Nachruf: Anita Beckers – Streiterin für die Videokunst
Bonn. Anita Beckers’ Tod kam unerwartet und viel zu früh. Aber sie nahm sich noch die Zeit, für das Team ihrer Frankfurter Galerie eine To-do-Liste zu schreiben. Das ist typisch für die nimmermüde, von einer leidenschaftlichen Mission im Dienste der Kunst angetriebene Galeristin. Sie war einzigartig warmherzig, zugewandt und neugierig. Eine geborene Netzwerkerin, die vor dem schwierig zu Vermittelndem keine Angst hatte.
Man konnte ihr sogar an einem Sonntag eine Frage stellen und brauchte nicht lange zu warten. „Sein Blick auf die deutsch-deutsche Geschichte zeigt mir immer wieder auf, mit welch unterschiedlichen Erfahrungen wir mit diesem Thema umgehen“, schrieb sie im März auf dem Weg nach Madrid zur Kunstmesse Arco. Die Rede war von dem Fotokünstler Andreas Mühe, dem sie in diesem Frühjahr 2025, parallel zu seiner Schau in der Kunststiftung DZ Bank, ihre zweite Ausstellung gewidmet hatte. „Jetzt gönne Dir auch einen Spaziergang. Heute ist Sonntag. Ich melde mich wieder.“
Unfreiwilliger Weg zum Kunsthandel
Zum Kunsthandel kam Anita Beckers unfreiwillig und auf Rat ihres kunstliebenden Ehemannes Günter Beckers. Ein Schlaganfall mit Gedächtnisverlust hatte es unmöglich gemacht, als Lehrerin weiterzuarbeiten. 1995 gründete sie in Darmstadt eine Galerie, mit der sie 1998 nach Frankfurt ins Gallusviertel umzog, von dort 2015 in die Braubachstraße gegenüber vom Museum für Moderne Kunst.
Woran der legendäre Fernsehgalerist Gerry Schum vor etwas über 50 Jahren noch scheiterte: Anita Beckers brachte es fertig, sich dauerhaft als Galeristin für das widerspenstige Medium der Videokunst zu etablieren. Bereits um die Jahrtausendwende war sie „die einzige weit und breit“, die einen Schwerpunkt auf Video- und Medienkunst gesetzt hatte“, erinnert sich Olaf Stüber, der 2001 in Berlin selbst das Wagnis einer Gründung einging.
Pionierarbeit geleistet
Anita Beckers leistete Pionierarbeit auf einem Feld, das vor dem Hintergrund andauernder technologischer Anpassungsprozesse seine rechtlichen und preislichen Standards erst noch setzen musste. 2005 war sie die erste ihrer Zunft, die ein Regelwerk für den kunsthändlerischen Umgang mit dem bewegten Bild initiierte. „Wir leben vom Video“, gab Beckers damals zu Protokoll. Sie wolle sich jedoch nicht ausmalen, was passiert, wenn ihre Kunden dereinst zu ihr kommen und sagen, „mein Kunstwerk funktioniert nicht mehr“.
In die Museen haben medienbasierte Installationen inzwischen längst Eingang gefunden. Doch die Zahl der großen, auf das bewegte Bild konzentrierten Privatsammlungen kann man weltweit noch immer an den Fingern einer Hand abzählen. „Es ist richtig, die Malerei ist einfach leichter verkäuflich, und das bildet sich eben am Markt auch entsprechend ab“, bemerkte Beckers noch vor Jahren. Sie gebe trotzdem nicht auf. „Ich glaube an das bewegte Bild.“
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