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Galaauktion in Köln Museen aus aller Welt ringen um die Spitzenlose

Lempertz setzt die Alten Meister des Luftfahrtunternehmers Hinrich Bischoff mit satten Steigerungen ab. Die Auktion mit Kunst des 20. Jahrhunderts musste ohne solche Raritäten auskommen.
10.12.2020 Update: 10.12.2020 - 16:05 Uhr Kommentieren
Ein flämischer Sammler ersteigerte die kleine Tafel „Betende Maria” dieses auf dem Markt raren Meisters (Ausschnitt). Quelle: Lempertz
Quentin Massys

Ein flämischer Sammler ersteigerte die kleine Tafel „Betende Maria” dieses auf dem Markt raren Meisters (Ausschnitt).

(Foto: Lempertz)

Köln Hinrich Bischoff war nicht nur mit „Germania“ ein erfolgreicher Luftfahrtunternehmer. Er war auch ein kenntnisreicher Sammler Alter Meister und sogar Kunstsachverständiger. Die Versteigerung von 22 Werken seiner Sammlung wurde im Kölner Auktionshaus Lempertz ein Triumph. Sie bestätigte aber auch die Stärke des Kölner Traditionshauses im Altmeister-Markt.

Am 8. Dezember ersteigerte ein ausländisches Museum das Gemälde „Mädchen mit Kohlebecken” des französischen Caravaggisten Georges de la Tour für brutto 4,34 Millionen Euro. Das ist der höchste Preis, der je in einer deutschen Versteigerung für ein Altmeistergemälde geboten wurde. Es gab in der Abendauktion, die allein 8,4 Millionen Euro realisierte, noch weitere hohe Zuschläge, die internationale Bieter überwiegend telefonisch platzierten.

Der 2005 verstorbene Unternehmer Hinrich Bischoff war ein rastloser Sammler. Mitte der neunziger Jahre hatte er über 200 Gemälde zusammengetragen, vor allem der niederländischen Schule. Immer wieder wurden einzelne Werke veräußert. Im Dezember 2006 erschien eine Gruppe von Gemälden im Auktionshaus Hampel in München, die rund 1,5 Millionen Euro einspielten.

Ein Teil der bedeutenden Sammlung hängt als Stiftung im Kölner Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud. Erst im Oktober hatte Lempertz die Sammlung erfolgreich gegen Londoner Konkurrenz akquiriert und in Rekordzeit den faktenreichen Katalog publiziert.

Die Rechnung von Firmenchef Henrik Hanstein ging auf: „Wenn ich Topbilder habe, kommen die Museen aus aller Welt”. Zur Vorbesichtigung in Brüssel waren ausländische Museumsvertreter erschienen und internationale Händler hatten ihre Restauratoren geschickt. In Köln kam vorwiegend Schaupublikum. In Berlin wurden auch Sammler angesprochen, die erfolgreich auf drei Bilder der Sammlung boten. In der Versteigerung selbst regierten im spärlich bestuhlten Saal die Telefone und die Online-Verbindungen der Lempertz-Mitarbeiter.

275.000 Euro mit Aufgeld bot eine süddeutsche Sammlerin für das furios gepinselte Aquarell (Ausschnitt). Quelle: Lempertz; Nolde Stiftung Seebüll
Emil Nolde „Tosendes Meer”

275.000 Euro mit Aufgeld bot eine süddeutsche Sammlerin für das furios gepinselte Aquarell (Ausschnitt).

(Foto: Lempertz; Nolde Stiftung Seebüll)

Das Gemälde von Georges de la Tour ist eines von 17 Nachtbildern des Malers aus einem Oeuvre von nur 46 Werken. Es war das letzte dieser Gemälde in Privatbesitz, und hat schon eine Marktgeschichte. 1968 hatte es die New Yorker Galerie Spencer Samuels für 25.000 Pfund – damals 240.000 D-Mark – bei Sotheby’s ersteigert. Sieben Jahre später kam es bei Christie’s für 17.850 Pfund – rund 100.000 D-Mark– unter den Hammer. Da waren Bilder des lothringischen Malers schon ein hoch bezahltes Desiderat der Weltmuseen.

Das Getty Museum hatte 1972 für das Großformat „Der Streit der Musikanten” bei Christie’s rund 400.000 Pfund – damals 3,2 Millionen D-Mark– bezahlt. Als das New Yorker Metropolitan Museum 1960 das Hauptwerk „Die Wahrsagerin” für 800.000 Dollar von der Galerie Wildenstein erwarb, war das zu dieser Zeit das teuerste Bild der Welt. Der Louvre bezahlte 1988 für den „Heiligen Thomas mit der Lanze“ 32 Millionen Franc – umgerechnet 9,4 Millionen D-Mark. Kein Wunder, dass jetzt zwei Museen und bis zur Schwelle von 3,3 Millionen Euro ein Privatsammler um das Bild bei Lempertz stritten.

Wohlfeiles Bildnis eines Geldverleihers

Der Käufer mit dem größten Elan in der Auktion war ein belgischer Sammler, dem nicht weniger als vier flämische Gemälde der Preiskategorie bis zu 375.000 Euro zugeschlagen wurden. Dieser Preis gilt einem mit 60.000 bis 80.000 Euro taxierten Stillleben des Antwerpeners Osias Beert d.Ä. mit Weinglas und Süßigkeiten.

Ein anderer flämischer Sammler ersteigerte die nur 44 x 33,5 cm messende Tafel „Betende Maria” von Quentin Massys, ein bezwingendes Frauenbild dieses auf dem Markt raren Meisters. Ebenso selten, aber relativ wohlfeil war mit 325.000 Euro das Bildnis eines provokant wirkenden Geldverleihers, eine lupenreine Arbeit des Altflamen Marinus van Reymerswale, das in britischen Privatbesitz geht.

Deutsche Privatsammler engagierten sich erfolgreich für acht der ausgebotenen Lose, darunter das mit 212.500 Euro nicht gerade preiswerte Kleinformat „Pferdestall mit Reisenden” des seit Jahren aus dem Geschmack gefallenen Philips Wouwerman. Unterbieter des bis 70.000 Euro geschätzten dunklen Bildes war ein Russe.

Ein Hamburger Privatsammler wagte sich bis 187.500 Euro für ein mit 40.000 Euro ausgerufenes Entenbild des Utrechters Melchior de Hondecoeter, der von den holländischen Tiermalern immer noch der gefragteste ist. Auch das letzte Bild der Auktion, ein bezaubernder Mädchenkopf im Kissen von Lovis Corinth, wandert in deutschen, hier rheinischen, Privatbesitz.

Über 8 Millionen Euro für nur 20 Bilder

Nicht unerwähnt bleiben sollte der Rückgang zweier altdeutscher Bildnisse eines Paars in stilisierter Landschaft des für seine Patrizier-Porträts bekannten Conrad Faber von Kreuznach. Sie hatten 1979 bei Sotheby’s 100.000 Dollar erlöst und wurden 1983 von der Kölner Galerie Edel für über 500.000 D-Mark angeboten. Jetzt gab es bei 85.000 Euro kein Interesse. Auch eine monumentale Schlachtenszene von Philips Wouwerman ging zurück.

Dass für nur 20 Bilder über 8 Millionen Euro eingenommen wurden, ist ein im deutschsprachigen Raum seltenes Ereignis. Diese Summe ist normalerweise der Erlös für mehrteilige Auktionen mit Alter Kunst und Kunstgewerbe. Hier zeigt sich, dass der Altmeistermarkt immer dann seine Stärke zeigt, wenn es um marktfrische Sammlungen geht und darin auch wieder um Einzelwerke, die den Hunger nach Rarissima und Bilderbuchbildern stillen.

In der auf dem Fuße folgenden Abendauktion moderner und zeitgenössischer Kunst herrschte dann bei vollerem Saal wieder Business as usual. Hier zeigten sich Sammler persönlich, doch viele Gebote wurden online übermittelt. Das gilt selbst für Lose in sechsstelliger Höhe, was eine beherzte Steigerung der Internet-Akzeptanz anzeigt. Insgesamt nahm Lempertz mit dieser Auktionsserie eigenen Angaben zufolge 9,5 Millionen Euro ein.

Erstaunlich hohe Gebote gab es für Nolde-Aquarelle. Herausragend sind die brutto 275.000 Euro, die eine süddeutsche Sammlerin für „Tosendes Meer” bot, ein Aquarell, das Auktionator Henrik Hanstein mit dem Kommentar bedachte: „Ein superschönes Blatt. Wer kann schon ein Meer malen”. Aber auch das farbfrische Blumenstück „Tulpen und Amaryllis” wanderte für erstaunliche 225.000 Euro in deutschen Privatbesitz. Die Ausstellungen der letzten Jahre über Noldes Anbiederung an den Nationalsozialismus haben seiner Marktposition nicht geschadet.

Das strahlend rote Objekt mit Aluminiumschiene aus dem Jahr 1990 übernahm für 500.000 Euro inkl. Aufgeld österreichischer Handel. Es wurde teuerstes Los im Bereich der zeitgenössischen Kunst. Quelle: Lempertz, VG Bild-Kunst
Donald Judd „Half Solid Tube Piece“

Das strahlend rote Objekt mit Aluminiumschiene aus dem Jahr 1990 übernahm für 500.000 Euro inkl. Aufgeld österreichischer Handel. Es wurde teuerstes Los im Bereich der zeitgenössischen Kunst.

(Foto: Lempertz, VG Bild-Kunst)

Teuerstes Los wurde mit brutto 500.000 Euro ein kastenförmiges, strahlend rotes Objekt mit Aluminiumschiene von Donald Judd. Es kommt aus einer rheinischen Sammlung und wurde in den österreichischen Handel vermittelt. 212.000 Euro investierte ein baden-württembergischer Sammler in William Copleys Gemälde „Trust Lust” von 1989, in dem sich ein geiles Paar unter Polizeiaufsicht umarmt. Der deutsche Markt für die Ironie geladenen Bilder des 1996 gestorbenen Amerikaners wird von den Galerien Friese und Hetzler gepflegt.

Unter den Petitessen von Gerhard Richter gab es den Spitzenpreis für ein kleines, in dreißig Exemplaren grau-weiß bemaltes Blech, das für 93.000 Euro nach Tokio geht. Nur 8.000 Euro mehr brachte ein Handdruck, einer von nur sieben Exemplaren der Lithographie „Tanzendes Paar” von Ernst Ludwig Kirchner. Hier zeigt sich ein Missverhältnis, in dem die Kennerschaft gegenüber dem Mainstream auf verlorenem Posten steht.

Mehr: Sonderauktion mit Altmeister: In Köln kommen Werke aus der Sammlung Bischoff unter den Hammer

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