Bilanzskandal: Der Betrug bei Wirecard soll schon vor 15 Jahren begonnen haben
Der Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München galt lange Zeit unter Privatanlegern als Geheimtipp.
Foto: BloombergDüsseldorf, Frankfurt. Der Zahlungsdienstleister Wirecard war nach Angaben eines ehemaligen Vorstands schon 15 Jahre vor der Insolvenz defizitär. Ab 2008 habe er auch den Aufsichtsratsvorsitzenden darüber informiert, dass die veröffentlichten Zahlen nur durch massive Eingriffe in die Buchhaltung zustande kamen, sagt der Manager, der anonym bleiben will. Daraufhin angeblich anberaumte Gespräche mit dem Vorstandsvorsitzenden Markus Braun wären aber ergebnislos geblieben.
„Ich habe erst nach einer Weile gemerkt, dass alles sich nur um eines drehte: eine Story für die Kapitalmärkte zu produzieren“, berichtet der Ex-Vorstand. „Die nächste Kapitalerhöhung, die nächste Anleihe, der nächste Kredit.“
Er verließ Wirecard vor vielen Jahren und wunderte sich seitdem, dass die Verantwortlichen so lange weitermachen konnten: „Warum griffen die Behörden da nicht ein? Ich kenne niemanden, der über einen so langen Zeitraum ein so lineares Wachstum gezeigt hat wie Wirecard. Außer Bernie Madoff.“
Die Referenz ist wenig schmeichelhaft. Madoff, einst prominenter Wertpapierhändler und Ex-Verwaltungsratschef der US-Technologiebörse Nasdaq, gilt als größter Anlagebetrüger der Weltgeschichte. Er sammelte Milliardensummen ein, wurde als Finanzgenie verehrt und verkehrte in den höchsten Kreisen.