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Skandinavische BankenTalfahrt trotz Kapitalstärke

Die skandinavischen Banken weisen in Europa die beste Kapitaldecke auf. Und obwohl die Kreditinstitute gute Ratings aufweisen, sind ihre Aktienkurse gefallen. Experten zufolge liegt das an wählerischen Investoren. 29.04.2017 - 10:26 Uhr Artikel anhören

Nordeuropäische Banken erhalten hohe Bewertungen – trotzdem entwickeln sich ihre Bank-Aktien zurzeit schlecht.

Foto: dpa

In den Jahren nach der Finanzkrise hatten sich die Aktien der sechs großen nordeuropäischen Banken – Nordea Bank AB, Danske Bank A/S, DNB ASA, Svenska Handelsbanken AB, SEB AB und Swedbank AB – besser entwickelt als die der Konkurrenz. Dahinter standen starke Kapitalpositionen und die Tatsache, dass die Banken kaum mit faulen Krediten zu kämpfen hatten. Doch mit den ehemaligen Bewertungen zu Höchstständen kommen sie nun aus der Mode.

Bei Swedbank und Handelsbanken sind die Kurse seit Dezember so sehr gefallen, dass sie inzwischen zu den Bank-Aktien mit der schlechtesten Entwicklung in Europa gehören – obwohl sie die am besten kapitalisierten Kreditinstitute sind.

Laut Finanzanalyst Mads Thinggaard von Handelsbanken in Kopenhagen verbessern sich die Aussichten für die Branche im Allgemeinen – und das schmälert den relativen Vorteil, den skandinavische Banken lange hatten. „Wir können beobachten, dass die Erwartungen für die Eigenkapitalrenditen europäischer Banken viel schneller steigen als die für die großen nordischen Banken. Von daher könnten sie überholt werden“, meint Thinggaard. „Es gibt das Risiko eines Ausverkaufs bei den nordischen Banken, und dass Investoren auf Banken südlich von Dänemark umsteigen.“

In diesem Jahr hat die Swedbank-Aktie rund fünf Prozent verloren. Das machte die Titel des Finanzinstituts nicht nur zur schlechtesten Bank-Aktie im Norden, sondern auch zur zweitschlechtesten in ganz Europa, nach der Banco Popular Espanol. Letztere muss sich möglicherweise bis zu vier Milliarden Euro an frischem Kapital besorgen. Zum Vergleich: Swedbank hat in Europa die zweithöchste Quote aus hartem Kernkapital (CET1) im Verhältnis zu den risikogewichteten Aktiva.

Handelsbanken verfügt über die höchste CET1-Quote in Europa, kommt im bisherigen Jahresverlauf jedoch auf einen Kursverlust von rund zwei Prozent – während der Bloomberg-Index für Europas Finanzaktien rund acht Prozent zulegen konnte.

Die größten Banken Europas (nach Börsenwert)
Deutsche BankDeutschland23,8 Milliarden Euro Quelle: Bloomberg / Stand: 13.12.2016
BBVA Spanien41,8 Milliarden Euro
Nordea BankDänemark42,6 Milliarden Euro
BarclaysGroßbritannien46,1 Milliarden Euro
Lloyds BankGroßbritannien52,3 Milliarden Euro
INGNiederlande52,9 Milliarden Euro
SberbankRussland58,3 Milliarden Euro
UBSSchweiz60,2 Milliarden Euro
Banco SantanderSpanien71,3 Milliarden Euro
BNP ParibasFrankreich73,8 Milliarden Euro
HSBCGroßbritannien154,7 Milliarden Euro

Die Banken im Norden haben auf einige der strengsten aufsichtsrechtlichen Anforderungen und das negativste Zins-Umfeld reagiert, indem sie in neue Geschäftsfelder vorgedrungen sind und Kosten für regulatorische Kapitalanforderungen an Kunden weitergegeben haben.

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Selbst nach den jüngsten Kursrückgängen werden die Aktien der Institute laut Handelsbanken noch immer über ihren historischen Durchschnittswerten gehandelt. Allerdings scheinen Investoren die nordeuropäischen Banken nicht mehr länger als eine homogene Gruppe zu sehen. Sie haben damit begonnen, diejenigen Bank-Aktien zu verkaufen, die ihrer Meinung nach anfälliger für die schlechtesten Resultate sind, meint Jan Wolter, Chef für europäische+ Banken-Analyse bei Credit Suisse in Stockholm. „Die Prüfung erfolgt nicht auf regionaler Basis, sondern auf Bewertungsbasis.“ Die Banken aus dem Norden Europas beginnen in dieser Woche, ihre Quartalszahlen vorzulegen.

Thinggaard zufolge sollten Investoren ein Auge auf das Institut Danske haben. Die Aufsicht könnte verlangen, dass die Bank mehr Kapital vorhält, um sich gegen potenzielle Verluste in Norwegen und Schweden abzusichern. In den beiden Ländern sei die Bank zuletzt stark gewachsen, während der Anstieg bei den dortigen Immobilienpreisen die Aufsicht alarmiert habe.

Schwedische Banken stehen möglicherweise vor höheren Beiträgen für einen Banken-Abwicklungsfonds. Nordea hatte bereits damit gedroht, die Unternehmenszentrale zu verlagern, falls die Regierung ihre Forderungen nicht zurückfährt. Banken aus dem Norden Europas „waren ein sicherer Hafen in volatilen Märkten“, sagt Wolter. Doch angesichts von Bewertungen in der Nähe von Rekordständen seien die starken Kapital-Niveaus und die Aktiva-Qualität „bereits im Kurs berücksichtigt“.

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