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  5. Die Chefin der Frankfurter Volksbank weiß, wie Fusionen mit kleineren Nachbarn funktionieren. Sie führt die zweitgrößte Volksbank Deutschlands – in einer Branche, in der wenige Frauen Spitzenposten besetzen.

Eva Wunsch-WeberAkkurat und souverän – diese Genossenschaftsbankerin hat schon 20 Zusammenschlüsse eingefädelt

Die Chefin der Frankfurter Volksbank ist eine der wenigen Frauen in Spitzenpositionen in der Bankbranche. Gleichwohl: Dort ist sie vollkommen zurecht.Elisabeth Atzler 17.06.2018 - 11:21 Uhr Artikel anhören

Seit 2012 steht Eva Wunsch-Weber an der Spitze der Frankfurter Volksbank.

Foto: Bernd Roselieb für Handelsblatt

Frankfurt . Zusammenschlüsse unter Genossenschaftsbanken gehören eigentlich zur Tagesordnung. Trotzdem war Eva Wunsch-Weber, der Chefin der Frankfurter Volksbank, nicht gleich klar, dass ihr Kollege Armin Papst – offenbar vorsichtig – eine Fusion ausloten wollte.

Der Vorstand der weitaus kleineren Volksbank Griesheim hatte sich vor zweieinhalb Jahren bei Wunsch-Weber gemeldet, um bei ihr vorzufühlen. „Ich stehe ja selten auf dem Schlauch“, sagt sie rückblickend über das Gespräch mit Papst. Und das glaubt man ihr sofort.

Sonst wäre ihre Karriere wohl kaum so rasant verlaufen. Die 54-Jährige steht seit sechs Jahren an der Spitze der Frankfurter Volksbank. Sie ist damit die erste Frau, die eine der großen Genossenschaftsbanken führt – und immer noch die einzige bei den ganz großen Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparda-Banken.

Genossenschaftsbanken

Auch kerngesunde Volksbanken müssen fusionieren – Große Hochzeit in Frankfurt

Auf fast zwölf Milliarden Euro Bilanzsumme bringt es die Frankfurter Volksbank inzwischen. Nur das Berliner Pendant, dessen Vorstand künftig immerhin zwei Frauen angehören, ist größer. Überhaupt sind in der Gruppe der Genossenschaftsbanken wenige Vorstandsposten mit Frauen besetzt.

Gewachsen ist die Frankfurter Volksbank dabei nicht nur, weil sie mehr Kunden gewonnen und mehr Kredite vergeben hat, sondern besonders dank mehrerer Fusionen mit Geldhäusern aus der Umgebung. 20 waren es in den vergangenen 20 Jahren. Die jüngste ist seit vergangener Woche perfekt. Die Volksbank Griesheim und die Vereinigte Volksbank Maingau gehören jetzt offiziell zur Frankfurter Volksbank. Es ist die größte Fusion unter Volksbanken, die ihr zentraler IT-Dienstleister jemals abwickeln musste.

Alleine fünf Zusammenschlüsse hat Wunsch-Weber als Vorstandschefin eingefädelt. Beteiligt war die gebürtige Freiburgerin indes an allen Fusionen seit 1997, seit sie das Vorstandssekretariat der Frankfurter Volksbank verantwortete – nur vier Jahre, nachdem sie bei der Bank angefangen hatte. Zuvor hatte sie eine Lehre bei der Deutschen Bank absolviert und Betriebswirtschaftslehre studiert.

Es folgte ein rascher Aufstieg. Im Jahr 2000 wurde sie Leiterin des Dezernats Grundsatzfragen, 2009 Vorstandsmitglied, 2012 übernahm sie den Chefposten von Hans-Joachim Tonnellier, der sie in den Jahren zuvor gefördert und als Nachfolgerin auserkoren hatte. Manch einer war damals überrascht, dass die Wahl auf Wunsch-Weber fiel, deren Vater selbst Banker war. Die Zweifler sind verstummt.

Tonnellier galt als ein Banker, der Risiken scheute und selbst in der Finanzkrise Rekordergebnisse vermeldete. Auch Wunsch-Weber betont, dass die Frankfurter Volksbank „sehr konservativ“ sei und trotzdem zu einer der ertrags- und kapitalstärksten Banken in Deutschland zähle.

Auf die Kernkapitalquote von fast 20 Prozent, ein Indikator für die Widerstandskraft einer Bank, blickt mancher in der Branche mit Neid. Wunsch-Weber verwalte die Bank nicht nur, sondern führe sie auch richtig, sagt der Vorstand einer anderen großen Genossenschaftsbank.

Cleverer Umgang mit schwierigen Themen

Wenn es das Wort „tough“ noch nicht gäbe, müsste es für sie erfunden werden, schrieb die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ einst über die 54 Jährige. Zugleich gilt sie als akkurat und gut vernetzt. Andernfalls würde Wunsch-Weber, ein zierlicher Mensch, wohl kaum nach derart vielen Fusionen unangefochten das Geldhaus führen.

Die Bankchefin weiß, dass Fusionen ein Reizthema sind. Schließlich ist ein Vorteil der Genossenschaftsbanken ihre – besonders räumliche – Nähe zum Kunden. Wunsch-Weber muss daher immer im Blick haben, dass Kunden nach einem Zusammenschluss, der eigentlich eher eine Übernahme ist, noch immer das Gefühl haben, dass ihre Bank vor Ort ist.

Die Frankfurter Volksbank lässt den kleineren Häusern daher ihren ursprünglichen Namen. So findet man im Internet noch die „Volksbank Griesheim“, klein steht darunter „Zweigniederlassung der Frankfurter Volksbank“. Ähnlich geht die Bank bei den Schildern an den Filialen vor.

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Auch für das Management der kleineren Banken ist das nicht immer einfach. Je kleiner das Geldhaus, desto wahrscheinlicher ist es, dass der bisherige Vorstand nach dem Zusammenschluss dem Führungsgremium nicht mehr angehört – oder eben nicht mehr Chef ist. Im Zuge der jüngsten Fusion hat Michael Mengler, bisher Chef der Vereinigten Volksbank Maingau, das Amt des Co-Vorstandsvorsitzenden in Frankfurt übernommen. Er stehe „auf Augenhöhe an der Spitze der Bank“, so das Geldhaus.

Dezent geht Wunsch-Weber bei einem weiteren sensiblen Thema vor: Anders als bei anderen Volks- und Raiffeisenbanken haben Filialschließungen in und um Frankfurt bisher für wenig Aufregung gesorgt.

Auch wenn Wunsch-Weber sagt: „Größe haben wir mit der Fusion nicht angestrebt“. Größe hat Vorteile. Nicht nur, dass die kleinen Genossenschaftsbanken alleine mit der Regulierung nicht mehr klarkommen. Je bedeutender eine Volksbank, desto mehr wird sie gehört – in Gremien der genossenschaftlichen Finanzgruppe und auch im Spitzeninstitut, der DZ Bank.

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