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Innovative Genossenschaftsbank Eine Volksbank aus dem Schwarzwald tritt gegen Wirecard und Worldline an

Viele deutsche Banken dampfen ihren Zahlungsverkehr ein. Eine Volksbank in Baden-Württemberg baut dieses Geschäft aus und kann sich auch gegen Schwergewichte behaupten.
10.02.2020 - 10:07 Uhr Kommentieren
Die Volksbank aus Offenburg bietet Händlern Zahlungsdienstleistungen an – und kann es mit Branchengrößen wie Adyen, Wirecard und Worldline aufnehmen. Quelle: Volksbank
Volksbank in der Ortenau

Die Volksbank aus Offenburg bietet Händlern Zahlungsdienstleistungen an – und kann es mit Branchengrößen wie Adyen, Wirecard und Worldline aufnehmen.

(Foto: Volksbank)

Offenburg Der Gründerzeitbau der Volksbank in Ortenau steht vor allem für einen Wert: Tradition. Das schlossartige Gebäude mit Treppengiebel stammt aus dem Jahr 1906, die Genossenschaftsbank im eher beschaulichen Offenburg am Fuße des Nordschwarzwalds ist schon mehr als 150 Jahre alt.

Und sie verfügt sogar über ein eigenes Bankmuseum. Die Highspeed-Welt der Fintechs in Frankfurt und Berlin scheint hier Lichtjahre entfernt. Aber der provinzielle Eindruck täuscht. Die Volksbank ist absolut auf der Höhe der Zeit und womöglich die deutsche Regionalbank mit dem zukunftsträchtigsten Geschäftsmodell.

Auch deshalb ist Markus Dauber ein gefragter Redner bei den Volks- und Raiffeisenbanken. Dauber gehört zu den deutschen Bankchefs, die sich von widrigen äußeren Bedingungen wie chronischen Minuszinsen und hartem Wettbewerb nicht abschrecken lassen, sondern mit Kreativität und Risikobereitschaft neue Wege ausprobieren.

Die Volksbank in der Ortenau hat sich quasi als Fintech neu erfunden. Die Offenburger haben mit diversen Onlineportalen nicht nur den Aufbruch in die Plattformökonomie gewagt, sondern sie haben auch früh die Attraktivität von Zahlungsdiensten erkannt – ein Geschäft, das viele Banken vernachlässigt oder verkauft haben, und das heute von so heiß gehandelten Branchengrößen wie Wirecard, Adyen und Worldline dominiert wird.

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    An Selbstbewusstsein mangelt es Dauber nicht: „Es ist ein Geschäft, um das uns viele andere Banken beneiden.“ Schon vor 25 Jahren hat die Volksbank damit begonnen, Kunden – Einzelhändler, Hotels, Restaurants – mit Kartenterminals auszustatten. Seit Dauber 2005 in Offenburg Vorstand ist, baut er die Angebote aus. Längst gehört die Einbindung und Abwicklung von Onlinezahlungen dazu.

    Vor Neuem jedenfalls schreckt Dauber nicht zurück und auch nicht davor, vielleicht belächelt zu werden. Vor zwei Jahren hat er sich selbst einen Extratitel gegeben: „Zukunftsgestalter“ heißt es nun auf seiner Visitenkarte. Seit 2019 ist das bei allen Mitarbeitern der Bank der Fall, rund 400 arbeiten für das Institut selbst, 150 weitere Beschäftigte für die Zahlungsdienste. Dauber betont, dass die Bank sich trotz aller Herausforderungen als Gestalter sehe. „Wir sind begeistert von den vielfältigen Möglichkeiten, die uns auch die Digitalisierung bringt.“

    Kein Wunder, denn der Zahlungsverkehr boomt. Die Regionalbank profitiert – genau wie die großen internationalen Zahlungsdienstleister – von einer Entwicklung: Verbraucher zahlen weltweit immer weniger mit Bargeld, wodurch die Volumina von Karten- und Onlinezahlungen rasant steigen. Es ist ein Phänomen, mit dem sich nicht nur Weltkonzerne und Internetunternehmen auseinandersetzen müssen, sondern auch mittelgroße Händler in ganz Deutschland – und genau davon sind viele Kunden der Volksbank in der Ortenau.

    Diese mittelständischen Händler hätten meist 200 bis 300 Filialen, erläutert Dauber. „Sie fühlen sich bei einer soliden mittelständischen Bank richtig aufgehoben“, erklärt der 51-Jährige seinen Ansatz. Die Offenburger haben ihre Zahlungsverkehrsdienstleistungen in der Tochter First Cash Solution gebündelt. „Bei den internationalen Großkonzernen sind diese Kunden am Ende nicht mehr als eine Nummer, bei uns aber Partner und Kunde.“

    Riesenfirmen dominieren die Branche

    Auf diese Weise kann First Cash sich gegen die Schwergewichte im Markt behaupten, die obendrein durch Übernahmen und Fusionen noch größer werden. So kündigte Worldline Anfang Februar an, den Wettbewerber Ingenico für fast acht Milliarden Euro zu übernehmen und dadurch den größten europäischen Zahlungsdienstleister zu schaffen – und die Nummer vier der Welt. Worldline und Ingenico sind zwar französische Unternehmen, aber beide sind längst international tätig und auch in Deutschland stark vertreten.

    Selbst Wettbewerber zollen Dauber Respekt. Mirko Hüllemann, Geschäftsführer der Zahlungsfirma Heidelpay, hält die Volksbank für „ein gallisches Dorf in Baden“. Er finde es „super, dass die Volksbank Zahlungsverkehr als Kerngeschäft betrachtet, wie ernst sie dieses Geschäft nimmt und wie erfolgreich sie es umsetzt“. Auch von einem anderen Konkurrenten heißt es, First Cash zähle zu den wirklich innovativen Unternehmen der Branche. „Es ist eine kleine Firma, die viele interessante Kunden hat. Und sie kann es mit ihrer E-Commerce-Lösung mit Adyen, Wirecard und anderen aufnehmen.“

    Wie viel genau die Tochter verdient, will Dauber nicht sagen. Klar ist aber: Der Anteil des Provisionsergebnisses – getrieben durch den Zahlungsverkehr – am Gewinn ist vergleichsweise hoch. Damit stemmt sich die Volksbank in Ortenau gegen die Effekte der Negativzinsen in der Euro-Zone.

    Das verdeutlichen die Geschäftszahlen für 2019. Das Provisionsergebnis kletterte auf gut 30 Millionen Euro und machte rund 36 Prozent der operativen Erträge aus. Der Zinsüberschuss, der ebenfalls stieg, betrug rund 54 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Schnitt stammten nur 25 Prozent der Erträge deutscher Banken aus dem Provisionsüberschuss und mehr als 70 Prozent aus dem Zinsüberschuss, ermittelte die Bundesbank.

    Unterm Strich, also abzüglich Aufwendungen und Steuern sowie nach Wertberichtigungen und Rücklagebildung, verdiente die Volksbank zwölf Millionen Euro und damit einen Tick mehr als im Vorjahr.

    Deutsche Banken haben ihren Zahlungsdienstleister verkauft

    Die Volksbank in der Ortenau ist auch deshalb ein Exot, weil sich die deutschen Geldhäuser weitgehend aus Zahlungsdienstleistungen für den Handel verabschiedet haben. Anfang 2017 verkauften die deutschen Geldhäuser ihren Zahlungsdienstleister Concardis an die Finanzinvestoren Bain und Advent. An Concardis beteiligt waren die Deutsche Bank und die Commerzbank, die genossenschaftliche DZ Bank sowie die Sparkassen. Inzwischen hat der dänische Zahlungsdienstleister Nets Concardis übernommen.

    Zudem haben die Sparkassen ihren Zahlungsdienstleister BS Payone mit Ingencio in einem Gemeinschaftsunternehmen zusammengelegt. Im Zuge der Übernahme durch Worldline halten die Sparkassen an diesem Joint Venture nur noch 40 Prozent. Daneben gibt es ausgerechnet im genossenschaftlichen Sektor noch einen kleineren Zahlungsdienstleister: VR Payment, der zum Spitzeninstitut DZ Bank gehört.

    Dauber sieht den Zahlungsverkehr mit Banklizenz als Vorteil. Seiner Ansicht nach gibt es viele Services, die eine Bank besser anbieten kann als andere Zahlungsverkehrsfirmen, beispielsweise alles rund ums Bargeld. So können Händler von First Cash besondere Einzahltresore erhalten und ihre Bargeldeinnahmen dort deponieren.

    Sobald die Scheine und Münzen darin verwahrt werden, schreibt die Volksbank den Betrag auf dem Konto des Kunden gut. Je nachdem, wie voll der Tresor ist und welche Summe versichert ist, sorgt die Volksbank dafür, dass das Geld abgeholt wird. Die Transporter fahren nur bei Bedarf.

    Ohne Zukäufe kommt auch First Cash nicht aus. Erst zu Jahresbeginn hat die Volksbank das Hamburger Unternehmen Sit Solution for IT Payment übernommen, das auf Bonitätsprüfungen und Abrechnungen spezialisiert ist. Auch in den Vorjahren kaufte sie kleinere Konkurrenten auf. Dauber kann sich weitere Zukäufe vorstellen. Es gebe noch etliche kleinere Dienstleister in Deutschland.

    Und auch bei der Bank selbst steht eine Fusion an. Sie prüft einen Zusammenschluss mit der Volksbank Schwarzwald Baar Hegau. Das fusionierte Geldhaus käme auf eine Bilanzsumme von mehr als acht Milliarden Euro und wäre damit die viertgrößte Volksbank in Deutschland. Ein Grund, weshalb Dauber künftig noch mehr Gehör unter Genossenschaftsbanken finden könnte.

    Mehr: Die Sparda-Banken Hannover und Berlin wollen sich zusammenschließen. Von der Fusion erhoffen sie sich, besser auf regulatorische Anforderungen und die Digitalisierung reagieren zu können.

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