’s nach den wichtigen Frühjahrsauktionen zu verlassen. Nicht überraschend, denn ihr auf fünf Jahre begrenzter Vertrag lief im Januar aus. Gegenüber dem Branchenblatt „The Art Newspaper“ sagte sie: „Ich wurde engagiert, um bei der Privatisierung des Hauses zu helfen, und das ist geschafft“.

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    Cappellazzos steiler Aufstieg im Auktionsgeschäft begann im Jahr 2001 als Christie’s Co-Leiterin von Post-War and Contemporary Art in New York. Gemeinsam mit Brett Gorvy katapultierte sie die Abteilung zum unangefochtenen Marktführer.

    Ein einziger Abend spielte im November 2013 für 63 Lose 691 Millionen Dollar ein, das höchste Ergebnis der Auktionsgeschichte. Als sie den Versteigerer im Jahr 2014 mit dem Titel eines Chairman Post-War & Contemporary Development verließ, hatte sich der Markt für zeitgenössische Kunst zu einem globalen Phänomen entwickelt. 

    Mit der denkwürdigen Abendauktion im November 2013 nahm Christie's 691 Millionen Dollar ein, das höchste Ergebnis der Auktionsgeschichte. Quelle: Reuters
    Jeff Koons bei Christie's

    Mit der denkwürdigen Abendauktion im November 2013 nahm Christie's 691 Millionen Dollar ein, das höchste Ergebnis der Auktionsgeschichte.

    (Foto: Reuters)

    Gemeinsam mit dem ebenfalls exzellent vernetzten Kunstberater und Kurator Allan Schwartzman — einer seiner Topkunden ist der brasilianische Kunstpark Instituto Inhotim, eine Schöpfung des ehemaligen Bergbau-Unternehmers Bernardo Paz — und dem Rechtsanwalt und Investmentbanker Adam Chinn füllte Cappellazzo anschließend eine Lücke im Markt.

    Ihre Beratungsfirma Art Agency, Partners (AAP) kümmerte sich im Komplettservice um Belange internationaler Spitzensammler — so erfolgreich, dass schon knapp zwei Jahre später Sotheby’s neuer CEO Thomas Sidney „Tad“ Smith diese Expertise ins Haus holte.

    Für 85 Millionen Dollar Expertise ins Haus geholt

    Spektakuläre 85 Millionen Dollar ließ er sich das Trio kosten, das eine neue separate „Fine Art Division“ vor allem für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts leiten und die Gewinnmargen des damals börsennotierten Versteigerers verbessern sollte. 

    Der neue Besitzer Patrick Drahi nahm ab Herbst 2019 vor allem den stark ausbaufähigen Markt für Luxusgüter wie Design, Juwelen, Handtaschen und Wein ins Auge. Cappellazzo stieg Anfang 2020 noch zum Chairman „Global Fine Art Division“ auf, verantwortlich für fast das gesamte globale Kunstgeschäft, darunter auch Alte Meister, Lateinamerikanische Kunst, Fotografie oder Asiatika.

    Insider mutmaßen, dass ein Grund für die Trennung ihr hohes Gehalt sein könnte; aber vielleicht sei sie auch nicht mehr an der Flut von Managementaufgaben interessiert. Schon im November 2019 hatte Cappellazzo gegenüber dem Kunstmarktmagazin „The Canvas“ eine typisch amerikanische Rastlosigkeit angedeutet: „Ich bin ein unternehmerisch veranlagter Mensch“.

    Auch ihre ehemaligen AAP-Partner verließen den Versteigerer bereits. Schwartzman steht schon seit Sommer 2020 wieder einer großen eigenen Beratungsfirma vor und Adam Chinn ging bereits im Dezember 2018. Als Chief Operating Officer war er Sotheby’s treibende Kraft bei den profitablen Instrumenten von Garantien und unwiderruflichen Geboten.

    Oft berufliche Haken geschlagen

    Cappellazzo schlug schon oft berufliche Haken. Nach dem Studium in New York hatte sie ihre Karriere Anfang der Neunziger als Kuratorin intelligenter und hoch gepriesener Ausstellungen in Miami gestartet, wechselte 1998 als Direktorin zur Rubell Family Collection.

    Amy Cappellazzo will sich erst einmal zwei Monate Pause gönnen und ab September neuen Ideen widmen. Ihre Aufgaben bei Sotheby’s werden künftig zwei Angestellte erfüllen: Brooke Lampley und die Rechtsanwältin Mari-Claudia Jiménez. Gregoire Billaut wurde zum Chairman of Contemporary Art befördert.

    Mehr: Kunsthandel: Asiaten sorgen bei Sotheby's Frühjahrsauktionen für eine halbe Milliarde Dollar Umsatz

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