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Sotheby's und Christie's Diskrete Privatverkäufe und Onlineauktionen retten die Jahresbilanz

Christie‘s und Sotheby‘s finden Interessenten für außergewöhnliche Objekte der Alten Kunst. Weltweit führt Sotheby‘s mit einer Bilanzsumme von über 5 Milliarden Dollar.
22.12.2020 - 14:16 Uhr Kommentieren
Hybride Online- und Liveformate hielten das Interesse von Kunden wach, auch in der Vorweihnachtszeit. Quelle: Sotheby's
Sotheby's

Hybride Online- und Liveformate hielten das Interesse von Kunden wach, auch in der Vorweihnachtszeit.

(Foto: Sotheby's)

London Mit einem positiven Ausblick in das neue Jahr endet die Auktionssaison 2020 in London. Die Auktionen für klassische Objekte und Alte Meister bestätigen das Vertrauen auf eine Erholung des Marktes im nächsten Jahr. Das mittlerweile kleine, aber dennoch bedeutsame Sammelgebiet hält sich und bestätigt, dass auch hier Onlinegebote und asiatisches Interesse den Markt stützen. Vor allem Christie’s kann starke Ergebnisse vorlegen.

Die im Umfang abgespeckten Auktionen mit Kunstobjekten, Alten Meistern, Skulpturen und Antiken hielten aufgrund ihrer hybriden Online- und Liveformate das Interesse von Kunden auch oder gerade in der Vorweihnachtszeit. Sotheby’s Abendauktion Alter Meister spielte zwar nur 10,6 Millionen Pfund ein. Aber eine robuste Verkaufsrate von 85,2 Prozent zeigt, dass das weniger den Käufern als den angesichts der Weltlage nervösen Einlieferern geschuldet ist. Während die Interessenten-Nachfrage stark bleibt, schaffen es nur wenige Altmeisterlose vom Wert her in die Abendauktion.

Bei Sotheby’s wurden vor der Auktion vier Lose zurückgezogen, und die verbliebenen 27 Lose waren fast allesamt mittelmäßige Waren. Bemerkenswert hier war die Teilnahme an Onlinebietern in einem Bereich, dem man eher traditionelle Käufer nachsagt, die den Kontakt mit Beratern und den Objekten vor Ort schätzen.

Hans Eworths würdevolles Porträt von Joan Thornbury aus dem 16. Jahrhundert ging nach einem Bietgefecht zwischen Saal-, Telefon- und Onlinebietern an einen Onlineinteressenten. Es verkaufte sich über der Schätzung von 400.000 bis 600.000 für 983.000 Pfund und setzte einen neuen Künstlerrekord. Auch ein Blumenstilleben von Jan Brueghel dem Jüngeren, das virtuos 130 verschiedene Blumensorten abbildet, wurde einem Bieter online zugesprochen. Es verdoppelte die obere Schätzung und brachte 252.000 Pfund.

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    Die um 1750 bemalte und mit Goldmontierung eingefasste kleine Dose wurde in der
    Tabakdose aus Meissen

    Die um 1750 bemalte und mit Goldmontierung eingefasste kleine Dose wurde in der "Treasures"-Auktion für 352.800 Pfund versteigert.

    (Foto: Sotheby's)

    Auch in der sogenannten „Treasures"- Auktion konnten solide Ergebnisse erzielt werden. Ein Leuchterpaar aus Palermo aus dem 18. Jahrhundert verkaufte sich bei einer Schätzung von 150.000 bis 250.000 für 596.000 Pfund und auch einige Meißen-Services fanden guten Anklang. Hier wurden insgesamt 70 Prozent der Lose verkauft und knapp über 5 Millionen erzielt. In der Skulpturenauktion verzehnfachte eine mehrfarbige Madonnenfigur aus der französischen Gotik ihre Schätzung und verkaufte sich erst für 239.000 Pfund.

    Christie’s bot seine Alten Meister eine Woche später an. Hier setzte das Haus bei 38 angebotenen Losen 22,9 Millionen Pfund um und erzielte mit Verkaufsraten von 86 Prozent der Lose und 97 Prozent nach Wert eine sehr gute Verkaufsrate. Es kam damit der Vorjahresauktion mit 24,2 Millionen Pfund und 44 Arbeiten recht nahe.

    Lose mit guter Provenienz

    Christie’s profitierte von einer Reihe marktfrischer Arbeiten mit guter Provenienz und der Zuschaltung von Spezialisten aus New York. Sie gaben die aktiven amerikanischen Gebote direkt an den Auktionator Jussi Pylkkänen weiter. Dies trug zu einer lebhaften, aktiven Atmosphäre bei.

    Stimmung verbreitete auch das Starlos der Auktion, ein seltenes, großformatiges und repräsentatives Stillleben von Jan de Heem, das sich seit dem 19. Jahrhundert in einer englischen Privatsammlung befand. Auf vier bis sechs Millionen Pfund geschätzt, verkaufte es sich für 5,8 Millionen an einen Bieter im Saal.

    Die Staffelauktion kombinierte Telefon- und Internetgebote vom ganzen Globus. Quelle:  Christie´s
    Christie's

    Die Staffelauktion kombinierte Telefon- und Internetgebote vom ganzen Globus.

    (Foto:  Christie´s )

    Sechs Bieter trieben den Preis für ein wiederentdecktes Bild von Domenico Ghirlandaio, ein detailreiches Porträt von Jesus Christus als Salvator Mundi, auf 2,2 Millionen Pfund. Die Schätzung belief sich auf 300.000 bis 500.000 Pfund. Auch das Bildnis eines Trommlers von Frans van Mieris, das 1929 von der Alten Pinakothek in München verkauft wurde, übertraf die Schätzung von 800.000 bis 1,2 Millionen Pfund. Es verkaufte sich für 1,8 Millionen Pfund.

    Veteran im Londoner Altmeistermarkt, Johnny van Haeften, gab sich am Telefon mit dem Handelsblatt zufrieden mit den Auktionen. „Es ist ermutigend, dass es noch immer einen starken Markt für Alte Meister gibt. Der Kunstmarkt ist global und die Welt wird immer kleiner. Alte Meister haben noch immer eine universelle Anziehungskraft“. Auch Christie’s-Chef Guillaume Cerutti betonte in einem Pressebriefing die Widerstandsfähigkeit kleinerer Sammlergebiete, die in Krisen Fluktuationen weniger ausgesetzt sind als zum Beispiel hochspekulative junge Künstler.

    Asiaten mögen Altmeister

    Interessant ist, dass sich Käufer gleichmäßig über die Kontinente verteilten. Bei Christie’s gab es 23 Prozent amerikanische Käufer wie in der Pressekonferenz bekanntgegeben wurde. Alex Bell von Sotheby’s betonte jedoch auch die Stärke der europäischen Sammler, die hier 40 Prozent der Bieter ausmachten. Und dass Asien auch im Altmeisterbereich stark ist, zeigt sich bei Sotheby’s. Deren Spezialistin Hongyi Yang ersteigerte für einen asiatischen Kunden am Telefon gleich drei Lose.

    Schon lange wissen wir, dass das prestigeträchtige Sammlungsgebiet der Alten Meister aufgrund des geringen Angebots im hochpreisigen Bereich nur noch einen kleinen Teil des Gesamtumsatzes der Versteigerer ausmacht. Dennoch spiegeln sich auch hier die großen Trends des Jahres wider, die beide Auktionshäuser letzte Woche in ihren Jahresbilanzen veröffentlichten.

    Christie‘ s setzte wie berichtet 4,4 Milliarden Dollar um, Sotheby’s über 5 Milliarden. Während Sotheby’s im Umsatz um vier Prozent zulegte, sorgte die Pandemie bei Christie‘s für herbe Verluste von 25 Prozent. Noch größere Verluste wurden bei beiden Häusern durch Investitionen in den Online-Bereich vermieden, der zusammen mit diskreten Privatverkäufen stark anwuchs.

    Sotheby’s berichtet von einer Umsatzsteigerung von 50 Prozent in der Abteilung der „Private Sales”. Über 1,5 Milliarden Dollar bei Sotheby’s und 1,3 Milliarden bei Christie’s machen dabei neuerdings bei beiden fast 30 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Die Privatverkäufe zeigen, wie viele Verkäufer und Käufer im Krisenjahr eine nicht-öffentliche Verkaufsplattform bevorzugten. Und leider ein weiteres Indiz dafür, dass nun auch Auktionshäuser die Intransparenz des Kunstmarktes befördern. Alex Bell von Sotheby’s betont, dass auch Alte Meister in Privatkäufen vermittelt werden.

    Dieses ‘ahu ‘ula genannte Schmuckstück aus Hawai entstand im 18. Jahrhundert. Es wechselte in der
    Kopfschmuck aus Federn

    Dieses ‘ahu ‘ula genannte Schmuckstück aus Hawai entstand im 18. Jahrhundert. Es wechselte in der "Treasures"-Auktion für 239.400 Pfund den Besitzer.

    (Foto: Sotheby's)

    Der hohe Anteil der Privatverkäufe macht deutlich, wie viele Kunden in diesem Krisenjahr eine nicht-öffentliche Verkaufsplattform bevorzugen. Damit leisten die Auktionshäuser leider einem intransparenten Kunstmarkt Vorschub. Al

    ex Bell von Sotheby’s betont, dass auch Alte Meister im nicht-öffentlichen Bereich gehandelt werden.

    Der Online-Bereich half mit einem großen Innovationsschub beiden Auktionshäusern. Sotheby’s hielt mehr als 400 Online-only-Auktionen ab und generierte so einen Umsatz von 575 Millionen Dollar, während Christie‘s in „nur“ 205 Online-only-Auktionen 311 Millionen Dollar umsetzen konnte. Damit hinkt es in der Digitalisierung dem Konkurrenten sichtlich hinterher.

    Beide Häuser werden weiterhin verstärkt auf digitale Auktionen setzen. Die Netz-Aktivitäten in den Altmeisterauktionen vor allem bei Sotheby‘s zeigt, dass keine Sparte außen vor bleibt. Im Netz lassen sich Kosten reduzieren, neue und jüngere Kunden weltweit ansprechen. Das führt vor allem in unteren und mittleren Preissegmenten zu einer Steigerung der Effizienz, da man nicht auf bestimmte Orte und Saisontermine angewiesen ist.

    Sotheby’s berichtet, dass sie Kunden aus 107 Ländern mit den neuen Formaten ansprechen konnten. Dennoch setzt auch Sotheby’s weiterhin auf Tradition und investiert in Gebäude wie in Paris. Vor dem Hintergrund des Brexits entwickelt sich Frankreichs Metropole immer mehr zur Alternative zu London. Das Haus wird in die ehrwürdigen Räume der ehemaligen Galerie Bernheim-Jeune an der Rue du Faubourg Saint- Honoré umziehen und ab 2023 dort Kunden begrüßen.

    Mehr: Ketterer Kunst-Auktionen: Liquide Sammler sorgen für Rekorde trotz Krise

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