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AktienmarktWelche Tech-Aktien sich noch lohnen

Wenige Monate nach dem Börsenabsturz im März notieren viele Tech-Firmen wieder nahe an Rekordmarken. Trotzdem ist es nicht zu spät für den Einstieg.Carsten Herz 02.07.2020 - 04:00 Uhr

Die Aktie des iPhone-Herstellers hat sich an der US-Börse inzwischen komplett vom Corona-Schock erholt und steuert neue Rekordhöhen an.

Foto: Reuters

Frankfurt. Jeff Bezos dürfte nur kurz gezuckt haben. Mitten im Absturz der Börsen in der Coronakrise im März wurde auch der Gründer des Internetkaufhauses Amazon wegen der Kursverluste zwischenzeitlich deutlich ärmer. Zeitweise sank sein Vermögen auf dem Papier an einem Tag um etwa sieben Milliarden Dollar – was auch dem reichsten Mann der Welt etwas wehtun dürfte. Doch inzwischen ist der Sinkflug der Amazon-Papiere längst Geschichte und für Bezos vielleicht nur noch eine Anekdote in diesem wilden Börsenjahr.

Coronakrise? Welche Coronakrise? Die Aktien des Internetgiganten haben an der US-Börse wieder zur alten Stärke gefunden. Die Papiere eilen von einem Börsenrekord zum nächsten. Das Unternehmen aus Seattle ist dabei kein Einzelfall. Die US-Technologieaktien haben sich zu den überraschenden Gewinnern der Krise an der Börse entwickelt. Selbst in den heftigen Marktturbulenzen im Frühjahr verloren die Papiere nicht so viel wie die vieler anderer Unternehmen. Und schneller als viele Substanzwerte haben sich die erfolgsverwöhnten Konzerne an der Börse auch wieder berappelt. Der Index der amerikanischen Technologiebörse, der Nasdaq 100, erreichte jüngst neue Höchststände.

Was heißt das für Anleger? Lohnt sich noch ein Einstieg – oder droht bereits eine neue Blase, die Erinnerungen an den Dotcom-Zusammenbruch um die Jahrtausendwende weckt? Christian Kahler, Chefanlagestratege der DZ Bank, vertritt zu dieser Frage einen klaren Standpunkt. „Dieses Mal ist der anschließende Kater nicht vorprogrammiert“, erklärt Kahler, der sich die Branche in einer aktuellen Studie vorgenommen hat.

Vom März 2000 bis zum Jahr 2003 habe das Technologiebarometer zwar 84 Prozent an Wert verloren und dabei rund 16 Billionen Dollar an Wert vernichtet. Doch vor allem die amerikanischen Technologiewerte hätten sich inzwischen zu den neuen „Witwen- und Waisenpapieren“ gewandelt, also zu vergleichsweise sicheren Papieren.

„Schwache Bilanzen und hohe Verluste, die im Jahr 2000 vergleichsweise häufig vorkamen, sind nun eher selten zu finden“, schreibt der Anlagestratege. Bis auf wenige Ausnahmen erzielten die Technologiekonzerne im Vergleich zu ihren Kapitalkosten heute Überrenditen, also überdurchschnittliche Profite. Gründe dafür seien unter anderem Wettbewerbsvorteile wie Kundentreue, Netzwerkeffekte und ausgefeilte Distributionswege.

Allerdings müssen Anleger dies an der Börse inzwischen auch mit stattlichen Preisen bezahlen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 29 seien die Papiere im Vergleich zum breiten S&P 500 und dessen Wert von 22 hoch bewertet, schreibt der Experte.

„Die Erfolgsgeschichte der Technologiewerte und damit auch deren weiterer Kursanstieg dürfte erst dann ein Ende finden, wenn sich auch das Branchenwachstum abschwächt“, sagt Kahler aber voraus. Zwar erscheine die Bewertung der führenden US-Technologie- und -Internetunternehmen wieder ambitioniert, aber die Gewinn- und Wachstumsaussichten blieben vielversprechend.

„Investitionen in neue Technologien und Software dürften gegenüber der ‚Old Economy“ in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen“, heißt es. Steigende Dividenden und verstärkte Aktienrückkäufe deuteten aber auch bei diesen Unternehmen darauf hin, dass die Geschäftsmodelle reifer würden. „Das Potenzialwachstum der Unternehmen verliert an Dynamik“, analysiert der Experte. Seine Prognose: Die Rally der Technologietitel werde sich fortsetzen, wenngleich in einem schwächeren Tempo als zuletzt.

Das Handelsblatt wirft im Folgenden einen Blick auf mehrere wichtige Titel aus dem Technologiesektor:

Amazon

Niemand scheint so optimal in der Welt des Virus aufgestellt zu sein wie der Gigant aus Seattle. Schließlich sind viele stationäre Einzelhändler in den vergangenen Wochen unter Druck geraten, etliche mussten wegen der Coronakrise schließen – manche dauerhaft. Beim Cloud-Computing ist Amazon zudem Weltmarktführer. Doch vieles davon ist im Aktienkurs der US-Firma bereits eingepreist.

Die meisten Analysten, die Amazon regelmäßig covern, sind dennoch weiter optimistisch für den Onlinehändler. 51 Experten empfehlen die Aktie zum Kauf, vier zum Halten – und nur einer zum Verkauf. Das Kursziel sehen sie allerdings mit 2734 Dollar im Durchschnitt sehr nahe am derzeitigen Niveau.

Microsoft

Der Softwareanbieter Microsoft läuft mit seinem Computerprogramm Windows bis heute auf den meisten Rechnern der Welt. Auch Microsoft gilt aufgrund seiner Stärke bei Unternehmenssoftware und Cloud – Nummer zwei hinter Amazon – sowie wegen des breiten Produktangebots als krisenfest und als möglicher Profiteur der Coronakrise. „Große Unternehmen mit starken Bilanzen und geringer Verschuldung sowie Firmen mit hohen wiederkehrenden Umsätzen wie etwa Microsoft“ dürften die Krise gut bewältigen, ist Marc Hellingrath, Fondsmanager von UniGlobal, überzeugt.

Microsoft werde viel Zukunftsfantasie zugebilligt, betont auch die DZ Bank. Der Konzern werde an der Börse mit einer höheren Marktkapitalisierung bewertet als die 30 Dax-Unternehmen zusammen. Die meisten Analysten, die laut dem Finanzinformationsdienst Bloomberg die Aktie regelmäßig covern, raten zum Kauf. Beim Kursziel sehen sie mit 206 Dollar im Durchschnitt ebenfalls noch Luft nach oben.

Netflix

Als starke Wette an der Börse hat sich zuletzt Netflix erwiesen. Der Marktführer im Videostreaming weltweit hat jüngst den Konkurrenten Disney als wertvollsten Medienkonzern der Welt am Aktienmarkt abgelöst. Das US-Unternehmen erreichte ein neues Allzeithoch und katapultierte seinen Wert auf über 186 Milliarden Dollar. Als Marktführer hält Netflix dabei so viel Filme bereit wie kaum ein anderer Anbieter, wenngleich Disney mit seinen Marvel-Filmen und seiner Stars-Wars-Reihe ebenfalls ein starkes Wachstum hinlegt.

Eine wichtige Frage wird für alle Unternehmen der Streamingbranche allerdings sein, wo neue Inhalte herkommen. Viele Hollywoodstudios haben die Produktion eingestellt, fertige Kinofilme werden zurückgehalten. Doch vorerst läuft es. Die Anzahl der Bezahlabos schoss in den drei Monaten bis Ende März weltweit um 15,8 Millionen in die Höhe.

Auch die Analysten kommen nicht mehr aus dem Schwärmen heraus. Das Analysehaus Jefferies hat die Einstufung für Netflix nach einer Umfrage unter fast 1.500 Abonnenten in den USA, Großbritannien und Indien mit einem Kursziel von 520 US-Dollar auf „Buy“ belassen. Insgesamt raten 30 Experten zum Kauf, acht zum Halten und sechs zum Verkauf.

Zoom Video Communications

Unter Beschäftigten, die derzeit aus dem Homeoffice arbeiten, macht ein neues Wort die Runde: Zoom. Dahinter steckt ein amerikanischer Anbieter von Videokonferenzen, der aktuell eine starke Nachfrage verzeichnet. Ob virtuelle Yogastunden mit der Sportgruppe, tägliche Bürobesprechungen mit dem Team oder ein kurzer Chat am Abend mit den Freunden am Laptop: So steigerte der Videokonferenzanbieter die Zahl seiner Nutzer im März auf 200 Millionen – und zwar täglich. Vor Corona hätten maximal zehn Millionen den Dienst genutzt, erklärte Zoom-Gründer Eric Yuan.

Der Aktienkurs von Zoom Video Communications hat sich seit Jahresanfang verdoppelt – auch Datenschutzprobleme konnten das Papier nicht dauerhaft stoppen. Einige Banken und das Raumfahrtunternehmen SpaceX von Elon Musk verboten die App wegen der Mängel intern. Für das bis Ende Januar laufende Geschäftsjahr erwartet das Unternehmen dennoch bis zu 1,8 Milliarden Dollar Umsatz. Doch die Aktie ist enorm hoch bewertet – das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt im dreistelligen Bereich.

Von den Analysten, die das Unternehmen laut Bloomberg regelmäßig covern, empfehlen zwölf das Papier zum Kauf, 13 lediglich zum Halten sowie fünf zum Verkauf. Sie sehen das Kursziel im Durchschnitt deutlich unter der derzeitigen Notierung.

Apple

Der US-iPhone-Hersteller hat sich an der Börse schnell wieder erholt. Inzwischen visiert die Aktie bereits neue Höchststände an. Als sich das Coronavirus Anfang des Jahres ausbreitete, ging das zwar auch am Technologieriesen Apple nicht folgenlos vorüber. Wie viele andere Konzerne musste der Smartphone-Hersteller Läden schließen. Lieferketten waren gestört, die Nachfrage vor allem auf dem chinesischen Markt ließ nach.

Alles in allem aber kam Apple bisher ganz gut durch die Coronakrise. Der Gesamtumsatz im vergangenen Jahresviertel lag zwar unter den ursprünglichen Erwartungen, wuchs aber dennoch im Vergleich zum Vorjahr. Apple-Chef Tim Cook geht zudem davon aus, im laufenden Quartal dank Homeoffice ein besseres Geschäft mit iPads und Macs zu machen. Er glaubt, dass nach der Krise mehr Menschen außerhalb des Büros arbeiten werden.

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Gegenwind bekommt Apple jedoch derzeit von der EU-Kommission. Deren Wettbewerbshüter prüfen nach Beschwerden von Konkurrenten, ob der Konzern unfairen Wettbewerb in seinem App Store und beim Bezahlsystem Apple Pay betreibt. Den Optimismus der Analysten kann das aber nicht nachhaltig trüben. Das Analysehaus RBC hob jüngst das Kursziel für den Tech-Konzern aus dem Silicon Valley von 345 auf 390 US-Dollar an.

Trotz des Höhenflugs der Aktie in den vergangenen Wochen sei das Potenzial noch lange nicht ausgereizt. So rät mehr als die Hälfte der Experten, die die Aktie regelmäßig covern, zum Kauf der Papiere.

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