Asien: China senkt Mindestreserve zur Unterstützung der Wirtschaft
Shanghai. Die schlechten wirtschaftlichen Nachrichten aus China reißen nicht ab. So sind Chinas Industriegewinne im August erneut stark geschrumpft, wie das Nationale Statistikbüro am Freitagmittag (Ortszeit) bekannt gab. Der Rückgang um 17,8 Prozent zum Vorjahreszeitraum sei der stärkste in diesem Jahr.
Ein Sprecher des Statistikamtes führte die schlechten Zahlen auf mehrere Faktoren zurück. Einerseits sorge die schwache Marktnachfrage für knappe Gewinne. Andererseits hätten die hohen Temperaturen und die Überschwemmungen nach heftigen Regenfällen vor allem im Süden Chinas die Industrie belastet.
Vor allem aber leidet die chinesische Wirtschaft unter den Folgen der nicht ausgestandenen Immobilienkrise und unter der Verschuldung der Provinzregierungen. Die Konsumlaune der Bevölkerung ist ebenfalls deutlich gedämpft.
Bereits am Dienstag hatte die Zentralbank daher ein Maßnahmenpaket angekündigt, um die Investitionslage in der Wirtschaft zu verbessern. Am Freitag nun hat sie den Mindestreservesatz der Finanzinstitute um 0,5 Prozentpunkte gesenkt. Damit stellt sie den Banken künftig mehr Geld zur Verfügung, um Kredite zu vergeben oder Staatsanleihen etwa zur Finanzierung der Infrastruktur zu kaufen.
Denn die schlechten Daten aus der Industrie haben Auswirkungen auf die Jahresaussicht Chinas: Offiziell soll die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt in diesem Jahr um „rund fünf“ Prozent wachsen, hatte die Führung der regierenden Kommunistischen Partei ausgegeben. Mehrere Institute haben ihre Wachstumsprognosen aber zuletzt gesenkt.
Unerwartet aktive Gegenmaßnahmen
„Die Senkung des Mindestreservesatzes an sich reicht nicht aus, um das Kreditwachstum zu beschleunigen“, sagte Frederic Neumann, Chef-Ökonom für Asien der HSBC-Bank in Hongkong dem Handelsblatt am Freitag. „Zwar hilft die zusätzliche Liquidität den Banken bei der Kreditvergabe, und die niedrigeren Zinssätze bieten den Kreditnehmern einen Anreiz, doch bleibt die Kreditnachfrage in China insgesamt schwach“, sagte der Ökonom.
Auffällig ist in dieser Woche, wie ungewöhnlich aktiv die chinesische Führung auf die schwierige wirtschaftliche Situation reagiert. Denn typischerweise werden wirtschaftliche Probleme im Land nicht öffentlich diskutiert. Offenbar ist die Lageeinschätzung in Peking deutlich pessimistischer als bisher öffentlich kommuniziert.
Am gestrigen Donnerstag tagte das Politbüro, der Führungszirkel der regierenden Kommunistischen Partei. Staats- und Parteichef Xi Jinping leitete die Sitzung laut offiziellen Angaben. In einem anschließend veröffentlichten Bericht stellt das Politbüro höhere Staatsausgaben und Hilfen für die Immobilienkrise in Aussicht, nennt aber keine weiteren Details.
Es geht um Wiederherstellung von Vertrauen
Auch über die Sitzung des Politbüros berichten Staatsmedien ungewöhnlich prominent. Dabei geht es wohl darum, Zuversicht zu verbreiten und die allgemeine Stimmung zu verbessern: „Die politischen Maßnahmen haben das Vertrauen erheblich gestärkt, und die Märkte haben positiv auf die Ankündigungen reagiert“, schrieb die Propagandazeitung „Global Times“ am Freitag. Tatsächlich steht der chinesische Leitindex CSI 300 vor dem größten Wochengewinn seit 2008.
Bereits am Mittwoch kursierte ein Papier der Parteiführung zu Arbeitsmarktreformen im Land. Demnach soll die Jobsuche verbessert und Ungerechtigkeiten aufgrund von Alter oder Geschlecht abgebaut werden. Außerdem will man die soziale Absicherung ausbauen. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Einkommenssituation zu verbessern und auch das Vertrauen in die Wirtschaftslage wiederherzustellen.