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Auktionsmarkt Sotheby's Prestigeversteigerungen vor der Kamera machen Furore

Die Pandemie kann den Hunger nach Bildern der Spitzenklasse nicht bremsen. Sotheby's verbucht am Bildschirm mehr als fünfmal so viele Mitbieter für seine Galaauktionen wie normal.
02.07.2020 - 14:56 Uhr Kommentieren
Sotheby‘s unterhaltsamer Starauktionator dirigierte die Auktion live über Bildschirme. Dort gaben Experten in New York, London oder Hongkong die Gebote ihrer Kunden weiter. Quelle: Sotheby's
Oliver Barker

Sotheby‘s unterhaltsamer Starauktionator dirigierte die Auktion live über Bildschirme. Dort gaben Experten in New York, London oder Hongkong die Gebote ihrer Kunden weiter.

(Foto: Sotheby's)

New York Werden wir je wieder die adrenalingetränkte Atmosphäre einer guten New Yorker Abendauktion erleben dürfen? In der sich die Spannung zum Schneiden dick aufbauen kann? In der sich selbst die größten Marktmacher in Aktion beobachten lassen? Wo Auktionatoren, allesamt Meister ihres Fachs, das Publikum mit Schmeicheleien amüsieren, nur, um noch ein weiteres Gebot aus ihrem Publikum herauszukitzeln? Wo sich Hunderte aus aller Welt angereiste Marktteilnehmer versammeln, Deals einfädeln, fachsimpeln oder lästern?

Nachdem die über mehrere Abende im Mai platzierten Galaauktionen hatten ausfallen müssen, waren die New Yorker Versteigerer herausgefordert. Denn auch und gerade in Coronazeiten werden die hier erzielten Preise als Barometer des Kunstmarkts dringend benötigt. Sotheby’s ging am 29. Juni mit einem ganz neuen, hybriden Auktionsformat voran.

Die Konkurrenz geht andere Wege: Phillips verwandelte die Abendauktion „20th Century and Contemporary Art“ am 2. Juli in ein reines Onlineevent. Christie’s wird am 10. Juli mit einem virtuellen Stafettenlauf über drei Kontinente folgen. 

„Die Zukunft ist hier!“, begrüßte Oliver Barker, Sotheby’s Starauktionator und Chairman Europe, am frühen Montagabend euphorisch sein weltweites Publikum, das von der Pandemie an die Screens verbannt wurde. Live aus London koordinierte Barker in einem eigens eingerichteten Studio Gebote der über Bildschirme zugeschalteten Kollegen in Hongkong, London und New York und dazu eine beachtliche Zahl von Online-Interessenten. Alles wurde in US-Dollar zugeschlagen.

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    Ein Manko: Es fehlte die in Auktionssälen übliche Tafel mit Konvertierung in relevante Währungen. Internationale Bieter mussten hin und wieder zum Taschenrechner greifen, was zu Verzögerungen führte. 

    Die Verteilung der 74 Lose, die zum ersten Mal an einem einzigen Abend Kunst von Impressionismus bis in die Gegenwart abdeckten, dauerte weit länger als geplant. Erst nach fast fünf Stunden sauste zum letzten Mal der Hammer nieder. Offenbar ist der Appetit internationaler Sammler an Topwerken unvermindert. Sotheby’s gab an, dass die Zahl der Zugeschalteten die Anwesenden bei einer durchschnittlichen Abendauktion mindestens um das Fünffache überschritt.

    Für das symbolträchtige Gemälde
    Frida Kahlo

    Für das symbolträchtige Gemälde "Contreso de los pueblos por la paz" wurden 2,7 Millionen Dollar geboten (Ausschnitt).

    (Foto: VG Bild-Kunst 2020/Sotheby's)

    Der wie immer energetische Auktionator Barker schaffte den Schritt ins neue Medium nahtlos. Er wusste auch hier Spannung aufzubauen – und zu unterhalten. Häufig feuerte er seine telegenen Kollegen in Sportmetaphern an: „Wir spielen uns die Bälle rund um den Globus zu!“ Aber er freute sich auch am Ende: „Wir haben den ersten großen Test für den Kunstmarkt mit Bravour bestanden.“

    Im Spitzenbereich habe sich das Preisniveau seit November im Wesentlichen nicht geändert, stimmte Doug Woodham von Art Fiduciary Advisors in New York zu. „Als hätte es Covid-19 nie gegeben. Da dürfte vor allem die schnell gewachsene Zahl von Firmen, die durch Kunst abgesicherte Finanzierung anbieten, sehr erleichtert sein. Sie brauchen ihre Portfolios nicht abzuwerten.“ 

    Die Akquise wird schwieriger

    Der Verkauf nach Losen lag bei sehr starken 92 Prozent, nur fünf blieben liegen, dazu wurden acht Rekorde gesetzt. Die eingespielten 363,2 Millionen Dollar bestätigten das obere Ende der Erwartungen. Dabei war das Angebot sowohl an „Contemporary Art“ (48 Lose) als auch „Impressionist and Modern Art“ (26) nur etwa halb so umfangreich wie zuvor. Kaum jemand hatte sich freiwillig von Schätzen getrennt. 

    Die Top-Preise blieben dem Zeitgenossen-Segment vorbehalten: Hier brachten 47 Zuschläge 300,4 Millionen Dollar ein. Zum Vergleich: Im Mai 2019 hatte Sotheby’s Contemporary-Auktion noch 72 Lose zu 392 Millionen Dollar verkauft. Die jetzt zugeschlagenen 22 Werke der schwach besetzten Impressionisten und Moderne spielten immerhin 62,8 Millionen Dollar ein, in der Mitte der Erwartung. Hier endeten vier Werke auf der Rückgangsliste. 

    Zehnminütiges Bieterduell

    Schon im März war der Spitzenreiter des Abends – Francis Bacons häufig ausgestelltes dreiteiliges Großformat „Triptych Inspired by the Oresteia of Aeschylus“ aus dem Jahr 1981 – angekündigt worden. Es wurde von der norwegischen Hans Rasmus Astrup Foundation gegen eine Erwartung von mehr als 60 Millionen Dollar verkauft.

    Kurz nach dem Aufruf bei 48 Millionen Dollar duellierten sich zehn Minuten lang Sotheby’s Zeitgenossenchef Grégoire Billaut im Kundenauftrag und ein hartnäckiger chinesischer Onlinebieter, der sich erst bei 74 Millionen Dollar geschlagen gab. Mit Aufgeld macht das 84,6 Millionen Dollar.

    Das Ölgemälde wurde für gut 11 Millionen Dollar versteigert. Quelle: VG Bild-Kunst 2020/Sotheby's
    Pablo Picasso „Tête de Femme endormie“

    Das Ölgemälde wurde für gut 11 Millionen Dollar versteigert.

    (Foto: VG Bild-Kunst 2020/Sotheby's)

    Onlinegebote in mehrstelliger Millionenhöhe waren zum ersten Mal keine Seltenheit. Auch Jean-Michel Basquiats Zeichnung „Untitled (Head)“ von 1982 fiel bei 15,2 Millionen Dollar brutto gegen vier Mitbewerber an einen Bieter am Computer oder iPhone. Beim letzten Marktauftritt vor fast 20 Jahren bei Phillips in New York wurde das Werk noch für knapp 400.000 Dollar weitergegeben. Damals wurde als Vorbesitzer auch John McEnroe, ehemaliger Tennisprofi und heute Sammler und Privathändler, genannt. 

    Elf Werke setzte der Nachlass der kalifornischen Sammler von amerikanischer Kunst, Harry und Mary Margaret Anderson, frei. Angeführt von einem der selten angebotenen Gemälde Clyfford Stills, „PH-11 (1947-Y-No.1)“, das zur unteren Taxe von 28,7 Millionen Dollar reüssierte, fanden sie insgesamt Abnehmer zum Preis von 66,3 Millionen Dollar. 

    Unwiderrufliche Gebote

    Gegen eine Garantie konnte sich Sotheby’s die riesige Sammlung der 2019 verstorbenen Ginny Williams sichern. Carl und Ginny Williams gehörten in den 1950er-Jahren zu den Pionieren des Kabelfernsehens. Die 18 angebotenen Werke zeigten eine Stärke ihrer Sammlung: Künstlerinnen, die früh und mit sicherem Blick angeschafft wurden. Helen Frankenthaler, Joan Mitchell oder Lee Krasner waren Zeitgenossinnen der großen Abstrakten wie etwa Jackson Pollock. Ihre Preise ziehen aber erst seit Kurzem an.

    Kurz vor der Auktion minimierte Sotheby’s noch für zehn Werke das eigene Risiko durch „Unwiderrufliche Gebote“. Allein drei Gemälde Joan Mitchells brachten 22,7 Millionen Dollar. Eines fuhr mit 7,9 Millionen Dollar einen neuen Rekord ein. Der Nachlass wird seit zwei Jahren von der Galerie David Zwirner vertreten.

    Surrealisten aus Südamerika

    Helen Frankenthalers Großformat „Royal Fireworks“ setzte bei ebenfalls 7,9 Millionen Dollar brutto ihre neue Bestmarke. Williams hatte das Werk vor fast neun Jahren zu 818.000 Dollar, damals weit über der Schätzung, ersteigert.

    Höhepunkte im schwach besetzten Impressionisten und Moderne-Sektor waren zehn Werke von kaum bekannten südamerikanischen Surrealisten, überwiegend Malerinnen, die aus dem Nachlass des prominenten Unternehmers Isaac Lif , Dominikanische Republik, kamen. Sie steuerten allein 26,6 Millionen Dollar bei. „Die Sammlung Ginny Williams und die surrealistischen Malerinnen sind genau das, was der Markt seit einigen Jahren sucht, ein traditionell unterbewertetes Gebiet mit Steigerungspotential“, so der internationale Kunstberater Alexander Platon. 

    Mehr: Auktionsmarkt: Wie Christie's sparen will.

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