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Dax-UmfrageAnleger wechseln in den Krisenmodus – Was das für den Dax bedeutet

Die Stimmung am deutschen Aktienmarkt hat sich so stark verschlechtert wie zuletzt im vergangenen Sommer. Damals folgte eine Korrekturphase. Wiederholt sich die Geschichte?Andreas Neuhaus 31.05.2023 - 13:39 Uhr Artikel anhören

Die Anlegerstimmung hat sich die vierte Woche in Folge verschlechtert.

Foto: dpa

Düsseldorf. Der Kursrücksetzer in der vergangenen Woche hat die Stimmung am deutschen Aktienmarkt deutlich verschlechtert: Die Anlegerinnen und Anleger sind in den Krisenmodus gewechselt. Das zeigt die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 8000 Privatanlegerinnen und -anlegern.

Demzufolge schlug die Anlegerstimmung (Sentiment) binnen einer Woche komplett um: War sie nach dem Dax-Rekord mit einem Wert von plus 3,9 Punkten in der Vorwoche fast schon euphorisch, ist sie nun mit minus 1,2 Punkten deutlich ins Minus gerutscht.

Stärker kühlte sich die Stimmung zuletzt im Juni 2022 ab. Das war vor dem Start einer weiteren Korrekturphase während der ersten Phase des Ukrainekriegs.

Für den Stimmungsumschwung sieht Sentiment-Experte Stephan Heibel, der die wöchentliche Umfrage für das Handelsblatt auswertet und um weitere Indikatoren ergänzt, ein Sammelsurium an Gründen: unter anderem den US-Schuldenstreit, in dem erst nach Beendigung der Umfrage ein Kompromiss gefunden wurde, die wirtschaftliche Schwäche Deutschlands und die weiterhin hohe Inflation.

Gleichzeitig stellt Heibel auch fest: „Eigentlich dürften sich Anleger über einen Rücksetzer nach der fulminanten Rally der vergangenen Monate nicht wundern.“ Immerhin ist der Dax seit Jahresbeginn um fast 15 Prozent gestiegen, seit Anfang Oktober 2022 sind es sogar mehr als 30 Prozent.

Vor diesem Hintergrund ist das Wochenminus von 1,8 Prozent moderat. „Dennoch zieht umgehend wieder Verunsicherung ein“, beobachtet Heibel. Die Selbstgefälligkeit der Anleger ist von plus 1,7 Punkten (moderate Zufriedenheit) in der Vorwoche auf minus 1,3 Punkte (moderate Verunsicherung) umgeschlagen.

Laut Sentiment-Theorie sprechen beide Punkte gegen stark fallende Kurse. Denn wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie sich bereits entsprechend positioniert und Positionen verkauft oder gegen Kursverluste abgesichert. Dementsprechend bleiben weniger Verkäufer übrig, die die Kurse nach unten drücken können.

Profiinvestoren sichern sich massiv ab

Verstärkt wird diese Tendenz noch durch das Verhalten der Profiinvestoren. Denn an der europäischen Terminbörse Eurex, an der institutionelle Investoren handeln, ist die Put-Call-Ratio auf 8,0 Prozent nach oben geschossen. „In der Vorwoche lag dieser Wert bei 2,7 Prozent, der langfristige Durchschnitt liegt bei 1,5 Prozent“, stellt Heibel fest.

Die Put-Call-Ratio ist das Verhältnis von gehandelten Verkaufsoptionen, die bei fallenden Kursen im Wert steigen, zu Kaufoptionen, mit denen Anleger von steigenden Kurse profitieren können. Je größer der Wert ist, umso stärker bereiten sich die Profis also auf fallende Kurse vor.

Stimmung zeigt noch keine Bodenbildung an

„Die stark angestiegene Absicherungsneigung der institutionellen Anleger in Deutschland zieht einen Boden unter dem Dax ein“, erklärt Heibel. Denn Put-Optionen funktionieren im Prinzip wie Wetten auf fallende Kurse: Vereinfacht gesagt, muss die Bank im Hintergrund den Dax verkaufen, wenn ein Anleger ein Put-Produkt auf den Index kauft. Beim Verkauf des Derivats muss die Bank den Dax wieder zurückkaufen. Wenn die Kurse also fallen und viele Absicherungen eingelöst werden, stabilisiert das die Kurse.

Allerdings stellt Heibel auch fest, dass die Stimmung noch nicht schlecht genug ist, um sicher von einer Bodenbildung auszugehen. Das wäre erst bei einer echten Panik der Fall, wenn nahezu alle potenziellen Käufer verkauft haben. Stattdessen hat sich die Zukunftserwartung verbessert. Der dazugehörige Wert stieg von minus 2,9 Punkte auf minus 0,5.

Auch die Investitionsbereitschaft ist zurückgekehrt – wenn auch auf niedrigem Niveau. Nachdem sie in den beiden vorangegangenen Wochen im negativen Bereich gelegen hatte, stieg sie nun auf plus 0,6 Punkte. Das macht eine Prognose der weiteren Kursentwicklung schwer, erklärt Heibel.

Allerdings weist der Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX auf eine weitere Besonderheit hin: Die Stimmung an den US-Börsen ist deutlich besser, dementsprechend unterschiedlich ist auch die Kursentwicklung: Während in Deutschland der Dax 1,8 Prozent verlor, legte der marktbreite US-Index S&P 500 leicht zu, der Tech-Index Nasdaq 100 sogar mehr als drei Prozent.

„Hierzulande wird das Volk aufs Sparen eingestellt, die Energiewende kann durch Sonne und Wind nicht geschafft werden, also müssen wir sparen“, erklärt Heibel. „Die Inflation kann durch Effizienzsteigerung nicht besiegt werden, sondern nur durch höhere Zinsen, die eine Rezession zur Folge haben werden – oder sie verschlimmern.“

KI sorgt für Investitionsflut in den USA

Gänzlich anders sei die Lage in den USA. „Dort haben die Erfolge von ChatGPT eine Investitionsflut losgetreten. Der Personalmangel wird mit Künstlicher Intelligenz beantwortet, die Chipindustrie freut sich über volle Auftragsbücher“, sagt Heibel. „Effizienzsteigerungen führen zu einer gestiegenen Produktivität und können die Inflation eindämmen, ohne mit einem zu hohen Zinsniveau eine Rezession zu riskieren.“

Der Unterschied in der Stimmung hat aber auch einen Vorteil, erklärt der Sentiment-Experte: „In den USA dominiert offensichtlich Zuversicht trotz der vielen Krisenherde. Ich würde daraus ableiten, dass schwache Kurse in den USA in der kommenden Woche den Dax nur unterdurchschnittlich belasten würden.“

Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment mit mehr als 8000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anlegerinnen und Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben können.

Umgekehrt gilt: Wenn die Anlegerinnen und Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

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Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentimentumfrage informieren und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

Erstpublikation: 29.05.2023, 14:50 Uhr.

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