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Kolumne: Zeit ist Geld Was der Schweizer Uhrenindustrie am meisten zu schaffen macht

Uhrenexperte Gisbert L. Brunner zeigt, wo die Einbrüche am größten sind – und weshalb die Hoffnungen auf das Geschäft in Asien so gewaltig ausfallen.
25.09.2020 - 13:32 Uhr Kommentieren
Mehr als ein Drittel des globalen Luxusgüter-Erlöses geht auf das Konto chinesischer Konsumenten. Quelle: ddp//ChinaImages/Sipa USA
Luxusuhr auf der Ausstellung Watches & Wonders 2020 in Schanghai

Mehr als ein Drittel des globalen Luxusgüter-Erlöses geht auf das Konto chinesischer Konsumenten.

(Foto: ddp//ChinaImages/Sipa USA)

Wer im deutschsprachigen Raum nach einem echten Experten für Uhren sucht, kommt an Gisbert L. Brunner nicht vorbei. Der mittlerweile pensionierte bayerische Beamte hat Hunderte von kostbaren Zeitmessern gesammelt, aber auch Dutzende von Büchern über die unterschiedlichsten Marken geschrieben.

Im elften Teil seiner Kolumne „Zeit ist Geld“ zeigt Brunner, weshalb sich die feine Uhrenbranche in Corona-Zeiten wohl mehr als je zuvor an China und dem ganzen asiatischen Markt orientieren wird.

Herr Brunner, wie ist es um die Uhrenbranche in Corona-Zeiten bestellt? Was verraten die aktuellen Zahlen?
Seit ein paar Tagen liegen die Statistiken der Fédération Horlogère Suisse (FHS) zu den Schweizer Uhrenexporten im Monat August 2020 vor. Und dort weisen die Trends ganz generell weiterhin nach unten. Allerdings hat sich die Abwärtskurve in den vergangenen beiden Monaten etwas abgeflacht. Summa summarum verschickten die eidgenössischen Fabrikanten Ware für 1,3 Milliarden Schweizer Franken ins Ausland.

Was bedeutet das gegenüber dem Vorjahresmonat?
11,9 Prozent weniger. Akkumuliert sanken die Ausfuhren in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Jahres 2019 um 30,5 Prozent. Dabei machten Uhren mehr als 95 Prozent des Exportwerts aus. Hier betrug der Wertverlust 11,4 Prozent, während die Stückzahlen um 31,4 Prozent auf 1,1 Millionen Einheiten sanken.

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    Worauf ist dieser Rückgang zurückzuführen?
    In erster Linie hauptsächlich auf Uhren mit Gehäusen aus Stahl und anderen unedlen Werkstoffen. Besonders betroffen sind weiterhin die Zeitmesser mit einem Exportpreis (nicht Publikumspreis) von weniger als 200 Schweizer Franken. 43,5 Prozent weniger Exemplare und 36,2 Prozent weniger Wert sprechen eine deutliche Sprache. Zurückzuführen sind die bemerkenswerten Verluste auch auf die zunehmende Beliebtheit von Smartwatches.

    Gisbert L. Brunner ist Experte für kostbare Uhren. Quelle: Privat, Patek Phillippe
    Der Autor

    Gisbert L. Brunner ist Experte für kostbare Uhren.

    (Foto: Privat, Patek Phillippe)

    Klingt, als hätten vor allem günstige Uhren ein Problem.
    Stimmt. Die höherpreisigen Produkte schneiden besser ab. Uhren über 3000 Schweizer Franken Exportpreis verloren bei den Stückzahlen nur 0,1 und wertmäßig 8,5 Prozent.

    Was verrät der Blick auf die Exportländer und Regionen?
    Ein ambivalentes Bild. Japan importierte 24,5 Prozent weniger als im August 2019. Um vergleichsweise moderate 7,9 Prozent gaben die Ausfuhren nach Deutschland nach.

    Wir Deutschen sind also eine der Stützen der Branche?
    Der hiesige Fachhandel besitzt jedenfalls eine geringere Abhängigkeit von Verkäufen an Touristen als beispielsweise die Kollegen im Vereinigten Königreich. Dort betrugen die Rückgänge 15,3 Prozent. Erstaunlich gut schnitten die USA mit einem Minus von nur vier Prozent ab. Zu den anhaltenden Verlierern gehört Hongkong. Bedingt auch durch die unsichere politische Situation rutscht die einstige Nummer eins mit mehr als 20 Prozent Marktanteil seit Jahren kontinuierlich ab. Im August gaben die Exporte erneut um 16,4 Prozent nach. Seit Januar 2020 ist ein Minus von 48 Prozent aufgelaufen und die einstige Kronkolonie auf den dritten Rang der Schweizer Exportmärkte gefallen.

    Viele Markenchefs glauben ja an eine Erholung dank des zurückkehrenden Geschäfts in China. Haben sie recht?
    Tatsächlich kletterten die Ausfuhren nach China um 44,9 Prozent. Seit Januar verzeichnet das Reich der Mitte ein Plus von 1,6 Prozent gegenüber Vorjahr. Besagter Anstieg lässt sich auch damit erklären, dass chinesische Kunden infolge der Reise-Restriktionen verstärkt im eigenen Land kaufen. Die Bedeutung der asiatischen Märkte inklusive des Mittleren Ostens zeigt sich daran, dass diese Region auf direktem Exportweg etwas mehr als die Hälfte aller Erzeugnisse der Schweizer Uhrenindustrie erwirbt.

    Und in der Schweiz selbst?
    Am Heimatmarkt werden nach Schätzungen der Schweizer Bank Vontobel vier bis fünf Prozent des Umsatzvolumens erwirtschaftet. Davon verlässt allerdings ein nicht unbeträchtlicher Teil das Land an den Handgelenken von Touristen. Speziell Chinesen tendierten dazu, Uhren und andere Luxusaccessoires von ihren Trips mitzubringen. Auf diese Weise gehen rund 35 Prozent des globalen Luxusgüter-Erlöses auf das Konto chinesischer Konsumenten. Vor Sars-CoV-2 wanderte lediglich rund ein Drittel der luxuriösen Produkte über Ladentische in Festland-China. Bedingt durch das breitere Angebot und die Ersparnis heimischer Luxussteuer erwarb man die begehrten Objekte preisgünstiger und deshalb lieber im Ausland.

    Früher kam der Kunde zur Uhr, heute die Uhr eher zum Kunden?
    Weil sich die Lust auf Luxus ganz generell und die auf schöne Uhren fürs Handgelenk nicht unterdrücken lässt, profitieren nun die Händler auf dem chinesischen Festland. Ihre Kollegen in Europa und der Schweiz dagegen leiden heftig unter dem eingebrochenen Reisegeschäft. Dafür werden nun auch Messen in Asien weitaus wichtiger. Was dort zuletzt präsentiert wurde, verrate ich Ihnen nächste Woche.

    Mehr: Neue Uhren für den Herbst 2020 – lesen Sie hier Folge zehn der Kolumne

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