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Highlights-Messe in München Kunsthändler beweisen Mut zum Risiko

In München hat die elegante Kunst- und Antiquitätenmesse „Highlights“ trotz der Pandemie eröffnet. Sie will damit ein Zeichen setzen. Der Standort lebt und hat etwas zu bieten.
22.10.2020 - 17:40 Uhr Kommentieren
Blick auf den Stand mit Antiken von Jean-David Cahn. In der Mitte links das Top-Stück des Schweizer Kunsthändlers, der Marmort orso eines Epheben oder jungen Athleten, entstanden 200 v. Chr. Quelle: Cahn AG/Ateliers Xpo Michael Aust
Im Eingangsbereich der Highlights-Messe

Blick auf den Stand mit Antiken von Jean-David Cahn. In der Mitte links das Top-Stück des Schweizer Kunsthändlers, der Marmortorso eines Epheben oder jungen Athleten, entstanden 200 v. Chr.

(Foto: Cahn AG/Ateliers Xpo Michael Aust)

Düsseldorf Etwas Besonderes für Unerschrockene. So ließe sich Münchens kleine, aber elegante „Highlights – Internationale Kunstmesse München“ bezeichnen, deren elfte Ausgabe in diesen Tagen in München allen Coronabedingten Widrigkeiten zum Trotz eröffnet wurde (bis 25.10.).

Nach einem Kraftakt und mit nur 27 Teilnehmern – zwölf weniger als im letzten Herbst – konnte sich die traditionell schön gestaltete Kunst- und Antiquitätenschau in den Bronzesälen der Residenz einrichten. „Auf absolutem Tefaf-Niveau“, wie ihr der Münchener Kunsthändler und Messeaussteller Georg Laue bescheinigte. „Mit einem Schwerpunkt auf der alten Kunst, so wie wir es immer haben wollten.“

Doch das ausgeklügelte Hygienekonzept, dem sogar Bernd Sibler, Staatsminister für Wissenschaft und Kunst in Bayern, Lob zollte, überzeugte nicht jeden. Viele Kunsthändler wollten das wirtschaftliche und gesundheitliche Risiko nicht eingehen und blieben fern, darunter auch der Hamburger Fachmann für Meisterzeichnungen, Martin Moeller-Pisani. Ihm bricht damit schon die zweite Messe weg und das ausgerechnet im Süden, wo es eine informierte Klientel für sein Spezialgebiet gibt. „Das ist für mich ein Drama.“

Auch manche schon älteren Sammler, die normalerweise aus Köln und Düsseldorf angereist kommen, trauten sich nicht. „Die fehlen“, konstatiert Michael Beck, Mitinhaber der Düsseldorfer Galerie Beck & Eggeling. Er konnte seinen Hingucker, Gerhard Richters gerakeltes „Fuji“-Bild aus dem Jahr 1996 jedoch schon zu Beginn der Messe verkaufen.

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    Beck hatte sich erst spät zu einer Teilnahme überreden lassen und sich einen Stand in der Nähe des Eingangsbereichs aussuchen dürfen. Eine flache Nische, groß genug, um Leinwände und Papierarbeiten zur Geltung zur bringen, aber nicht groß genug, um sich darin mit Kunden zurückzuziehen. Das sind Bedingungen, mit denen ein Großteil der Aussteller vorlieb nehmen muss. Beck ist sich des Risikos bewusst: „Es ist eine Gratwanderung.“

    Messedesigner Tom Postma schuf auch für die von Langeloh Porcelain vertretene Porzellankunst des 18. Jahrhunderts den passenden Rahmen. Im Hintergrund fällt der Blick auf den Stand von Beck & Eggeling. Quelle:  Langeloh/Ateliers Xpo Michael Aust
    Maßgeschneidertes Interieur

    Messedesigner Tom Postma schuf auch für die von Langeloh Porcelain vertretene Porzellankunst des 18. Jahrhunderts den passenden Rahmen. Im Hintergrund fällt der Blick auf den Stand von Beck & Eggeling.

    (Foto:  Langeloh/Ateliers Xpo Michael Aust)

    Im Entree haben die Aussteller mehr Platz um sich herum. Vier Teilnehmer – nur jene mit nicht entflammbaren Werken – entfalten an dieser Stelle Glanz: Röbbig mit prächtigem Porzellan aus dem 18. Jahrhundert in illuminierten Vitrinen, die Schweizer Cahn AG mit antiken Marmortorsi und schwarzfiguriger Vasenmalerei, gegenüber die Kunstkammer Georg Laue und Julius Böhler.

    Bei Böhler fällt eine Wand mit kleinen, sehr fein geschnitzten Gekreuzigten auf. Der schönste wird Tilmann Riemenschneider zugeschrieben und ist aus Obstholz. Kostenpunkt: 250.000 Euro. Der Hingucker bei Laue steht in einem pechschwarzen historischen Tresor: eine in Süddeutschland aus alpinem Bergkristall gedrehte Renaissance-Prunkkanne (um 1565), die einst dem Passauer Komponisten Leonhard Paminger gehörte und nun mit 135.000 Euro ausgepreist ist.

    Die sehr seltene, fast ein Meter hohe, chinesische Ritualbronze hat Grießenbeck & Hartl Asiatica im Angebot. Sie entstand für Kaiser Quianlong, der von 1735 bis 1796 amtierte. Quelle: Griessenbeck & Hartl Asiatica
    Kaiserliches Räucherbecken

    Die sehr seltene, fast ein Meter hohe, chinesische Ritualbronze hat Grießenbeck & Hartl Asiatica im Angebot. Sie entstand für Kaiser Quianlong, der von 1735 bis 1796 amtierte.

    (Foto: Griessenbeck & Hartl Asiatica)

    Auch Peter Mühlbauer, der im größeren der beiden vom Eingangssaal abzweigenden Trakte seinen Stand hat, wartet mit einem besonderen und zudem geschichtsträchtigen Objekt auf. Die Silberbeschlagene Rokoko-Prunktruhe aus dem Besitz Friedrich des Großen ist aufgrund ihrer Bedeutung auf 480.000 Euro veranschlagt.

    Weiter zurück in die Menschheitsgeschichte reicht eine der beiden chinesisch-kaiserlichen Ritualbronzen auf dem Stand von Neuaussteller Grießenbeck & Hartl Asiatica. Die kleinere entstand im 12. Jahrhundert v. Chr. und ist zwar schön, aber nicht so rar und deshalb mit 50.000 Euro deutlich preiswerter als das monumentale, viel jüngere Exemplar aus dem 18. Jahrhundert, erklärt Benedikt Freiherr von Grießenbeck, Sohn des Münchener Asiatika-Händlers Georg Hartl. Kostenpunkt 1,5 Millionen Euro.

    „17, nein 18 Objekte“ hat der Junior auf die Highlights mitgebracht. Er korrigiert sich, denn in China, wo er bis vor zwei Jahren lebte, bringt die Zahl Acht Glück. Das Räucherbecken ist im Übrigen das teuerste Exponat der Messe, gefolgt von einem Seestück Emil Noldes von 1924, das für 1,2 Millionen bei Beck & Eggeling hängt.

    Die Bergkristall-Prunkkanne des Passauer Komponisten Leonhard Paminger (1495-1567). Der Steinschnitt wurde in Freiburg im Breisgau, um 1565, gearbeitet, die feuervergoldete Montierung wohl in Straßburg um 1565. Quelle: Kunstkammer Georg Laue
    Im historischen Tresor versteckt

    Die Bergkristall-Prunkkanne des Passauer Komponisten Leonhard Paminger (1495-1567). Der Steinschnitt wurde in Freiburg im Breisgau, um 1565, gearbeitet, die feuervergoldete Montierung wohl in Straßburg um 1565.

    (Foto: Kunstkammer Georg Laue)

    Wohlfeiler, bereits ab niedrigeren vierstelligen Beträgen notiert die überraschend gut vertretene Fotokunst. Eine Ausnahme bildet das von Jean-Loup Sieff in Schwarzweiß aufgenommene Porträt von Yves Saint-Laurent mit nacktem Oberkörper, für das Ira Stehmann 55.000 Euro veranschlagt. Auch wenn es sich um einen im Ausstellungsformat abgezogenen Vintageprint handelt, also um einen zeitnah zur 1971 fotografierten Aufnahme entstandenen Abzug, dürfte er teuer bezahlt sein. Denn er wurde nicht vom Künstler, sondern von seiner Frau Barbara signiert und mit einem Nachlassstempel versehen.

    Stehmann hat ansonsten schon am zweiten Tag der Vorbesichtigung gut verkauft, insgesamt 18 Arbeiten, vor allem von Albarrán Cabrera, der für seine artifiziell abgezogenen, stimmungsvollen Baummotive geliebt wird.

    Vorne rechts funkeln die blank geputzten Vitrinen von Röbbig München vor einer Wandgestaltung im zeittypischen Stil. An so prächtigem Geschirr und figürlichem Porzellan erfreuten sich die Fürsten des 18. Jahrhunderts. Im Hintergrund entfalten die Antiken der Schweizer Cahn AG ihre meditative Wirkung. Quelle: Röbbig/Cahn AG/Ateliers Xpo Michael Aust
    Impressionen aus dem Entree

    Vorne rechts funkeln die blank geputzten Vitrinen von Röbbig München vor einer Wandgestaltung im zeittypischen Stil. An so prächtigem Geschirr und figürlichem Porzellan erfreuten sich die Fürsten des 18. Jahrhunderts. Im Hintergrund entfalten die Antiken der Schweizer Cahn AG ihre meditative Wirkung.

    (Foto: Röbbig/Cahn AG/Ateliers Xpo Michael Aust)

    Auch bei der Galerie Stefan Vogdt lohnt sich ein Blick auf das Angebot an zeitgenössischer Fotografie. Hervorzuheben wären die kleinen, fast surrealen, häufig getonten Schwarzweißbilder des Japaners Yamamoto Masao, deren Preise zwischen 1.200 und 25.000 Euro liegen je nach Auflagenhöhe. Hingucker auf dem Stand ist jedoch das Schreibtisch-Ensemble mit Tisch und Rollcontainer des finnischen Architekten und Designers Alvar Aalto, das 12.800 Euro kosten soll.

    Daneben schlägt das Herz von Stefan Vogdt für Studioglas, vor allem für die wild skulpturalen Stücke von Ritsue Mishima. Sie lebt die Hälfte des Jahres auf der alten Glasbläserinsel Murano bei Venedig. Auch die blaue Vase ist aus mundgeblasenem Muranoglas, allerdings nach einem Entwurf des portugiesischen Designers Emmanuel Babled.

    Quer durch alle Genres, Kunstgattungen und Epochen reicht die Offerte an ausgesuchten, aber auch gefälligen Objekten. Und für alle schuf der bewährte Messedesigner Tom Postma die glanzvolle Bühne. Das ist inmitten des geschichtsträchtigen Ambientes genau der Rahmen, in dem ein für das Schöne empfängliches und auch betuchtes Publikum gerne Geld ausgibt. Wie unsinnlich und ohne Flair erscheint im Vergleich dazu ein Onlineauftritt wie ihn die Messe auf Artsy anbietet. Auch wenn das digitale Schaufenster nicht mehr wegzudenken ist. Es ist nur Ersatz.

    Wer mehr will, besucht die exquisiten Ausstellungen bei Florian Sundheimer und Arnoldi-Livie, wo auch abgesprungene Messeteilnehmer ihr Angebot ausbreiten. Bei Sundheimer tritt eine filigrane Stahlskulptur von Otto Boll (Dierk Dierking) mit einer in dunklen Farben glühenden Collage von Hermann Glöckner (Sundheimer) und Papierarbeiten von Picasso (Thomas Salis) in Dialog.

    Im Vordergrund befindet sich eine filigrane Stahlskulptur von Otto Boll (Dierk Dierking), an der Wand Papierarbeiten von Pablo Picasso (Thomas Salis) und auf dem Sockel eine Collage von Hermann Glöckner (Sundheimer). Quelle: VG Bild-Kunst für Picasso und Glöckner
    Gemeinschaftsausstellung in der Galerie Florian Sundheimer

    Im Vordergrund befindet sich eine filigrane Stahlskulptur von Otto Boll (Dierk Dierking), an der Wand Papierarbeiten von Pablo Picasso (Thomas Salis) und auf dem Sockel eine Collage von Hermann Glöckner (Sundheimer).

    (Foto: VG Bild-Kunst für Picasso und Glöckner)

    Spannungsvolle Gegensätze, die dem Cross-over sammelnden Kunstfreund entgegenkommt, auch bei Arnoldi-Livie. Picassos arabeskenhafte Zeichnung „Trois Personnages“ (Beck & Eggeling) findet ihr zeitgenössisches Gegenüber in einer aus nur zwei roten Linien komponierten Zeichnung von Fred Sandback (Livie Fine Art). Dazu gesellen sich Klassiker von Menzel (Arnoldi-Livie) über Feininger (Wienerroither & Kohlbacher) bis zu einem Ölgemälde von Ernst Wilhelm Nay (Galerie Michael Haas).

    Beide Veranstaltungsformate zusammen, die Messe ebenso wie die Galerieausstellungen, setzen ein vitales Zeichen. Der Kunsthandelsstandort München will sich behaupteten – auch in schwieriger Zeit.

    Die „HIGHLIGHTS - Internationale Kunstmesse München“ läuft bis 25. Oktober 2020 in der Residenz, Eingang Kaiserhof täglich von 10 bis 19 Uhr. 100 Besucher dürfen sich gleichzeitig in der Messe aufhalten. Sie müssen sich vorab online oder telefonisch unter 089/23241350 für ein bestimmtes Zeitfenster registrieren.

    Mehr: Kunstmessen in München: Die eine trotzt dem Coronavirus, die andere hofft auf das nächste Jahr

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