Quartalszahlen: SocGen: Quartalsverlust durch Russland-Exit geringer als befürchtet
Im April hatte sich die französische Großbank von ihrer Russland-Tochter getrennt.
Foto: ReutersParis. Die französische Großbank Société Générale (SocGen) hat im zweiten Quartal durch den Ausstieg aus dem Russlandgeschäft einen Milliardenverlust verzeichnet. Das Geldhaus wies am Mittwoch ein Minus von 1,48 Milliarden Euro aus, vor einem Jahr hatte es noch ein Plus von 1,4 Milliarden Euro verzeichnet.
Wegen des Ukrainekriegs und den damit verbundenen Sanktionen gegen Russland hatte Société Générale im Frühjahr angekündigt, sich von der Russlandtochter Rosbank zu trennen. Aus diesem Grund hatten Analysten einen Verlust erwartet – dieser fiel nun aber geringer als befürchtet aus. Die Strategen hatten zwei Milliarden Euro prognostiziert.
Gute Geschäfte im Privatkundengeschäft und Investmentbanking hätten geholfen, die Verluste aus dem Verkauf der Russland-Aktivitäten abzumildern, erklärte das Geldhaus. Den Verlust durch die Veräußerung an Interros Capital hatte das Institut zuvor mit 3,3 Milliarden Euro beziffert.
Beim Investmentbanking registrierte Société Générale einen Zuwachs von 18,3 Prozent. Das Privatkundengeschäft legte um 8,5 Prozent in Frankreich und 12,7 Prozent international zu. „Diese Dynamiken und Leistungen lassen uns sowohl kurzfristig als auch langfristig trotz eines unsicheren Umfeldes zuversichtlich sein“, sagte Generaldirektor Frédéric Oudéa.
Bereinigt um Sondereffekte wie der Verkauf der Rosbank stieg der Gewinn laut Unternehmensangaben um knapp zwölf Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Die Bank profitierte dabei auch von den gestiegenen Zinsen.
Der Markt reagierte positiv auf die Zahlen. Zu Börsenbeginn stieg die SocGen-Aktie am Mittwoch in Paris um vier Prozent.
Oudéa-Nachfolge steht noch aus
Der Bank ist es laut Generaldirektor Oudéa gelungen, die russischen Aktivitäten abzuwickeln, ohne die strategische Entwicklung der Gruppe zu beeinträchtigen. Das Russlandgeschäft ausgeklammert sei das zweite Quartal gut gelaufen.
Das Geldhaus ist derzeit auf der Suche nach einem Nachfolger für den 59-jährigen Oudéa. Dieser hatte im Mai angekündigt, dass er keine Erneuerung seines Mandates im Mai 2023 anstreben werde. Der Name seines Nachfolgers soll im Herbst bekannt gegeben werden.
Oudéa hatte sich für eine interne Kandidatur ausgesprochen. Es gibt Spekulationen über Sébastien Proto und Slawomir Krupa, beide arbeiten bereits für die SocGen.