EY-Studie: Banken wollen ihre Kreditvergabe drosseln
Das Kreditwachstum in Deutschland wird 2023 voraussichtlich auf 2,8 Prozent absacken nach 6,9 Prozent im Jahr 2022, zeigt die Studie.
Foto: dpaFrankfurt. Die Kreditvergabe vieler Banken in Deutschland und im Euroraum wird wegen der stotternden Konjunktur einer Studie zufolge in diesem und im nächsten Jahr deutlich schwächer ausfallen. Haushalte und Unternehmen in ganz Europa kämpften mit einer hohen Inflation, teilte die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY am Donnerstag in Frankfurt mit.
Der Ukraine-Krieg sorge zudem weiter für erhebliche Spannungen. „Daher ist es verständlich, dass sich die Nachfrage nach Krediten – etwa um ein Haus zu kaufen, in den Urlaub zu fahren oder teure Anschaffungen zu tätigen – erheblich abschwächt“, sagte EY-Managing Partner Ralf Eckert zu den Ergebnissen. Besonders kräftig werde voraussichtlich die Vergabe von Immobilienkrediten sinken. 2025 soll es dann aber wieder aufwärtsgehen.
Laut der Studie wird das Kreditwachstum in Deutschland 2023 voraussichtlich auf 2,8 Prozent absacken nach 6,9 Prozent 2022. Für 2024 sei sogar nur noch ein Plus von 0,3 Prozent zu erwarten. In der gesamten Eurozone werde das Kreditvolumen in diesem Jahr lediglich um 2,1 Prozent zulegen nach 5,0 Prozent 2022.
Für 2024 sei mit einem Plus von 1,7 Prozent zu rechnen. Der Studie zufolge wird 2025 aber das Wachstum wieder zulegen. Für Deutschland werde dann ein Plus von 3,0 Prozent erwartet - in der Eurozone ein Anstieg um 3,3 Prozent.
>> Lesen Sie hier: Finanzaufsicht Bafin prüft höhere Liquiditätspuffer für Banken
Bei den Immobilienkrediten ist der Studie zufolge der erwartete Dämpfer kräftig. Während das Wachstum 2022 in Deutschland noch bei 5,3 Prozent gelegen habe, werde für das laufende Jahr nur noch ein minimales Plus von 0,5 Prozent vorausgesagt. „In Deutschland fällt die Abschwächung besonders stark aus, weil hierzulande die vielfältigen Auswirkungen der Krise auch besonders stark zu spüren sind“, erläuterte Eckert.
„So wird die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr voraussichtlich nicht wachsen, und die Abkühlung auf dem Immobilienmarkt ist in Deutschland besonders heftig.“ In der gesamten Eurozone werde sich bei Immobilienkrediten das Wachstum nach 4,9 Prozent 2022 voraussichtlich auf 1,4 Prozent in diesem Jahr abschwächen.
Die Ergebnisse der EY-Studie weisen in die gleiche Richtung wie eine Anfang Mai veröffentlichte turnusmäßige Erhebung der Europäischen Zentralbank (EZB). Dem sogenannten Bank Lending Survey (BLS) der EZB zufolge sank die Nachfrage nach Krediten in den ersten drei Monaten des Jahres deutlich und dürfte auch im zweiten Quartal weiter sinken. Der nächste BLS mit den Ergebnissen für das zweite und den Erwartungen für das laufende dritte Quartal soll am 25. Juli veröffentlicht werden.