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BörseWeshalb Bank-Aktien im Ausverkauf besonders fielen

Bis zu 13 Prozent Kursverlust in sieben Tagen: Anleger stießen Bank-Aktien zuletzt vermehrt ab. Analysten haben eine Erklärung für die Flucht – und halten Sorgen für übertrieben.Michael Maisch 12.08.2024 - 08:46 Uhr Artikel anhören
Die Frankfurter Bankenskyline. Aktien der Geldhäuser gerieten deutlich unter Druck. Foto: dpa

Frankfurt. In dieser Woche ging es für viele Aktien steil abwärts, besonders hart hat es aber in Europa die Banken getroffen. Die Investoren fürchten offenbar, dass die Verwerfungen an den Kapitalmärkten auf die großen Institute zurückschlagen. Wie groß ist die Gefahr wirklich?

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. In den vergangenen sieben Tagen ist der breite Stoxx 600 Europe Index trotz der Erholung seit Mittwoch um 2,5 Prozent gefallen. Für die Banken ging es dagegen um 3,9 Prozent abwärts. Auch die deutschen Institute haben das Misstrauen der Investoren zu spüren bekommen. Während der Dax um zwei Prozent nachgab, sackte der Kurs der Deutschen Bank in diesem Zeitraum um fünf Prozent ab, die Bewertung der Commerzbank fiel sogar um fast 14 Prozent.

Das zweitgrößte private deutsche Geldhaus hat in dieser Woche Quartalszahlen vorgelegt, die an der Börse nicht gut ankamen. Allein am Tag der Präsentation, dem Mittwoch, fiel die Aktie um zeitweise fünf Prozent.

Dahinter stecken neben individuellen Gründen auch die mit dem Kursrutsch an den Weltbörsen verbundenen Sorgen, die das Gros der europäischen Bankaktien betrafen: Die Analysten von JP Morgan kritisierten vor allem, dass die Rückstellungen der Commerzbank für ausfallgefährdete Kredite zwar zurückgingen, aber höher ausfielen als erwartet. Im zweiten Quartal summierte sich die Risikovorsorge der Bank auf 199 Millionen Euro nach 208 Millionen ein Jahr zuvor.

Dahinter verbirgt sich die Furcht vor einer weiteren Verschlechterung der Konjunkturlage. Die Angst, dass die USA in eine Wirtschaftskrise abrutschen, war einer der unmittelbaren Auslöser der jüngsten Kursturbulenzen. Dazu kommt die Sorge, dass die Notenbanken die Zinsen schneller und stärker senken müssen, um die Konjunktur zu retten. Das würde auf die Ergebnisse der Banken drücken, die bislang massiv von der Zinswende nach oben profitiert haben.

Während die US-Notenbank Fed im September erstmals ihre Leitzinsen senken könnte, hat die Europäische Zentralbank ihre Sätze bereits im Juni gekappt. Weil die Leitsätze nicht weiter gestiegen sind und inzwischen auch ein höherer Anteil von den höheren Zinsen an Kunden weitergegeben werden muss, ist der Zinsüberschuss der Commerzbank im zweiten Quartal bereits leicht auf knapp 2,1 Milliarden Euro gesunken.

Die Analysten von Keith, Bruyette & Woods (KBW) halten die Angst vor einem Kollaps der Zinsergebnisse der europäischen Banken allerdings für übertrieben. Durch die Unruhe an den Märkten seien die Zinserwartungen an den Terminmärkten zwar unter Druck geraten. Statt eines Leitzinses von 2,5 Prozent bis Mitte 2026 würden nun 2,0 Prozent prognostiziert. Doch das würde den Gewinn je Aktie der Institute lediglich um vier Prozent drücken. Aktuell liegt der Leitsatz der EZB bei 4,25 Prozent.

Auch eine deutliche Verschlechterung der Kreditqualität halten die KBW-Experten Stand heute für unwahrscheinlich. Bislang sei die Risikovorsorge bei den Ergebnissen der europäischen Banken für das zweite Quartal im Schnitt um 18 Prozent niedriger ausgefallen, als von den Analysten erwartet.

Nur wenn sich die Arbeitsmarktsituation deutlich verschlechtere, sei mit einem markanten Anstieg der faulen Kredite in den Bankbilanzen zu rechnen, heißt es. Danach sehe es im Moment aber nicht aus, die Kunden der Institute hätten die vergangenen 15 Jahre genutzt, ihre Verschuldung zu reduzieren.

Keine Kapitalsorgen in Japan

Ähnlich sieht das die Ratingagentur DBRS für die globalen Banken. Die Bonitätswächter gehen davon aus, dass der massive Ausverkauf japanischer Aktien zum Wochenbeginn keine größeren Auswirkungen auf die Kapitalisierung der großen Institute des Landes haben wird. Am Montag brach der Nikkei-Index an der Tokioter Börse um mehr als zwölf Prozent ein, der höchste Verlust seit 37 Jahren.

Der Kursrutsch werde zwar die Bewertungsgewinne, die die japanischen Geldhäuser in ihren Wertpapierportfolios aufgebaut haben, deutlich reduzieren, heißt es in der aktuellen DBRS-Studie. Aber diese Verluste seien nicht groß genug, um die Kapitalquoten der Institute spürbar negativ zu beeinflussen.

In den USA rechnen die DBRS-Experten zwar mit einer deutlichen Abkühlung der Wirtschaft, aber nicht mit einer Rezession. In einigen Geschäftsbereichen wie dem Privatkundengeschäft und bei Gewerbeimmobilien müssten die US-Banken zwar mit Rückschlägen rechnen, aber insgesamt seien die erwarteten Folgen einer schwächeren Konjunktur nicht besorgniserregend.

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Das größte Risiko sieht die Ratingagentur in möglichen, sich selbst verstärkenden Effekten der Börsenturbulenzen. Sollten die Verbraucher wegen des Kursrutsches ihren Konsum einschränken und die Unternehmen deshalb ihre Investitionen zurückfahren, dann könnte den USA doch noch eine Rezession drohen – mit entsprechend negativen Folgen für die Banken. Aber für wahrscheinlich hält die Ratingagentur dieses Szenario im Moment nicht.

Erstpublikation: 11.08.2024, 13:04 Uhr.

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