Landesbank: LBBW verdient so viel wie seit der Finanzkrise nicht mehr
Für das laufende Jahr erwartet die Stuttgarter Landesbank einen Gewinn vor Steuern von mehr als einer Milliarde Euro.
Foto: imago images/Arnulf HettrichFrankfurt. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hat im vergangenen Jahr so viel verdient wie seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 nicht mehr. Der Vorsteuergewinn 2021 betrug 817 Millionen Euro.
Gegenüber 2020 verdreifachte die Stuttgarter Landesbank den Vorsteuergewinn. Damals hatte vor allem die Belastung durch einen Kredit an den insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard auf das Ergebnis gedrückt. Zudem war die Risikovorsorge aufgrund der Coronakrise deutlich gestiegen.
„Unsere starken Zahlen zeigen, dass die LBBW eine kerngesunde, profitable und nachhaltig erfolgreiche Bank ist“, sagte LBBW-Chef Rainer Neske am Donnerstag. Die Bilanz 2021 bezeichnete er als „äußerst stabile Ausgangsbasis“, um für die Folgen des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine gewappnet zu sein.
Der Krieg in der Ukraine erhöhe die Unsicherheiten über die wirtschaftliche Entwicklung massiv, so die LBBW. Dennoch erwartet die Landesbank für 2022 derzeit ein Vorsteuerergebnis im mittleren dreistelligen Millionenbereich. Die LBBW sei stark genug, um größere wirtschaftliche Verwerfungen zu verkraften, sagte Neske.
Dem LBBW-Chef zufolge hat die Landesbank ein sehr geringes direktes Risiko in Russland und der Ukraine. Das Nettokreditengagement in Russland liege bei 90 Millionen Euro – ein Bruchteil des gesamten Kreditbuchs. Zum Vergleich: Allein bei Unternehmenskunden beträgt das Nettoengagement rund 90 Milliarden Euro.
Neske sieht zwar die Gefahr, dass höhere Energiepreise die Unternehmen auch in der Breite treffen. Sie könnten höhere Preise aber an ihre Abnehmer weitergeben. „Das wird massiv die Inflation treiben.“
Übernahme der Berlin Hyp „ein Meilenstein“
Die Übernahme der Immobilienbank Berlin Hyp sei ein Meilenstein für die LBBW, sagte Neske. Damit stärke die LBBW ihr Geschäftsmodell, zudem mache sie „den nächsten Schritt zu einer effizienten Bündelung der Kräfte“ innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe. Der Kaufpreis habe über einer Milliarde Euro gelegen. Genaue Angaben machte Neske nicht.
Beim Verkauf des Sparkassen-Immobilienanbieters bekam die LBBW den Zuschlag, die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) ging leer aus, wie kurz vor Weihnachten bekannt wurde. Anders als die Helaba hält die LBBW aber nichts von einem Zentralinstitut der Sparkassen.
Der LBBW-Chef äußerte sich erneut zurückhaltend gegenüber der Idee, dass die Landesbanken verschmelzen, er plädiert für Kooperationen. „Ich bin ein Freund von Bündelungen, wo es für die Kunden und vor allem für die Eigentümer Sinn ergibt“, sagte er. „Was praktikabel machbar ist, das macht man.“ Das könne man umsetzen, statt lange über ein Zentralinstitut zu reden.
Ihren Eigentümern, den Sparkassen in Baden-Württemberg, dem Land Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart, will die LBBW eine Dividende von 200 Millionen Euro vorschlagen.
Kein Interesse an der Hamburg Commercial Bank
Noch gibt es vier große Landesbanken, neben der LBBW und der Helaba die BayernLB und NordLB. Auch der Sparkassen-Fondsdienstleister Deka spielt bei den Überlegungen zur Schaffung eines einzigen Sparkassen-Spitzeninstituts, für das Sparkassenpräsident Helmut Schleweis lange getrommelt hat, eine Rolle. Die Bilanzsumme der LBBW kletterte 2021 auf 282 Milliarden Euro. Diese Summe hatte auch die BayernLB zuletzt genannt.
Neske signalisierte, dass die LBBW kein Interesse an der Hamburg Commercial Bank (HCOB) habe. Nach Handelsblatt-Informationen prüfen die Eigentümer der HCOB einen Verkauf des Geldhauses. Die ehemalige HSH Nordbank war 2018 als erste und bisher einzige Landesbank privatisiert worden. Die HCOB sei nicht mehr Teil des Sparkassensektors, sagte Neske. „Deswegen ist das keine Überlegung.“
Neske kündigte an, dass die Privatkundentochter BW-Bank im Fall einer Zinswende in der Euro-Zone ebenfalls reagieren werde. Auch andere Geldhäuser, darunter die ING, einige Sparkassen und die Apotheker- und Ärztebank, haben avisiert, dass sie von Verwahrentgelten für Privatkunden absehen, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) Negativzinsen für Geschäftsbanken abschafft.
Laut LBBW betrugen die Belastungen bei der BW-Bank durch den EZB-Strafzins zuletzt 64 Millionen Euro. Vermögende private Kunden zahlten Verwahrentgelte in Höhe von 22 Millionen Euro an die BW-Bank.