Privatbank: Oddo BHF will Zahl der Investmentbanker verdreifachen
Frankfurt. Die deutsch-französische Privatbank Oddo BHF will ihre Investmentbank deutlich vergrößern und dazu die Zahl der Investmentbanker in Deutschland, Frankreich und der Schweiz knapp verdreifachen. In den nächsten zwei bis drei Jahren käme das Geldhaus damit auf rund 100 Investmentbanker, sagt Christian Zahn, Investmentbanking-Chef bei Oddo BHF, dem Handelsblatt.
Die Ziele sind ambitioniert: Mit dem geplanten Personalausbau will das Institut mit aktuell rund 3000 Beschäftigten zu einer führenden Boutique-Bank in den drei Ländern werden, sagt Zahn. Der Fokus liege unter anderem auf mittelständischen Unternehmen in den Bereichen Gesundheitsversorgung, Technologie, Industriegüter und Logistik.
Bislang wickle die Investmentbank Transaktionen im Wert von 50 bis 300 Millionen Euro ab. „Zukünftig werden wir auch vermehrt größere Deals von einer Milliarde Euro oder mehr begleiten“, kündigt Zahn an. Ziel sei es, Familienunternehmen langfristig zu beraten.
„Unsere Teams sollen möglichst diverse Hintergründe haben, um verschiedene Mittelständler beraten zu können“, sagt Zahn. Bei welchen Konkurrenten die neuen Köpfe aktuell arbeiten, will er nicht verraten.
Dafür spricht er über den Anreiz, mit dem er die Banker anlockt. 25 Prozent von Oddo BHF, die aktuell etwa 140 Milliarden Euro an Kundengeldern verwaltet, seien heute im Besitz der Mitarbeiter. Dieses Konzept werde auf die Investmentbank übertragen, sagt Zahn. Die Mitarbeiter würden am Erfolg der Gruppe beteiligt.
Ausbau des Geschäfts in der Schweiz
In der Schweiz will die Bank im ersten Quartal 2025 vor allem in den Bereichen Aktienhandel und Research wachsen. Das Team in Zürich werde „um eine Reihe erfahrener und im Markt angesehener Aktienbroker und Aktienanalysten“ erweitert, sagt Zahn. Künftig werde Oddo BHF auf diese Weise rund 80 Schweizer Aktien mit Analyse und Handel abdecken. „Wir haben das Ziel, in die Top drei im Aktiengeschäft in der Schweiz aufzusteigen.“
Darüber hinaus werde man die Kooperation mit der Commerzbank in der Schweiz stärken, die seit Anfang des Jahres läuft. Bereits seit 2021 kooperieren die Institute in Deutschland, insbesondere bei Aktientransaktionen wie Kapitalerhöhungen, Börsengängen und Emissionen.
Die Ankündigung kommt zu einer überraschenden Zeit. Denn: Das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen schwächelt. Zwar hat das Volumen an Transaktionen mit Beteiligung deutscher Firmen im Vergleich zum Vorjahr zugelegt, liegt aber noch auf vergleichsweise niedrigem Niveau.
Zahn hält den Zeitpunkt dennoch für günstig. Die Beratungsdienstleistungen der Bank, die 2017 nach der Übernahme der deutschen BHF-Bank durch die französische Privatbank Oddo und Cie. entstanden war, seien aus mehreren Gründen gefragt: Zum einen sei der Rückstau an Transaktionen immens, denn viele Unternehmen und Finanzinvestoren hätten sich in den vergangenen Jahren mit großen Deals zurückgehalten.
Zum anderen sei die Nachfolgesituation in vielen mittelständischen Unternehmen nicht gelöst. Familien beschäftigten sich zudem mit neuen Wachstumsoptionen, Finanzierungsfragen und Portfoliobereinigungen, sagt Zahn.