Studie der Eba: Jede vierte EU-Bank ignoriert die Diversitätsvorschriften
Kaum gefördert, schlechter bezahlt: Frauen sind in den Führungsetagen von Banken noch immer in der Minderheit.
Foto: DigitalVision/Getty ImagesFrankfurt. Seit 2013 sind Banken in der Europäischen Union eigentlich dazu verpflichtet, in ihren Führungsgremien „auf eine große Bandbreite von Eigenschaften und Fähigkeiten“ zu achten. Allerdings verzichtet mit 27 Prozent noch gut jedes vierte Finanzinstitut auf eine verbindliche Diversitätsstrategie. Eine spezifische Quote für das in den Führungsetagen unterrepräsentierte Geschlecht – meist Frauen – fehlt bei immerhin rund 44 Prozent der untersuchten Banken und Wertpapierfirmen.
Im Vergleich zum Jahr 2018 ist das zwar ein Fortschritt: Vor drei Jahren lag der Anteil der Institute ohne Diversitätsstrategie noch bei knapp 42 Prozent, der Anteil der Finanzinstitute ohne Zielquote für Frauen bei knapp 60 Prozent.
Die Eba zeigte sich gleichwohl enttäuscht. „Diese Vorgaben zu missachten bedeutet nicht nur einen Verstoß mit regulatorischen Anforderungen, sondern schadet auch dem Ruf eines Instituts“, heißt es in dem Bericht, der alle drei Jahre veröffentlicht wird.
Deutsche Banken liegen unter dem EU-Durchschnitt
Die Eba hatte 662 Banken und 129 Wertpapierfirmen untersucht und darauf geachtet, dass größere wie kleinere Finanzinstitute aus allen EU-Staaten sowie Island und Liechtenstein von der Umfrage abgedeckt sind.
Deutsche Finanzinstitute hinken dem EU-Durchschnitt insgesamt hinterher: Gut jede dritte Bank und Wertpapierfirma hat keine Diversitätsstrategie ausgearbeitet, mit 55 Prozent verzichtet mehr als die Hälfte auch auf eine Zielquote für das unterrepräsentierte Geschlecht im Führungsgremium.
Zum Vergleich: In Italien trifft das in beiden Kategorien nur auf jedes zehnte Institut zu, in Spanien nur auf jedes fünfte. Dafür schneiden Länder wie Tschechien oder Ungarn in diesen Feldern noch schlechter ab als die deutschen Banken und Wertpapierhäuser.
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Der Bericht legt nahe, dass vor allem kleinere Banken auf Vorschriften zur Diversität verzichten sowie Wertpapierfirmen, also Anbieter von Investmentbanking-Dienstleistungen. Bei großen Geldhäusern beobachtete die Eba nur in etwa zehn Prozent der Fälle Defizite.
Gehaltsdifferenz von rund 9,5 Prozent im Vorstand
Passend zu dem verhaltenen Engagement in Sachen Diversität und Geschlechtergerechtigkeit ist der Anteil von Frauen in den Chefetagen europäischer Banken und Wertpapierfirmen in den vergangenen Jahren kaum gewachsen. Der Anteil von Topmanagerinnen im Vorstand machte 2021 gerade einmal 18,05 Prozent aus, geht aus einer repräsentativen Erhebung der EU-Bankenaufsicht Eba hervor. 2018 lag die Quote bei 15,13 Prozent.
Auch Gehaltsunterschiede zwischen männlichen und weiblichen Führungskräften stellte die Eba in ihrem Bericht fest: Vorständinnen verdienten im Durchschnitt 9,48 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. In diesem Wert sind noch nicht die Gehälter von Vorstandsvorsitzenden mitgerechnet, die im Durchschnitt mehr verdienen als einfache Vorstände. Rechnet man diese Gruppe, in der der Männer-Anteil noch größer ist als unter normalen Vorständen, noch hinzu, dann steigt die Gehaltsdifferenz auf knapp 16 Prozent.
Aus Sicht der Eba lägen vielfältigere Führungsgremien auch im Interesse der Finanzfirmen selbst. Die Eigenkapitalrendite von Instituten mit einem divers besetzten Management lag mit durchschnittlich 7,88 Prozent deutlich über den Werten von Finanzunternehmen, die nur von Vertretern eines Geschlechts geführt wurden und im Durchschnitt 5,27 Prozent Rendite erzielten. Diese Korrelation hätten auch andere Studien aufgezeigt, so die Eba.