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Grisebach Auktionen Online-Kunden sind mit Höchstgeboten dabei

Privatsammler, Händler und Museen bewilligten in der Auktionsserie von Grisebach erstaunlich hohe Preise. Zwei mal endeten die Gebote erst bei Zuschlägen weit über einer Million.
17.06.2021 - 11:45 Uhr Kommentieren
Die marktfrische frühe Verwischung war international begehrt (Ausschnitt). Quelle: Grisebach
Gerhard Richter „Heidi“

Die marktfrische frühe Verwischung war international begehrt (Ausschnitt).

(Foto: Grisebach)

Berlin „Das, was wir schon mutig geschätzt haben, akzeptieren die Kunden“. Mit diesem Satz charakterisiert Micaela Kapitzky, Gesellschafterin von Grisebach, die brillanten Steigerungen von besonderen Lose. In den Frühjahrsauktionen des Berliner Auktionshauses wurden 21,6 Millionen Euro umgesetzt, mit den reinen Online-Ergebnissen sind es 24,3 Millionen Euro. Damit liegt der Umsatz deutlich über den Erlösen der entsprechenden Versteigerungen der letzten zwei Jahre von 15,5 und 16 Millionen Euro.

Über weite Strecken herrschte rege Kauflust und in dem nicht immer voll besetzten Saal zeigten sich sogar einige Privatsammler. Insgesamt aber wurden alle Auktionen von Telefon- und Internet-Geboten dominiert. Eine neue Erfahrung ist, dass immer mehr Online-Kunden sich mit hohen sechsstelligen, ja sogar siebenstelligen Geboten ins Bietgefecht einschalten.

So erzielte das teuerste Bild der sechsteiligen Auktionsserie, Max Liebermanns dunkles Waldstück „Reiter in der Allee bei Sakrow“ (1924) dank norddeutschem Privatgebot 1,5 Millionen Euro brutto. Das ist der bisher höchste Online-Zuschlag in einer deutschen Auktion.

2009 hatte es Koller in Zürich für 360.000 Schweizer Franken zugeschlagen. Der neue Preis für dieses Großformat ist ungewöhnlich. Bislang waren es immer Liebermanns „Wannseegarten“-Bilder, die in London und New York Millionenpreise erzielten.

Gerhard Richters verwischtes Porträt „Heidi“, ein Kleinformat von 1965, sicherte sich ein online zugeschalteter Schweizer Sammler mit 550.000 Euro zum Doppelten des unteren Schätzpreises. Das mit 18 x 21 cm winzige Richter-Gemälde „Umgeschlagenes Blatt“ von 1966 ersteigerte ein niedersächsischer Sammler für 745.000 Euro.

Schon zu Beginn dieser Abendsitzung am 10. Juni fiel der Hammer weit über der Schätzung bei Heinrich Vogelers „Träume II“, 1912. Ein im Saal bietendes Berliner Ehepaar hob das liebliche Jugendstil-Gemälde einer Blondine in Blumenaue von 200.000 auf 649.000 Euro.

Das lyrisch gestimmte Gemälde „Träume II (auch ,Frühling‘ oder ,Erwartung‘)“ bleibt in Berlin. Quelle: Grisebach
Heinrich Vogeler

Das lyrisch gestimmte Gemälde „Träume II (auch ,Frühling‘ oder ,Erwartung‘)“ bleibt in Berlin.

(Foto: Grisebach)

Das 1928 datierte Selbstbildnis des Neusachlichen Malers Karl Grossberg wurde online für 649.000 Euro in rheinischen Privatbesitz gegeben und Konrad Klaphecks frühes Porträt zweier Schuhspanner auf schwarzem Grund („Ähnliche Eltern“) ging für 575.000 zum Doppelten der Schätzung in deutschen Privatbesitz.

Ein charaktervolles Selbstporträt von Arthur Segal stieg von 150.000 auf 375.000 Euro. 350.000 Euro investierte ein sächsischer Sammler in Neo Rauchs mit knapp 2,50 Meter großes Frühwerk „Autor“ von 1994. Fernando Boteros füllige, im Profil gemalte „Walking Woman“ fiel für 550.000 Euro an einen Telefonbieter.

Dass die rare deutsche Pop Art Spitzenpreise erzielt, bestätigte der Zuschlag von 437.500 Euro für das Signalbild „Bockwürste auf Papierteller“, das der Düsseldorfer Konrad Lueg 1962 gemalt hat. Weltruhm erzielte Lueg als Galerist unter dem Namen Konrad Fischer.

Der einzige empfindliche Ausfall in dieser Auktion war ein Sonnenblumen-Gemälde Emil Noldes aus dem Jahr 1928. Es war auf 700.000 bis 1 Million Euro geschätzt, nachdem es 2006 bei Sotheby’s umgerechnet 1,7 Millionen Euro eingespielt hatte und dort vier Jahre später zurückgegangen war.

Schon am Mittwochnachmittag spielte die „Sander Collection“ 2,3 Millionen Euro ein. Ihre Ursprünge gehen auf die Sammlung des Kölner Fotografen August Sander zurück. Hier waren es Gemälde der „Kölner Progressiven“ aus den zwanziger Jahren, die die Gebote über die Taxen schnellen ließen.

Es begann mit 118.750 Euro für eine „Stark abstrahierte Halbfigur“ von Franz Wilhelm Seiwert und gipfelte in 1,2 Millionen Euro, die das Chicagoer Art Institute nach fünfminütigem Bietgefecht gegen deutsche und amerikanische Sammler für Franz Wilhelm Seiwerts „Wandbild für einen Fotografen“ von 1925 einsetzte.

Das zwei Jahre früher entstandene Ölbild „Ländliche Familie“ desselben Malers ging für 137.5000 Euro in den rheinischen Handel. Eine der teuersten Papierarbeiten der Sitzung wurde die zwölfteilige Holzschnittfolge „Häuser der Zeit“ von Gerd Arntz. Für sie musste eine süddeutsche Sammlerin im Saal 62.500 Euro einsetzen.

Diese Protagonisten der „Gruppe progressiver Künstler“ sind seit einigen Jahren stark gefragt, weil sie eine sozialkritische Menschendarstellung pflegen, die in konstruktivistischer Bildsprache entschlackt ist.

Der Weltrekord für den neusachlichen Maler liegt bei 649.000 Euro (Ausschnitt). Quelle: Grisebach
Carl Grossberg „Selbstporträt“

Der Weltrekord für den neusachlichen Maler liegt bei 649.000 Euro (Ausschnitt).

(Foto: Grisebach)

Der höchste Zuschlag der zeitgenössischen Kunst, die eine niedrige Rückgangsrate von 23 Prozent hatte, liegt bei 187.500 Euro für Tom Wesselmanns ausschnitthafte Farbmalerei auf Papier „Study for Bedroom Painting“ von 1982, die in eine süddeutsche Privatsammlung wandert. Für 125.000 Euro übernahm österreichischer Handel die frühe Gouache „Zwei Frauen“ von Joseph Beuys. Denselben Preis erzielten die blautonige Farblithografie eines Schwimmbeckens von David Hockney durch britisches Gebot.

Von Norbert Schwontkowski, von dem in der jüngsten Online-Auktion des Hauses ein Gemälde mit 132.500 Euro den Rekordpreis realisiert hat, kam das Großformat „Der Erfinder der Tricolore“ für 87.500 Euro unter den Hammer. Es ging an einen Berliner Sammler.

Die Routineauktion „Moderne Kunst“ sah vor allem die Aufwertung des Malers Philipp Franck (1860 – 1944), ein Mitgründer der „Berliner Secession“. Dessen 1926 datiertes Gemälde „Die Wannseebrücke“ sicherte sich für 92.500 Euro Berliner Handel.

Menzel zeichnete im Nachtschnellzug

Die Auktion von Werken des 19. Jahrhunderts hatte nur wenig Exzeptionelles zu bieten. Hier sind es nur zwei Zuschläge, die aus dem Rahmen fallen. Es ist das von fünf Telefonbietern begehrte, Vergänglichkeit ausstrahlende Ruinenbild „Templerschloss“ aus der impressionistischen Phase von Eugen Bracht, das ein brandenburgischer Sammler von 25.000 auf 187.500 Euro hochsteigerte. Das zweite Starlos ist Adolph Menzels realistische Blei- und Tuschpinselzeichnung „Morgens früh im Nachtschnellzug“, die ein Berliner Privatsammler für markante 206.250 Euro erwarb.

In der Fotografie-Auktion wurde die frühe Schwarzweißansicht der 44. Straße in New York für 30.000 Euro in eine amerikanische Stiftung aufgenommen. Amerikanische Gebote von je 22.500 Euro ließen sich auch für zwei Fotogramme von Otto Steinert notieren.

Mehr: Auktionen bei Grisebach: Telefonbieter sorgen für Jagdfieber

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