Index: Dax-Vorschau: Bald wohl wieder dreimal Siemens im Dax
In den Indizes MDax und im SDax wird einiges durcheinander gewirbelt.
Foto: HandelsblattFrankfurt. Kaum ein Unternehmen hatte in diesem Jahr so einen Höhenflug wie der Rüstungskonzern Rheinmetall. Fast 80 Prozent hat die Aktie seit Januar zugelegt, den Großteil davon seit Beginn des Ukrainekriegs im Februar.
Seit Anfang August hat die Rheinmetall-Aktie jedoch fast 20 Prozent verloren. Das dürfte sie jetzt um den erhofften Aufstieg in den Dax bringen.
Stattdessen wird nach Berechnungen der Stifel Europe Bank der Energietechniker Siemens Energy in den Dax der 40 größten deutschen Unternehmen aufsteigen. Damit wären dann wieder drei Siemens-Unternehmen im Dax vertreten: der Mischkonzern Siemens selbst, seine Medizintechniktochter Siemens Healthineers und eben Siemens Energy.
Platz machen für Siemens Energy muss aller Voraussicht nach Hellofresh. Die Aktie des Kochboxenversenders hat in diesem Jahr fast zwei Drittel an Wert verloren, zwischen dem 4. und 31. August waren es rund 20 Prozent.
Die offizielle Entscheidung über die Änderungen in den Indizes gibt die Deutsche Börse am Montagabend nach US-Börsenschluss bekannt. Entscheidend für Auf- und Abstieg ist die durchschnittliche Marktkapitalisierung der letzten 20 Handelstage im August. Dabei berücksichtigt die Börse nur die frei gehandelten Aktien im Streubesitz.
Siemens-Energy-Aktie war schon mal im Dax
Für Siemens Energy wäre es ein Wiederaufstieg in den Dax, aus dem sie erst im vergangenen März abgestiegen ist. Ein Jahr zuvor war die Siemens-Energy-Aktie noch in den Dax mit damals nur 30 Unternehmen eingezogen.
Bis dahin hatte die erst im September 2020 von Siemens als große Abspaltung an die Börse gebrachte Aktie über 40 Prozent gewonnen. Danach fiel der Kurs jedoch deutlich. Vor allem Probleme mit der spanischen Windkrafttochter Siemens Gamesa machten Siemens Energy zu schaffen.
Das kostete die Siemens-Energy-Aktie vor einem halben Jahr den Platz im Dax, der seit knapp einem Jahr um zehn auf 40 Unternehmen erweitert wurde. Im Zuge der Dax-Erweiterung ist auch die seit März 2018 an der Börse notierte Siemens Healthineers in den deutschen Blue-Chip-Index eingezogen. Seither hat sie zwar wie auch die anderen zehn Dax-Aufsteiger verloren, für den Klassenerhalt dürfte es aber reichen.
Der Dax steht im Fokus von internationalen Investoren und auch von vielen Privatanlegern. Von daher erfahren auch Wechsel im Dax viel Aufmerksamkeit.
Auf Dax-Aufsteiger zu setzen lohnt sich indes erfahrungsgemäß nicht. Nach Berechnungen von HQ Trust für August 1994 bis März 2022 lagen die Aktien von Dax-Aufsteigern nach zwölf Monaten im Schnitt 13 Prozent hinter dem Dax. Die Outperformance findet im Vorfeld statt: Ein Jahr vor dem Dax-Aufstieg schlugen die Newcomer den Dax im Schnitt um 25 Prozent.
Sehr viele Wechsel bei den Nebenwerten
Nicht so im Fokus stehen MDax und SDax, doch hier dürfte es noch viel mehr Wechsel geben. Der US-Glasfaserspezialist Adtran Holdings, der den deutschen Netzwerkausrüster Adva Optical übernommen hat, ist laut Stifel Europe ein klarer Aufstiegskandidat für den MDax, ebenso wie der Autozulieferer Hella und der Baukonzern Hochtief.
Abstiegskandidaten aus dem MDax sind der wegen der Gaskrise auf staatliche Hilfe angewiesene Versorger Uniper, der Wohnimmobilienkonzern Grand Properties und der IT-Dienstleister Cancom.
Potenzielle Neuzugänge für den SDax sind drei Unternehmen aus dem wieder boomenden Bereich der erneuerbaren Energien: der Windkraftanbieter Nordex, der auf grüne Energie spezialisierte Projektplaner Energiekontor und die auf Biokraftstoffe fokussierte Südzucker-Tochter Cropenergies. Zudem gilt der Graphithersteller SGL Carbon als Aufstiegskandidat.
Absteigen aus dem SDax müssen dafür voraussichtlich der Shoppingcenter-Betreiber Deutsche Euroshop, der angeschlagene Immobilienkonzern Adler Group und die Aareal Bank. Auch der Online-Modehändler About You zählt zu den Abstiegskandidaten, wobei es auch den Büroartikel-Versandhändler Takkt treffen könnte.