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Aktien aus SchwellenländernIn diesen Indizes sehen Profis das größte Potenzial

Strategen setzen auf Schwellenländer für das Depot. Besonders in China, Indien, Vietnam, Lateinamerika und den Golfstaaten sehen die Experten Potenzial.Anke Rezmer 26.07.2023 - 14:59 Uhr Artikel anhören

In Indien und China schneiden 15 Prozent der aktiv gesteuerten Fonds besser ab als ihr Vergleichsindex.

Foto: Bloomberg via Getty Images

Frankfurt. Aktien aus Schwellenländern, besonders von Unternehmen aus China, haben die jüngste weltweite Kursrally weitgehend verpasst. Westliche Indizes legten dagegen seit Jahresanfang gut zu: der breite US-Index S&P 500 um rund 18 Prozent und der Euro-Zonen-Leitindex Euro Stoxx 50 um gut 15 Prozent.

Der Aktienindex MSCI Emerging Markets schaffte dagegen nur drei Prozent. Der Hongkonger Hang Seng liegt rund zwei Prozent im Minus und der chinesische Festlandindex CSI 300 nur minimal im Plus.

Strategen und Fondsanalysten halten die Anlageregion dennoch für attraktiv. Denn viele Faktoren, die sie zuletzt gebremst haben, verlieren an Gewicht oder sind längst ausreichend in den Kursen berücksichtigt: die höheren Zinsen in den USA etwa und der zeitweise stärkere Dollar, die zu höheren Finanzierungskosten führen. Oder die zuletzt schwache Wirtschaft in China, gegen die die Regierung mit einem neuen Konjunkturprogramm vorgehen will. Daher lohnt sich ein Blick auf die einzelnen Regionen – und auf die Fonds, die dort investieren.

Schwellenländer sind angesichts einer sich abzeichnenden Rezession in Europa und der Konjunkturabschwächung in den USA nach Meinung von Ann-Katrin Petersen, Anlagestrategin bei Blackrock, in den kommenden sechs bis zwölf Monaten die attraktiveren Regionen. „Dort ist die wirtschaftliche Lage besser“, sagt Petersen. Sie argumentiert: Rund 70 Prozent des globalen Wachstums entstehen 2023 im asiatisch-pazifischen Raum, während Europa und die USA eine Konjunkturschwäche durchmachen.

Maximilian Kunkel, Chef-Anlagestratege für UBS in Deutschland, verweist vor allem auf China, das den MSCI Emerging Markets Index mit seinem Gewicht von knapp 30 Prozent dominiert. „Trotz der zuletzt schwächelnden Konjunktur in China sprechen die Kombination von attraktiven Bewertungen, sich verbessernden Unternehmensgewinnaussichten und weiterhin gezielten geld- und fiskalpolitischen Unterstützungsmaßnahmen unserer Einschätzung nach in den nächsten Monaten für den chinesischen Aktienmarkt“, sagt er.

Chinesische Unternehmen dürften nach Schätzung von UBS Global Wealth Management in diesem Jahr ihre Gewinne im Schnitt um 14 Prozent steigern. Dies spiegelten die Märkte mit einem niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter zehn aber noch nicht wider. Die UBS rechnet damit, dass die Kurse im MSCI China bis zum Ende des Jahres um gut zehn Prozent zulegen.

Weniger Regulierung im Immobilien- und Technologiesektor

Gerade die negative Stimmung vieler Investoren mit Blick auf China spricht nach Ansicht von Kunkel für die Aktien: Wenn Investoren sehr negativ eingestellt sind, lässt sich daraus schließen, dass sie nicht übermäßig investiert sind. Das heißt, bei schlechten Nachrichten dürften dann nicht mehr so viele Aktien verkauft werden und bei guten Nachrichten steigen die Chancen, dass Anleger wieder einsteigen. Der Verkaufsdruck nimmt also ab, und es gibt Spielraum für neue Zuflüsse.

Konkret erwarten viele Experten, dass Chinas Führungsspitze das leicht ins Stocken geratene Wirtschaftswachstum mit einem Konjunkturpaket unterstützt. Am Montag, auf der monatlichen Sitzung des Politbüros der Kommunistische Partei, versprachen die Politiker bereits, die Immobilienpolitik „anzupassen und zu optimieren“, was die Aktienkurse in Hongkong und China am Dienstag anschob.

Die Menschen im Land hofften vor allem auf Deregulierung im krisengeschüttelten Immobiliensektor wie auch im Technologiesektor, sagt Manqin Sun, Analystin beim Fondsanalysehaus Scope Analysis. Die Aussicht, mehrere Immobilien besitzen zu dürfen, stimme sie zuversichtlich, dass die Regierung in Peking die Wirtschaft stärker unterstützen werde, sagt die gebürtige Chinesin.

Der Immobiliensektor trägt rund ein Viertel zum chinesischen Bruttoinlandsprodukt bei. Ende der Woche hatte Peking bereits Maßnahmen angekündigt, um die Verkäufe von Autos und Elektronikprodukten anzukurbeln.

Strukturelle Wachstumstrends in Schwellenländern

Viele Fondsmanager und Strategen setzen zudem auf Indien. Petersen, von Blackrock, hält das Land für längerfristig spannend, auch weil die wachsende Wirtschaft intensiv stark vernetzt sei – und das in einer Welt, die sich geopolitisch immer stärker fragmentiere. Ebenso seien Mexiko, Brasilien, Vietnam und die Golfstaaten intensiv mit der Weltwirtschaft als Anbietende von Ressourcen und Zwischenprodukten verbunden.

So dürfte der anstehende Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft mittelfristig eine bedeutende Chance für Lateinamerika darstellen, meint die Strategin. Dies gelte besonders für Länder, die über große Reserven wichtiger Rohstoffe für die Elektrifizierung der Wirtschaft wie Kupfer und Lithium verfügen. Und Mexiko könnte von der sich abzeichnenden geopolitischen Fragmentierung profitieren, wenn US-Firmen ihre Produktion näher an ihre Heimat verlegen.

Scope betont in einer Studie, die dem Handelsblatt exklusiv vorlegt, langfristige strukturelle Wachstumstrends in Schwellenländern: Neben der wachsenden Bevölkerung heben die Analysten den Aufstieg einer einkommensstarken Mittelschicht vor allem in Asien hervor, deren Konsumausgaben inzwischen in der Summe höher sind als diejenigen in Nordamerika und in Europa.

Entwicklung ist unabhängig von westlichen Märkten

Außerdem spreche für die Länder, dass sie sich relativ unabhängig von den führenden westlichen Märkten bewegen. Die Korrelationen liegen Scope zufolge bei niedrigen 0,5 gegenüber europäischen Aktien und nur 0,45 gegenüber US-Aktien. Das bedeutet zum Beispiel: Wenn Aktien aus Schwellenländern um ein Prozent steigen, nehmen die Kurse europäischer Titel um 0,5 Prozent zu. Verschiedene Anlageregionen im Depot helfen somit, Verlustrisiken besser zu streuen. Analystin Sun betont zudem, dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktien im breiten MSCI Emerging Markets Index in der Nähe seines 15-Jahres-Tiefs bei rund 13 liegt.

In der Studie hat die Expertin Fonds herausgefiltert, die in den letzten Jahren gemessen an Rendite und Risiko überdurchschnittlich abgeschnitten haben. In Schwellenländern schaffen es immerhin rund 15 Prozent der aktiv, also von Fondsmanagerhand gesteuerten Produkte, langfristig besser als ihr Vergleichsindex abzuschneiden. In China und Indien schnitt sogar knapp die Hälfte der aktiven Manager besser ab.

Der Fonds „Pacific North of South EM All Cap Equity“ hat beispielsweise mit einer Rendite von 7,6 Prozent jährlich in den vergangenen fünf Jahren mehr als zweieinhalbmal so viel wie der MSCI Emerging Markets erwirtschaftet. Zuletzt haben die Fondsmanager der britischen Fondsboutique Pacific Asset Management Rohstoffaktien abgebaut zugunsten von Papieren aus Taiwan und Brasilien.

Brasilien macht knapp neun Prozent des Fondsvermögens aus, Taiwan knapp ein Viertel. Unter den größten Aktien im Fonds sind zwei aus Taiwan: der Halbleiterkonzern Taiwan Semiconductor und Halbleitermontagefirma ASE Technology Holding.

Mit 7,2 Prozent über die vergangenen fünf Jahre hat der „BSF Emerging Markets Equity Strategies“ von Blackrock ähnlich gut abgeschnitten. Auch der Fonds setzt stark auf die Sektoren IT, Finanzen und Industrie. Mit Abstand schwerster Wert im Fonds ist Elektronikriese Samsung aus Korea vor dem chinesischen Onlinehändler Alibaba und dem Autoteilelieferanten PT Astra International aus Indonesien.

Ebenfalls eine zweistellige Rendite über drei Jahre erzielte der Fonds „Acadian Emerging Markets Managed Volatility“ des US-Hauses Acadian Asset Management. Der „Sustainable EM Equity“-Fonds des Hauses mit US-Wurzeln Fidelity gewichtet Indien über und setzt dort stark auf Finanzwerte wie die HDFC Bank und die Axis Bank. Außerdem sind IT-, Konsum- und Industrieaktien gewichtig vertreten.

Generell empfehlen Experten Anlegern, Schwellenländer-Aktien ihrem Depot beizumischen. Der Anteil sollte je nach Risikoneigung und Anlagehorizont variieren. Als Anhaltspunkt kann der Welt-Index MSCI ACWI dienen. Darin haben Schwellenländer ein Gewicht von zwölf Prozent.

Erstveröffentlichung: 26.07.2023, 04:13 Uhr.

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