Fondsmanager-Umfrage: Die irre Angst vor einer Technologieblase
Der jüngste Kursrutsch hat Investoren verunsichert.
Foto: BloombergFrankfurt. Das Auf und Ab der Technologieaktien macht immer mehr Investoren Angst. 22 Prozent aller Portfoliomanager, die die Bank of America (BofA) jeden Monat befragt, halten das Platzen einer Technologieblase an den Börsen für das größte Risiko an den Märkten. Mehr Sorgen machen sich Investoren nur um eine zweite Welle bei der Ausbreitung des Coronavirus, das 30 Prozent der Befragten als Risiko Nummer eins sehen.
Die Umfrage zeigt, wie sehr der jüngste Kursrutsch der US-Technologiebörse die Investoren verunsichert. Nachdem die Aktien an der US-Technologiebörse Nasdaq von März bis Anfang September um 77 Prozent in die Höhe geschnellt waren und neue Rekorde aufgestellt haben, brachen sie anschließend binnen weniger Tage um bis zu elf Prozent ein.
Besonders hart traf es Aktien des Autopioniers Tesla sowie von Apple, Facebook und die Google-Mutter Alphabet – also die Aktien, die mit Amazon und dem Streamingdienst Netflix den Aufschwung an der Nasdaq und auch im US-Leitindex S&P 500 maßgeblich mitgetragen haben.
Genau in den Zeiten des Einbruchs begann die BofA mit ihrer Umfrage, bei der fast 200 internationale Portfoliomanager mitmachten, die zusammen gut mehr als 600 Milliarden Dollar verwalten. Seither haben sich die Technologieaktien schon wieder etwas erholt.
Die Angst der Investoren hängt auch damit zusammen, dass laut der Umfrage 80 Prozent – und damit so viele wie noch nie – von ihnen fürchten, dass insgesamt viel zu viele Portfoliomanager in Technologieaktien übergewichtet sind. Das heißt: Sie halten mehr Aktien, als es die Vergleichsindizes für ihre Häuser insgesamt vorgeben. Solche „crowded trades“ können gefährlich sein, wenn die Stimmung kippt und plötzlich alle wieder aussteigen wollen.
Investoren kaufen schon weniger Tech-Aktien
Die Strategen von BofA halten die Angst der Investoren für übertrieben und „paranoid“. Denn die Umfrage zeigt auch, dass Investoren ihre Engagements in Technologieaktien bereits zurückgefahren haben. Technologieaktien sind zwar immer noch das Segment, das die Fondsmanager am stärksten in ihren Portfolios übergewichten. Aber es sind eben zehn Prozent weniger als noch vor einem Monat.
Stattdessen schichten die Investoren mehr in zyklische Aktien um, die stärker von einer Konjunkturerholung profitieren. So sind Investoren in Industriewerten so deutlich übergewichtet wie zuletzt im Januar 2018. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass die Fondsmanager den Tiefpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung für überwunden halten. Erstmals seit Februar sehen mehr Investoren die Wirtschaft schon wieder im Aufschwung als in der Rezession.
Regional haben die Investoren zuletzt wieder Positionen an den US-Börsen aufgestockt. Netto sind laut der Umfrage 18 Prozent in US-Aktien übergewichtet und damit noch einmal etwas mehr als vor einem Monat. Netto heißt in der Terminologie der Umfrage, dass 18 Prozent mehr Investoren US-Aktien stärker in ihren Portfolios berücksichtigen als solche, die das nicht machen.
Mit 22 Prozent stehen Aktien der Euro-Zone zwar den zweiten Monat in Folge ganz oben in der Gunst der Investoren, aber die Begeisterung lässt deutlich nach. Vor einem Monat hatte noch ein Drittel der Portfoliomanager viel in Aktien der Euro-Zone investiert.