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  5. Die Banken mit bundesweitem Angebot zahlen im Schnitt 0,54 Prozent Zinsen auf Tagesgeld, Trade Republic bietet zwei Prozent

SpareinlagenZinsen aufs Tagesgeld? Bei den meisten Sparkassen Fehlanzeige

Fast zwei Drittel der deutschen Kreditinstitute zahlen bislang keine Zinsen auf Tagesgeld, Immobilienkredite dagegen sind schon deutlich teurer. Verbraucherschützer üben Kritik.Elisabeth Atzler 20.01.2023 - 10:06 Uhr Artikel anhören

Die Geldhäuser profitieren von der bislang geringen Wechselfreude ihrer Kundinnen und Kunden.

Foto: dpa

Frankfurt. Obwohl die Leit- und Einlagenzinsen in der Euro-Zone deutlich angestiegen sind, zahlen fast zwei Drittel der deutschen Kreditinstitute bisher keine Zinsen auf Tagesgeld. Bei den Sparkassen beträgt der Anteil sogar nahezu drei Viertel. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung des Vergleichsportals Verivox, die dem Handelsblatt vorliegt.

Von den 626 Banken und Sparkassen weisen 397 einen Tagesgeldzinssatz von null Prozent aus. Verivox hat diese Geldhäuser geprüft, weil sie zum einen Tagesgeldkonten anbieten und zum anderen die Zinsen frei zugänglich veröffentlichen.

Aus den Ergebnissen der Verivox-Analyse geht hervor, dass der Großteil der deutschen Bankkunden nicht direkt von der Zinswende in der Euro-Zone profitiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen seit Sommer 2022 mehrfach angehoben. Der Leitzins beträgt seit Dezember 2,5 Prozent. Der zurzeit noch wichtigere Zins, den Banken für ihre Einlagen bei der EZB bekommen, stieg von 1,5 auf 2,0 Prozent.

Trotz dieser Entwicklung bleiben die kurzfristigen Zinsen, die die Kreditinstitute ihren Kunden zahlen, weit dahinter zurück. Laut Verivox erreicht der Durchschnittszins für 10.000 Euro Tagesgeld bei Sparkassen aktuell 0,05 Prozent. Bei den Genossenschaftsbanken sind es 0,06 Prozent.

Banken mit bundesweiten Angeboten haben die Zinsen hingegen vielfach angehoben und zahlen im Schnitt inzwischen immerhin 0,54 Prozent.

Trade Republic mit zwei Prozent Zinsen

Mit dem lukrativen Angebot will das Unternehmen sowohl Bestandskunden halten als auch neue Kunden gewinnen. Aus diesem Grunde gilt der gebotene Zins auch für beide Kundengruppen bis zu einem Guthaben von 50.000 Euro. Eine zeitliche Begrenzung gibt es nicht.

Und dennoch: Gemessen an der hohen Inflation fallen die bislang durchschnittlichen Tagesgeldzinsen extrem gering aus. 2022 erreichte die Inflation in Deutschland mit 7,9 Prozent ein Rekordhoch, wie das Statistische Bundesamt kürzlich bekannt gab. Für das laufende Jahr rechnen viele Beobachter mit weiteren deutlichen Preissteigerungen.

Als Erstes dürften wohl Direktbanken und Autobanken ihre Zinsen anheben

„Es ist paradox – an der Spitze des Marktes überbieten sich die Banken im Wettbewerb um neue Kunden mit immer höheren Tagesgeldzinsen. Auf der anderen Seite zahlen viele Institute nach wie vor überhaupt keine Zinsen“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich.

Oliver Geiseler, Partner der Beratungsfirma Capco, rechnet damit, dass gerade die Sparkassen noch abwarten, bevor sie mehr auf Kurzfristeinlagen zahlen. „Die meisten werden verhältnismäßig spät im Markt Zinsen auf Tagesgeld einführen“, vermutet er. Grund dafür sei die geringe Wechselfreude vieler Kundinnen und Kunden. Nicht viele von ihnen suchten sich schnell einen neuen Anbieter, der günstigere Preise und Zinsen bietet.

Als Erstes dürften daher seiner Einschätzung nach Direktbanken und Autobanken ihre Zinsen anheben, danach die Privatbanken, gefolgt von Genossenschaftsbanken und am Schluss die Sparkassen. „Der Kampf um Einlagen hat durchaus schon begonnen, auch wenn sich Sparkassen und Volksbanken daran noch nicht beteiligen“, urteilt er dennoch.

Manche Banken berechnen sogar noch immer Negativzinsen

Ein Grund für das zögerliche Verhalten der Sparkassen und Genossenschaftsbanken ist, dass sie in der Vergangenheit häufig massenhaft Baufinanzierungen vergeben haben – meist mit langfristiger Kreditbindung über zehn Jahre und mehr. Angesichts der in der Euro-Zone lange Zeit sehr niedrigen Leit- und Kapitalmarktzinsen erhalten daher auch die Geldhäuser bislang nur geringe Kreditzinsen aus den vergebenen Baudarlehen. Würden demnach Sparkassen- und Genossenschaftsbanken ihre Einlagezinsen für Kundinnen und Kunden anheben, sänken unterm Strich ihre Erträge.

Der Kampf um Einlagen hat durchaus schon begonnen, auch wenn sich Sparkassen und Volksbanken daran noch nicht beteiligen.
Oliver Geiseler, Partner der Beratungsfirma Capco

Im Ergebnis dürften die Geldhäuser höhere Tagesgeldzinsen so lange meiden, bis ihre Kundinnen und Kunden sich flexibel zeigen und zu neuen Anbietern wechseln.

Auffällig ist auch, dass Banken und Sparkassen die Zinsen beispielsweise für neue Immobilienkredite bereits deutlich angehoben haben. Derzeit liegen die zehnjährigen Bauzinsen laut der FMH-Finanzberatung bei knapp 3,7 Prozent. Im Herbst vergangenen Jahres hatten sie im Schnitt bereits vier Prozent überschritten.

Verbraucherschützer kritisieren das Verhalten der Banken

Genau das stößt auf Kritik bei Verbraucherschützern. Michael Möller, Referent Geldanlage und Kredit bei der Bürgerbewegung Finanzwende, fordert, dass Banken die gestiegenen Zinsen an ihre Kundschaft weitergeben, „erst recht nach dieser langen Durststrecke“.

„Finanzwende schaut insbesondere kritisch auf Fälle, bei denen auf der Kreditseite die Zinsen in die Höhe schießen, während die Kunden auf der Einlagenseite weiter leer ausgehen“, sagt er.

Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sieht das ganz ähnlich: „Im Kreditgeschäft haben die Banken den Zinsanstieg längst weitergegeben, während sie beim Einlagengeschäft ihre Kundinnen und Kunden weiter praktisch mit Nullzinsen abspeisen.“ Dabei würden Banken untereinander bereits rund 1,9 Prozent Zinsen für Tagesgeld zahlen.

Unter Umständen werden sogar noch Negativzinsen berechnet

„Da die Banken den Tagesgeldzinssatz nicht an einen Referenzzins koppeln, können sie diesen willkürlich je nach Geschäftspolitik festlegen“, sagt er. Den Anlegerinnen und Anlegern bleibe nur die Möglichkeit, ihr Geld bei einer anderen Bank anzulegen, um höhere Zinsen zu kassieren.

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Manche Kreditinstitute sind beim Tagesgeld sogar noch im Abwehrmodus. Verivox zufolge gibt es 13 Geldhäuser, die laut ihren Preisaushängen unter Umständen Negativzinsen berechnen. In der Regel greifen diese Verwahrentgelte für höhere Summen, oft ab 100.000 oder einer Million Euro, mitunter aber schon ab 25.000 Euro.

Solange der EZB-Einlagenzins für Banken negativ war, hatten viele Kreditinstitute ihrerseits ihren Kundinnen und Kunden für höhere Einlagesummen Minuszinsen berechnet.

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