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InvestmentfondsWie ein 33-Jähriger mit deutschen Aktien die Konkurrenz schlägt

Der Aktienfonds von Aberdeen Standard liefert mit wenigen ausgewählten Titeln aus Deutschland sehr gute Erträge. Das Erfolgsrezept ist aber nicht unumstritten. Ingo Narat 25.02.2020 - 15:45 Uhr

Der 33-jährige Kurt Cruickshank steuert den „German Equity Fund“ von der britischen Hauptstadt aus.

Foto: Reuters

Frankfurt. Er ist auf dem Weg zu Anlegern: Kurt Cruickshank. Wie so häufig reist der Fondsmanager aus dem Hause Aberdeen Standard Investments mit dem Rollkoffer von London nach Frankfurt. Der 33-Jährige steuert den „German Equity Fund“ des britischen Vermögensverwalters.

Er versucht also, deutschen Kunden einen deutschen Aktienfonds schmackhaft zu machen, der vom Ausland aus gemanagt wird. Manche Experten würden einwenden, das gehe gar nicht, die geografische Ferne zu deutschen Unternehmen sei ein Nachteil. Doch Cruickshank hält mit guter Performance dagegen. Die Fondserträge des letzten Jahres kommentiert er ganz cool: „Besser als erwartet.“

Das britische Understatement wird spätestens dann offensichtlich, wenn man die Erträge mit denen der Konkurrenten vergleicht. In den vergangenen zwölf Monaten schaffte Cruickshank ein Plus von 30 Prozent. Das ist nicht nur der erste Platz unter allen Wettbewerbern. Er liegt auch im Schnitt der letzten Jahre vorn (siehe Grafik). Der Manager hat zusätzlich den Vergleichsindex klar hinter sich gelassen. Das gilt unter Fachleuten als besondere Kunst.

Gelassen kommentiert der Stratege den aktuellen Börseneinbruch durch die Ausbreitung des Coronavirus. „Klar, die vom Export getriebene deutsche Wirtschaft ist besonders anfällig, auch über die Handelspartner“, räumt er ein. Und der Fonds halte durchaus davon betroffene Aktien, etwa die von Infineon oder Stabilus. Doch das Portfolio ist seiner Meinung nach insgesamt gut zusammengestellt, um eine Wirtschaftsschwäche abzufedern. „Vielleicht ergeben sich sogar Gelegenheiten, um bei unseren Favoriten nachzukaufen“, ergänzt Cruickshank.

Er verlässt sich bei seinen Anlagen auf einige wenige Aktien. „Wir haben die Zahl seit dem Fondsstart vor einigen Jahren sogar noch von 35 auf 25 gesenkt“, sagt er. Aktien wie die von Siemens, Daimler und BMW sowie einige Nebenwerte habe man verkauft.

Konkurrenten streuen ihr Kapital häufig über eine dreistellige Zahl von Positionen. „Wir dagegen konzentrieren uns auf unsere stärksten Ideen“, erläutert der Manager. Zu den größten Positionen zählen SAP und Deutsche Börse. Doch der Manager schaut auch auf Nebenwerte. „Bei den kleineren Firmen hat Deutschland viel zu bieten“, sagt er.

Der Fondsmanager betreut bei Aberdeen Standard Investments den „German Equity Fund“.

Foto: Aberdeen Standard Investments

Im vergangenen Jahr hätten Aktien wie Hypoport, Delivery Hero, Zalando oder auch Sartorius die Performance getrieben. Rund die Hälfte des Fondskapitals stecke in den Titeln kleinerer Unternehmen. Und Aktien solcher Firmen waren in den vergangenen Jahren häufig erfolgreicher als die großer Konzerne.

Das zeigt auch ein Vergleich etwa von Dax und MDax: Seit dem Börsentief am Ende der Finanzkrise vor elf Jahren hat sich der Leitindex nicht einmal vervierfacht, die Messlatte der Nebenwerte dagegen versiebenfacht.

Als große Favoriten für das laufende Jahr sieht Cruickshank einige Aktien, die schon in den vergangenen Jahren stark gewannen. Dazu gehört der Dax-Titel MTU Aero Engines. „Die Firma gewinnt mit ihren Motoren Marktanteile in der zivilen Luftfahrt, das spiegelt die Bewertung noch nicht wider“, meint der Manager.

Beim Ticketanbieter und Konzertveranstalter CTS Eventim lockt ihn ebenfalls das starke Wachstum. Außerdem setzt er auf Nemetschek, den Anbieter von Software für Architekten, Ingenieure und die Bauindustrie. „Die Firma entwickelt sich stark, hat hohe Margen, und die Regulierung treibt die Nachfrage nach ihren Angeboten“, nennt der Brite seine Kaufargumente.

Fonds hat nur wenig Kapital

Trotz der positiven Nachrichten stehen auch einige Fragezeichen hinter dem Fonds. Das beginnt beim Minikapital von fünf Millionen Euro. Das ist extrem wenig, große Produkte sind oft viele Milliarden Euro schwer. „Betriebswirtschaftlich ist das für uns unzureichend“, räumt ein Vertriebsexperte von Aberdeen Standard Investments ein.

Er macht klar: „Wenn der Fonds nicht wächst, würden wir auch über eine Schließung nachdenken.“ Doch das erscheint heute wohl als weniger wahrscheinlich. „Wir würden die Erfolgsbilanz verlieren, und das Neugeld folgt der Performance“, ergänzt der Vertriebsfachmann. Informierte Anleger würden bei dem Fonds jetzt bereits stärker zugreifen.

Eng mit dem geringen Volumen sind auch die Kosten verknüpft. Anleger zahlen eine jährliche Managementgebühr für den Fonds von 1,5 Prozent. Das erscheint im Verhältnis zu wenigen Millionen Euro Kapital sehr niedrig. Der Vertriebsexperte des Vermögensverwalters antwortet auf die entsprechende Frage: Aberdeen Standard Investments subventioniere seine kleinen Fonds. Diese Produkte verlangen also geringere Gebühren, als es den echten Kosten entspricht.

Unabhängige Beobachter erkennen die Leistung des Managers an. „Talent für eine gute Aktienauswahl“ attestiert ihm etwa Nisha Long, Analysechefin beim Finanzdienstleister Citywire. Die Konzentration auf wenige Aktien allerdings könne ein Segen sein oder zum Fluch werden.

„Es muss nur eine Aktie im Kurs abrutschen, und schon hat der Manager ein Problem“, erläutert die Expertin. Kritisch ist sie auch beim Blick auf die Fondsinvestoren: „Es sind einige Anleger mit größeren Beträgen investiert; sollten die aussteigen, müsste der Manager zügig Aktien verkaufen – das würde die Performance belasten.“

Zurückhaltend ist Volker Schilling, Chef der Vermögensverwaltung Greiff Capital Management. Auch er erkennt eine beachtliche Leistung. „Doch so ein Fonds sollte mehr als ein gutes Jahr mit kleinem und wachsendem Volumen erzielen. Durch die Analystenbrille betrachtet würden wir ihn unter ‚beobachten‘ einstufen.“ Bis dahin will er bei seinem Favoriten bleiben. Schilling setzt bei deutschen Aktienfonds etwa auf den „DWS Concept Platow“. Dieser hat allerdings einen weit größeren Anteil an Nebenwerten als das Aberdeen-Produkt.

Cruickshank hält an London fest

Aus der Londoner Perspektive scheint auch die Anlageregion jenseits des Kanals kein Problem zu sein. Das Thema nimmt nicht nur Cruickshank gelassen. „Der Fondsmanager kann ja einfach zu den Firmentreffen anreisen“, meint Long von Citywire, die ebenfalls in der Themse-Metropole arbeitet. Sie macht sogar einen psychologischen Vorteil aus: „Manchmal bekommt der Manager eine zu große emotionale Bindung zu den Unternehmensvertretern, hält dann auch die Aktie bei fallenden Kursen zu lange.“

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Cruickshank empfindet den Standort London aus einem anderen Grund als Vorteil: Er sei dort schon geografisch entfernt von manchmal weniger wichtigen Nachrichten über deutsche Firmen, die vom Blick auf das Wesentliche ablenken könnten. Und mit wesentlichen Ereignissen ist er bereits in seinen Job eingestiegen.

„Eine Woche nachdem ich beim Vermögensverwalter Aberdeen in Edinburgh angefangen hatte, ging die Bank Lehman pleite“, erinnert er sich. Im Vergleich dazu verläuft sein Leben heute in ruhigen Bahnen. Er hat sogar Zeit, seinen Hobbys zu frönen: kochen, essen und Golf spielen. Dafür reicht es immer noch, trotz aller Rollkoffereinsätze.

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