Hauptversammlung: Commerzbank will Kryptogeschäft ausbauen – Kritik am Vergütungsbericht
Im vergangenen Jahr war die Commerzbank, deren größter Anteilseigner der deutsche Staat mit 15,6 Prozent ist, in die Gewinnzone zurückgekehrt.
Foto: dpaFrankfurt. Die Commerzbank will ihr Angebot im Kryptogeschäft sukzessive ausbauen. Es gebe eine steigende Kundennachfrage nach digitalen Assets, sagte Vorstandschef Manfred Knof am Mittwoch auf der digitalen Hauptversammlung. Das Institut wolle für seine Kunden in diesem Bereich sichere und regulatorisch konforme Lösungen entwickeln.
„Aufbauend auf der Dienstleistung der Verwahrwahrung von Kryptowährungen sollen schrittweise weitere Services angeboten werden“, sagte Knof. IT-Sicherheit habe dabei große Bedeutung. Obwohl die Kryptomärkte gerade einbrechen, denken derzeit auch viele anderen Banken darüber nach, ob und in welcher Form sie ihren Kunden Kryptoassets anbieten wollen.
Commerzbank-Privatkundenvorstand Thomas Schaufler hatte kürzlich im Handelsblatt-Interview angekündigt, dass das Geldhaus ab Sommer Kryptoassets für institutionelle Kunden verwahren will. Für Privatkunden sei ein solches Angebot erst denkbar, wenn „der Bereich besser reguliert ist und es mehr Klarheit beim Thema Verbraucherschutz gibt“.
Bei der Hauptversammlung stimmten die Aktionäre mehrheitlich für die Anträge von Vorstand und Aufsichtsrat. Beim Votum über das neue Vergütungssystem betrug die Zustimmung jedoch nur 85 Prozent, beim Vergütungsbericht sogar nur knapp 60 Prozent.
Die Fondsgesellschaft Union Investment lehnte beide Anträge ab. Das Vorstandsvergütungssystem wurde aus ihrer Sicht zwar verbessert, sei aber immer noch „vergleichsweise unpräzise formuliert“. Beim Vergütungsbericht vermisst Union Investment unter anderem eine klare Trennung zwischen der kurzfristigen und langfristigen variablen Vergütung.
Im Vorfeld der Hauptversammlung hatte sich bereits der einflussreiche Stimmrechtsberater ISS gegen die Billigung des Vergütungsberichts ausgesprochen – unter anderem wegen einer Sonderzahlung von einer Million Euro für Vorstandschef Knof. Für diese gebe es im Vergütungsbericht keine „überzeugende Rechtfertigung“.
Viele Banken denken derzeit darüber nach, in welcher Form sie ihren Kunden Kryptoassets anbieten wollen.
Foto: dpaDarüber hinaus moniert ISS, dass der im Herbst vergangenen Jahres ausgeschiedene IT-Vorstand Jörg Hessenmüller eine millionenschwere Abfindungszahlung erhalten habe, „obwohl es so aussieht, als sei die Initiative, abzutreten, von ihm ausgegangen“.
Keine Schadensersatzforderungen gegen Ex-Vorstände
Die Commerzbank hatte Hessenmüllers Vertrag im Juni 2021 zunächst um fünf Jahre verlängert – ihn dann im Herbst jedoch wieder aufgelöst. Der Grund: Hessenmüller hatte den Aufsichtsrat Insidern zufolge vorab nicht ausreichend über gravierende Probleme bei der geplanten Auslagerung der Wertpapierabwicklung an HSBC informiert. Das „Projekt Sirius“ wurde kurz darauf gestoppt, was die Commerzbank mehr als 200 Millionen Euro kostete.
„Jörg Hessenmüller hat im Nachgang zur Beendigung von Projekt Sirius dem Aufsichtsrat eine Beendigung seines Anstellungsverhältnisses vorgeschlagen“, sagte Chefkontrolleur Helmut Gottschalk. Der Aufsichtsrat habe sich mit Hessenmüller dann auf eine einvernehmliche Aufhebung des Arbeitsverhältnisses sowie auf eine Ausgleichszahlung in Höhe von 1,98 Millionen Euro geeinigt. Eine Abberufung aus wichtigem Grund sei rechtlich nicht möglich gewesen.
Der Aktionär Bernd Heckmann kritisierte in einem Gegenantrag, schon Anfang 2020 sei allen Vorständen bekannt gewesen, dass das Projekt aus dem Ruder gelaufen sei. Sie seien ihrer Verpflichtung, einzugreifen, jedoch nicht nachgekommen.
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Vize-Chefin Bettina Orlopp stellt die Situation anders da. Nach der Auslagerung erster Teilprozesse an HSBC Anfang 2021 seien „diverse Probleme mit unmittelbaren Auswirkungen auf die Kundinnen und Kunden der Commerzbank“ aufgetreten, sagte sie. Daraufhin habe der Vorstand eine Neubewertung der Gesamtsituation vorgenommen.
„Um das Projekt weiterführen zu können, wären weitere hohe Investitionen mit einer spürbaren weiteren Verzögerung der Auslagerung erforderlich gewesen“, erklärte Orlopp. Deshalb habe der Vorstand entschieden, die Auslagerung nicht weiterzuverfolgen. Die Commerzbank musste in der Folge eine Vertragsstrafe bezahlen, zu deren Höhe sich Orlopp unter Verweis auf eine „mit der HSBC vereinbarte Verschwiegenheitspflicht“ nicht äußern wollte.
Die Commerzbank hat wegen der gescheiterten Auslagerung Finanzkreisen zufolge die Bonuszahlungen für Hessenmüller und dessen Vorgänger Frank Annuscheit gekürzt. Auf Schadensersatz verklagen will die Bank beide Ex-Vorstände nach einer Überprüfung durch einen externen Gutachter jedoch nicht.
„Auf Basis der anwaltlichen Empfehlung hat der Aufsichtsrat nach intensiver Diskussion beschlossen, mangels überwiegender Erfolgswahrscheinlichkeit gegenwärtig keine Schadensersatzansprüche gegen aktuelle und ehemalige Vorstandsmitglieder geltend zu machen“, sagte Chefkontrolleur Gottschalk.