PIN-Auktion: Kunst für die Kunst
München. Man muss nicht lange rätseln, wer der Liebling der diesjährigen PIN-Auktion ist, die am 15. November zum 23. Mal zur Finanzierung von Projekten in der Pinakothek der Moderne München und im Museum Brandhorst und zur Unterstützung von Ankäufen stattfindet. Ein kleiner pinkfarbener Bär begeistert derzeit in der Auktionsvorbesichtigung in Münchens Pinakothek der Moderne. Unter dem Titel „I am jetlagged“ rekelt sich die anspielungsreiche Figur aus Paola Pivis gefeierter Bärenserie halb ermattet, halb jugendlich-kess am Boden. Zum Schätzwert von 46.000 Euro hat sie die Pariser Galerie Perrotin zur Verfügung gestellt und erinnert damit an die erfolgreichste Pinakotheken-Ausstellung 2025. In „Eccentric. Ästhetik der Freiheit“ tanzten zwei große Bärenpaare Pivis. Sie waren die meistfotografierten Exponate. Wenn am kommenden Samstagabend Manager von Dax-Konzernen wie BMW und der Allianz, Unternehmer und Prominenz aus Politik und Kultur mitsteigern, ist in der Rotunde wahrscheinlich ein Bietergefecht angesagt.
Der Verein PIN-Freunde der Pinakothek, der in diesem Jahr sein 60. Jubiläum feiert und den Benefizabend organisiert, hofft wieder auf ein Ergebnis um die zwei Millionen Euro. Die Qualität ist gewohnt hoch. Werke wie eine Collage von Marcel Odenbach, eingeliefert zur Taxe von 85.000 Euro von der Galerie Gisela Capitain, wie Eberhard Havekosts auf 32.000 Euro taxiertes Gemälde „Driver“ aus privater Quelle oder Elger Essers postromantische Fotografie „Mont Saint Michelle…“ für 36.000 Euro aus den Beständen der Galerie Schöttle sind nur drei von 56 angebotenen Losen.
Das Engagement einzuliefern sei groß gewesen, berichtete PIN-Vorstandsvorsitzende Dorothée Wahl. „Es geht darum, weiterhin mutige und auf der Höhe der Zeit befindliche Ausstellungen zu realisieren“, führte die Textilunternehmerin im Gespräch mit dem Handelsblatt weiter aus. Für eine Benefizveranstaltung ist ein Werk zur Taxe von 450.000 Euro eine stolze Summe. Die Galerie Sies + Höke lieferte zu dieser Taxe Sigmar Polkes mit typischen Rasterpunkten versehene Gouache „Ohne Titel“ aus dem Jahr 2000 ein. Der Trend zu hochpreisigeren Kunstwerken für die PIN-Auktion hatte mit der vor ein paar Jahren getroffenen Entscheidung, auf Wunsch bis zu 50 Prozent des Erlöses an die Einlieferer abzutreten, begonnen. Noch nie ist eine PIN-Auktion in solch preisliche Höhen vorgestoßen. Mit diesem Verfahren sind nicht nur die Museen Gewinner, sondern bei Bedarf auch die vorherigen Eigentümer.
Münchens große Benefizauktion, bei der sich die Kunstszene und Vertreter der Wirtschaft jeder auf seine Weise für Erhalt und Fortsetzung einer vitalen Kulturlandschaft engagieren, hat bei aller Feierlaune einen ernsten Hintergrund. Die eine Seite weiß um die Rolle von Kunst und Kultur für die Attraktivität eines Wirtschaftsstandorts. Künstler und Galerien hingegen brauchen Museen als Orte der Wahrnehmung, des Bewahrens und des Diskurses.
Einige der Künstler und Künstlerinnen, die Werke zur Verfügung gestellt haben, hatten in den letzten Monaten Ausstellungen in diesem Haus. Etwa die viele Jahre unterschätzte, messerscharfe Zeichnerin und Nachkriegschronistin Almut Heise. Sie stiftete ihre große, auf 21.400 Euro taxierte Bleistiftzeichnung „Paar mit Bundesverdienstkreuz“ von 1976. Thomas Scheibitz, bis Januar in der Ausstellung „Tribute to Hermann Glöckner“ in der Graphischen Sammlung zu sehen, lieferte die große Leinwand „Instanz“ von 2024 ein. Die Arbeit in Scheibitz’ unverwechselbarer Sprache zwischen Konstruktivem und Gegenständlichem ist auf 58.000 Euro geschätzt.
Zweifellos ein Highlight der Auktion ist Sheila Hicks’ „Tension Discs Graviting…“. Mithilfe der Wiener Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder kann das 40 Zentimeter breite Tondo aufgerufen werden, sein Wert liegt bei 40.000 Euro. Die Arbeiten der Pionierin der textilen Moderne gehen heute handverlesen in bedeutende Sammlungen. Im Gespräch verriet Dorothée Wahl einen Ankaufserfolg für die Staatlichen Bayerischen Gemäldesammlungen. Mit Unterstützung der PIN-Freunde konnte gerade für einen mittleren sechsstelligen Betrag ihre große Rauminstallation „Saffron sentinel“, die im Sommer in der Ausstellung „Könnt Ihr noch?“ auf Herrenchiemsee gezeigt wurde, erworben werden.
Das Angebot der PIN-Auktion ist eine Mischung aus renommierten Positionen und junger, vielversprechender Kunst. „Wir haben mittlerweile eine ganze Reihe jüngerer Unternehmer und Führungskräfte, von denen die Emerging Artists mit sehr viel Enthusiasmus angenommen werden“, so die PIN-Vorständin. Dazu zählt die von der Galerie Max Goelitz vertretene, international gefragte Künstlergruppe Troika. Sie verbindet digitale und analoge Erfahrungen, wie auch in ihrem auf 24.500 Euro taxierten Werk „Forest filled with pines and electronics“. Als eine der spannendsten jungen Stimmen in Bezug auf ökologische Fragestellungen gilt die Spanierin Leonor Serrano Rivas. Sie ist eine Entdeckung der Galerie Carlier Gebauer. Amorph, organisch und zugleich verspielt kommt ihre mit 19.300 Euro bewertete Skulptur „Carcasa Nº 17“ daher.
Wie immer wird ein Teil live versteigert, rund 20 Werke sind Teil der Silent Auction. Über Prozedere und Vorbesichtigungszeiten informiert die Website www.pin-freunde.de.