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Cum-Ex-SkandalErmittler klagen flüchtigen Banker Paul Mora erneut an

Der Neuseeländer gilt als einer der skrupellosesten Geschäftemacher im Cum-Ex-Komplex. Jetzt liegt eine neue Anklage vor. Der weltweit gesuchte Mora hat sich in seine Heimat zurückgezogen.Sönke Iwersen, Volker Votsmeier 04.01.2024 - 10:46 Uhr Artikel anhören
Fahndungsaufruf: Paul Mora gilt als eine der herausragenden Figuren im Cum-Ex-Skandal. Foto: bka

Düsseldorf. Seit fast drei Jahren gehört Paul Mora zu den von der deutschen Justiz meistgesuchten Männern. Bereits 2021 sollte sich der Neuseeländer wegen schwerer Steuerhinterziehung vor dem Landgericht Wiesbaden verantworten. Doch Mora ließ sich vor Gericht nicht blicken.

Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Köln nach Recherchen des Handelsblatts eine neue Anklage gegen den einstigen Star-Banker erhoben. Eine Sprecherin des Landgerichts Bonn bestätigte den Eingang einer Anklage am 21. Dezember 2023, ohne den Namen Moras zu nennen. Der Inhalt der Anklage: illegale Cum-Ex-Geschäfte zum Schaden der Steuerzahler. Die beiden Verteidiger Moras wollten sich auf Nachfrage nicht zu den Vorwürfen äußern.

Cum-Ex bezeichnet eine Methode des Aktienhandels, bei dem sich die Beteiligten Steuern erstatten ließen, die sie gar nicht abgeführt hatten. Mora, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaften, bediente sich besonders dreist aus der Staatskasse: Laut Kölner Anklage war er mitverantwortlich für die Hinterziehung von 447,5 Millionen Euro Steuern, verteilt über mehr als 30 Taten zwischen 2006 und 2011.

Mora begann seine Karriere als Banker 1991 beim japanischen Finanzriesen Sumitomo. Später wechselte er zur US-Bank Merrill Lynch und der Schweizer Credit Suisse First Boston. Zum 1. Mai 2004 holte die Hypovereinsbank (HVB) Mora an ihren Handelstisch noch London. Damals wurden Cum-Ex-Geschäfte in der Branche beliebt.

Mora und sein Team stiegen 2006 in großem Stil ein. Für Rafael Roth, einen reichen HVB-Kunden, wickelte er die ersten Cum-Ex-Geschäfte ab. Der Fall Roth ist Gegenstand der Anklage in Wiesbaden. In diesem Komplex hat das Gericht bereits zwei Banker der HVB und Roth-Anwalt Hanno Berger verurteilt.

Sein Name steht in vielen Ermittlungsakten

In der neuen Kölner Anklage geht es um die Geschäfte der Hamburger Bank M.M. Warburg. Wie im Fall Roth mischte auch Berger hier mit. Zunächst arrangierte Mora als Händler der HVB die Geschäfte. Dann erkannte Mora, dass er als Selbstständiger viel höhere Profite einstreichen konnte. Im Frühjahr 2008 gründete er die Firma Ballance, der sich auch sein ehemaliger HVB-Kollege Martin S. anschloss. Die Zusammenarbeit mit M.M. Warburg und Berger wurde ausgebaut.

In den ersten Jahren betrieb M.M. Warburg die Geschäfte im Eigenhandel. Ab 2009 weitete die Bank das Geschäft aus. Über ihre Tochter Warburg Invest beteiligte sie sich an den Fonds BC German Equity und BC German Hedge. Über diese Fonds konnte sich die vermögende Bankkundschaft an den Cum-Ex-Geschäften beteiligen.

Für viele der Beteiligten hatten die Geschäfte unangenehme Folgen: Moras ehemaliger Ballance-Partner Martin S. wurde im März 2020 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Er hatte als Kronzeuge wertvolle Aufklärungshilfe geleistet.

Die Strafen gegen andere Verantwortliche fielen härter aus: Aufseiten der Warburg Gruppe erhielt der ehemalige Generalbevollmächtigte Christian S. in einem späteren Urteil fünfeinhalb Jahre Haft, der frühere Geschäftsführer von Warburg Invest musste für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Mora arbeitete eng mit Hanno Berger zusammen

Moras Geschäftspartner Hanno Berger erhielt mit acht Jahren die bisher höchste Strafe in einem Cum-Ex-Verfahren. Mit seiner Revision ist er gescheitert. Weil das Landgericht Wiesbaden eine zusätzliche Strafe von acht Jahren und drei Monaten ausgesprochen hat, droht ihm insgesamt eine Haft von deutlich über zehn Jahren.

Hanno Berger war ein enger Geschäftspartner Paul Moras. Der Steueranwalt wurde zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Foto: dpa

Den Prozess gegen zwei weitere Warburg-Manager hat das Landgericht Bonn kürzlich mit Schuldsprüchen abgeschlossen. Prominentester Angeklagter dort ist der langjährige Bankchef Christian Olearius. Er sieht sich zu Unrecht verfolgt. Seine Bank dagegen hat sich deutlich von den Geschäften distanziert.

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Mora verfolgt all dies aus sicherer Entfernung aus Neuseeland. Auch Hanno Berger hatte sich lange vor der Justiz versteckt. 2022 lieferte ihn die Schweiz nach Deutschland aus. Mora allerdings ist neuseeländischer Staatsbürger. Er genießt den Schutz seines Heimatlandes. Nach Angaben von Moras Anwalt wird er nicht freiwillig nach Deutschland kommen.

Damit freilich sind auch andere Länder für Mora tabu. Für den Neuseeländer gibt es seit Frühjahr 2021 eine sogenannte Red-Flag-Notice. In vielen Dutzend Ländern müsste Mora bei der Ankunft am Flughafen mit einer Festnahme rechnen. Früher war Mora häufig in seinem Anwesen auf Mallorca anzutreffen, auch eine Jugendstilvilla im Schweizer Grindelwald nannte er sein Eigen. Doch die Zeiten für Ausflüge nach Europa sind vorbei.

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