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  5. Tarifrunde Privatbanken: Private Banken lehnen Verdi-Forderungen ab

TarifrundeVerdi wirft Privatbanken Blockadehaltung vor

Der Arbeitgeberverband hat noch immer kein Gegenangebot für das Gehalt vorgelegt. Das sorgt für wachsenden Verdruss auf Gewerkschaftsseite.Yasmin Osman 25.08.2021 - 17:26 Uhr Artikel anhören

Auch Streiks will Verdi nicht ausschließen.

Foto: dpa

Frankfurt. Mehr Gehalt, ein Recht auf Homeoffice und bessere Konditionen für Nachwuchskräfte – das sind die Forderungen der Gewerkschaft Verdi und des Deutschen Bankangestellten-Verbands (DBV) in der Tarifrunde für die rund 140.000 Angestellten der privaten Banken. Was die Arbeitgeber wollen, ist nicht bekannt. Das sorgt für wachsenden Ärger auf der Gewerkschaftsseite. Denn auch einen Tag vor der zweiten Tarifrunde am Donnerstag lässt sich der Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes (AGV) nicht in die Karten schauen.

„Es reicht nicht aus, die Lohnforderungen der Gewerkschaften als zu hoch zu kritisieren. Der Arbeitgeberverband muss endlich ein eigenes Gehaltsangebot vorlegen“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Jan Duscheck dem Handelsblatt.

Ähnlich sieht es der DBV-Bundesvorsitzende, Stephan Szukalski: „Die erste Verhandlungsrunde mit dem AGV ist eigentlich immer Zeitverschwendung. So etwas gibt es bei anderen Tarifpartnern nicht. Es ist höchste Zeit, dass der AGV nun auch ein Angebot vorlegt“, sagte er.

Doch nach Fortschritten sieht es nicht aus. AGV-Hauptgeschäftsführer Carsten Rogge-Strang sagt: „Ob wir ein konkretes Gehaltsangebot vorlegen können, hängt davon ab, ob die Gewerkschaften von ihren Maximalforderungen abrücken. Wenn wir das Gefühl haben, dass wir uns mit Blick auf ein Gesamtpaket substanziell annähern, dann ist auch ein konkretes Gehaltsangebot möglich.“

Anders gesagt: Die Gewerkschaften sollen erst ihre Forderungen abspecken, bevor man mit einem Gegenangebot in die Gespräche einsteigt. Verdi-Verhandlungsführer Duscheck will das nicht länger dulden: „Wir werden unsere Forderungen nicht im Vorfeld der Gespräche abspecken. Falls der AGV an dieser Forderung festhält, wird das am Donnerstag ein sehr kurzer Verhandlungstermin“, sagte er.

Öffentliche Banken haben bereits Tarifabschluss erzielt

Der AGV hatte alle Gewerkschaftsforderungen am Dienstag in einer zweiseitigen Pressemitteilung als überzogen abgelehnt und betont, dass sich das „Verhandlungsumfeld“, sprich die wirtschaftlichen Bedingungen, für die Branche eher noch verschlechtert hätte.

Die Gewerkschaftsforderungen insgesamt beurteilt der AGV in seiner Pressemeldung vom Dienstag als „weitreichend“. Die Gehaltsforderungen von 4,5 Prozent bei Verdi und 4,8 Prozent beim DBV seien „weit über den Möglichkeiten der Branche“. 1500 Euro für das Homeoffice und Zusatzleistungen für Nachwuchskräfte nennt der AGV „teure und unrealistische Zusatzleistungen“.

Duscheck wirft den privaten Banken daher mangelnden Gestaltungswillen vor – auch im Vergleich zu anderen Bank-Arbeitgebern. Damit sind vor allem die öffentlichen Banken gemeint, die ihre Tarifgespräche für die etwa 60.000 Beschäftigten von Landes- und Förderbanken sowie mehreren Sparkassen erstmals getrennt von den privaten Finanzinstituten führen.

Der Verband Öffentlicher Banken (VÖB) einigte sich vor etwa einer Woche mit den Gewerkschaften auf einen Tarifabschluss zu den Nachwuchskräften und hatte sich außerdem zu Beginn der Verhandlungen offen für Homeoffice-Vereinbarungen gezeigt.

AGV lehne mobiles Arbeiten nicht kategorisch ab

„Die öffentlichen Banken zeigen zumindest die Bereitschaft zu einer aktiven Tarifpolitik und deuten an, wohin sie wollen – auch wenn wir einige ihrer Vorstellungen haarsträubend finden“, sagte Duscheck. „Dem AGV scheint es dagegen nur darum zu gehen, möglichst gar nichts tarifpolitisch zu gestalten“, sagt Duscheck. Das gelte selbst für Forderungen, die „kaum zu höheren Kosten“ führen. So etwa das mobile Arbeiten oder ein Wahlrecht, bei dem Arbeitnehmer selbst entscheiden, ob Tarifsteigerungen in Form von mehr Gehalt oder mehr Freizeit ausgezahlt werden sollen.

Dass man tarifpolitisch nicht gestalten wolle, will der AGV aber nicht auf sich sitzen lassen. „Wir wollen tarifpolitisch gestalten, aber dazu gehören immer zwei“, betont Rogge-Strang. „Wir lehnen Themen wie mobiles Arbeiten oder Regelungen für Nachwuchskräfte nicht kategorisch ab. Wir lehnen aber die Maximalforderungen wie einen generellen Anspruch auf Homeoffice oder eine 1500-Euro-Pauschale ab. Dazu sind die Homeoffice-Modelle, die unsere Mitglieder anstreben, viel zu unterschiedlich.“

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Die gegensätzlichen Positionen legen eine zähe Tarifrunde nahe. Duscheck hält auch Arbeitskämpfe für möglich: „Wenn die Tarifrunde weiter eskaliert, sind auch Streiks denkbar. Wir sind bei mehreren Instituten voll mobilisierungsfähig und unsere Mitglieder, die zunehmend die Auswirkungen der Inflation spüren, sind motiviert.“

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