UBS: Warum es die Schweizer Bank stärker nach Frankfurt zieht
In der deutschen Finanzmetropole könnte die UBS ihre regionalen Aktivitäten in Europa bündeln.
Foto: dpaZürich/Frankfurt. Das Konzept war aus der Not geboren. Doch als der damalige EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso vor zwei Jahren inmitten der Schuldenkrise die Bankenunion aus der Taufe hob, stand dahinter auch eine Vision: Ein einheitliches Europa braucht grenzüberschreitend tätige Großbanken. Et voilà: Gerade einmal vier Monate nach dem Start der europäischen Bankenaufsicht steht die erste große Europa-Bank in den Startlöchern. Es ist – ausgerechnet – eine Schweizer Bank.
Nach Handelsblatt-Informationen will die Großbank UBS künftig mit einer einzigen regionalen Bank-Tochter die gesamte Europäische Union bedienen. Ihre Vollbank-Lizenzen in den elf anderen EU-Ländern, in denen die Schweizer Bank aktiv ist, wird sie in Absprache mit lokalen Regulatoren sukzessive in den nächsten ein bis zwei Jahren aufgeben.
Eine Vorentscheidung für den Standort der zunächst auf die Vermögensverwaltung fokussierten Europa-Bank soll in der kommenden Woche gefällt werden. Die UBS Deutschland AG in Frankfurt gilt als der heißeste Kandidat, die Gespräche mit der Finanzaufsicht Bafin sind schon weit gediehen. Luxemburg ist ebenfalls noch im Rennen. Alles Informationen, die die UBS nicht kommentieren will.
Der Hintergrund des vom Vermögensverwaltungschef Jürg Zeltner vorangetriebenen Großprojekts: Schweizer Banken sind in der EU gehandicapt. Sie haben aus ihrer Heimat heraus keinen ungehinderten Markt-Zugang zu Kunden aus Deutschland oder Frankreich. Dank eines EU-Passport-Systems kann eine Bank zwar schon seit längerer Zeit mit einer Vollbank-Lizenz alle 28 Staaten plus die drei Länder des Europäischen Wirtschaftsraums bedienen. Doch erst die einheitliche Regulierung durch die Europäische Zentralbank seit November 2014 macht ein derartiges Modell attraktiv. „Die EZB-Regulierung hat uns die Hoffnung gegeben, dass sich die Märkte stärker harmonisieren“, sagt ein Insider.
Auf den ersten Blick sieht es zwar wie ein Rückzug aus der Fläche aus. Doch die UBS verbindet mit dem Schritt große Hoffnungen, das in den vergangenen Jahren immer wieder unter Mittelabflüssen leidende Europageschäft deutlich zu beleben. Heute schon fährt die Einheit trotz der Probleme eine zweistellige Eigenkapitalrendite ein. Mithilfe der Europa-Bank soll der Gewinn in drei Jahren verdreifacht werden.
Die Vorteile dieses Vorhabens sind enorm: Allein der Eigenkapitalbedarf im Europageschäft der UBS dürfte um rund zehn Prozent oder bis zu zwei Milliarden Euro sinken, schätzen Analysten. Hinzu kommen riesige Kosteneinsparungen, weil aufwendige Management- und Kontrollstrukturen sowie regulatorische Anforderungen in den jeweiligen Ländern wegfallen. Aus den Ländergesellschaften beispielsweise in Italien oder Spanien würden einfache Niederlassungen.
Flankiert wird die Europa-Bank zudem von einer einheitlichen IT-Plattform, die ebenfalls die Kosten drastisch senken soll. Für rund 150 Millionen Franken hat UBS ihre Deutschland-Tochter bereits mit der IT-Plattform aus der Schweiz ausgerüstet. Intern hieß das Projekt „Cetus“, an dem zwei Jahre lang rund 1200 Mitarbeiter beschäftigt waren. Seit Ende vergangenen Jahres läuft die neue IT-Plattform. Nun soll sie EU-weit ausgerollt werden, was weitere dreistellige Millionen-Investitionen nach sich ziehen dürfte.
Als nächstes sollen Großbritannien und Italien auf die neue Plattform überführt werden. Derzeit betreibt UBS an zwölf europäischen Standorten noch einen Wildwuchs von neun Buchungsplattformen mit sechs unterschiedlichen Software-Installationen.
Die UBS folgt mit ihrem Modell dem weitaus kleineren Rivalen Julius Bär. Die Vermögensverwaltungsbank hat bereits 2013 ihre Deutschland-Tochter in „Julius Bär Europe AG“ umbenannt; sie dient als Plattform für das gesamte EU-Geschäft. „Die Niederlassungen in Märkten wie Großbritannien, Spanien oder Frankreich verfügen nur über eine Zulassung der lokalen Bankenaufsicht für die Anlageberatung“, erklärt Gerhard Grebe, Vorstand von Julius Bär Europe, „und dürfen daher nicht im Einlagen- und Kreditgeschäft aktiv sein.“
Auch Credit Suisse will die Zahl der Buchungsplattformen in Europa reduzieren, sagt Hans-Ulrich Meister, Vorstand für das Vermögensverwaltungsgeschäft. Soweit wie UBS und Julius Bär, die gesamte EU von einer Buchungsplattform aus zu bedienen, will die CS aber nicht gehen.