Rückversicherer: Munich Re lockt weiter mit hoher Dividende
Für das laufende Jahr rechnet die Munich Re mit Auswirkungen durch den Krieg in der Ukraine.
Foto: Munich ReMünchen. Die Munich Re will trotz der großen weltweiten Bedrohungen um Krieg, Pandemie, Naturkatastrophen und Inflation auch für dieses Jahr die Dividende um mindestens fünf Prozent steigern. Das hat Konzernchef Joachim Wenning bei der Hauptversammlung des weltgrößten Rückversicherers, die am Donnerstag in virtueller Form stattfand, bekannt gegeben.
Nach einer Ausschüttung von elf Euro je Aktie für das abgelaufene Jahr können Aktionäre für 2022 mindestens 11,55 Euro erwarten. In Relation zum aktuellen Aktienkurs von knapp 240 Euro ergibt sich derzeit eine Dividendenrendite von rund 4,6 Prozent.
Dabei waren die Herausforderungen im abgelaufenen Jahr immens. „Historisch betrachtet gehört 2021 zu den schadenträchtigsten Jahren überhaupt“, sagte Wenning in seiner Rede an die Aktionäre.
Allein durch Naturkatastrophen fielen Schäden von umgerechnet annähernd 250 Milliarden Euro an. Davon waren 105 Milliarden Euro versichert. Rund 3,1 Milliarden Euro entfielen auf die Munich Re.
Außergewöhnlich hohe finanzielle Belastungen resultierten auch aus der anhaltenden Coronapandemie. Die Rückversicherung im Bereich Leben und Gesundheit zahlte rund 800 Millionen Euro aus.
Belastungen drohen durch Ukrainekrieg
Für das laufende Jahr rechnet die Munich Re mit unternehmerischen Auswirkungen durch den Krieg in der Ukraine. Das Neugeschäft in Russland und Belarus wurde bereits eingestellt, bestehende Verträge werden nicht mehr verlängert. Das gilt auch für Kapitalanlagen in der Region.
Direkte Auswirkungen durch den Krieg sieht der Munich-Re-Chef lediglich bei Spezialversicherungen für Luftfahrt, Transport und Kredit. Noch unklar ist auch, welche Belastungen durch Kapitalanlagen in der Region auf den weltgrößten Rückversicherer zukommen könnten. Als besonders großes Risiko gelten in der Versicherungsbranche inzwischen auch Cyberangriffe.
Munich Re hatte schon vor Jahren stark auf die möglichen Chancen der Cyberversicherung gesetzt und will von diesem Weg auch nicht abrücken. „Wir bauen unsere Marktführerschaft in Geschäftsfeldern wie Cyber aus“, kündigte Konzernchef Wenning an.
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Dabei werde aber bewusst die Haftung pro Ereignis, Kunden und Police begrenzt. Im laufenden Strategieplan mit dem Namen Ambition 2025, der seit Anfang vergangenen Jahres läuft, sieht sich der Munich-Re-Chef trotz der vielen weltweiten Krisen voll auf Kurs.
Kritik an Abschlussprüfer EY
Von Aktionären gab es neben viel Lob für Ergebnis und Dividende deutliche Kritik an der Wahl des Abschlussprüfers. Den Geschäftsbericht von Munich Re hatte im vergangenen Jahr zum zweiten Mal in Folge die Gesellschaft EY geprüft.
Paul Petzelberger von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) bezeichnete die Wahl von EY wegen der langjährigeren Zusammenarbeit mit dem insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard als inakzeptabel. „Schlagen Sie uns einen anderen Abschlussprüfer vor“, forderte Petzelberger.
Ähnlich äußerte sich Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). EY habe bei Wirecard grobe Fehler gemacht. Nikolaus von Bomhard, Aufsichtsratschef von Munich Re, verteidigte den Vorschlag, auch weiter auf den Abschlussprüfer EY zu setzen.
Auch wenn der Fall Wirecard bei der Auswahl von EY eine Rolle gespielt habe, beurteilt der Aufsichtsrat weiterhin die Qualität des Abschlussprüfers als sehr positiv. „Wir sehen keine Veranlassung, den Abschlussprüfer zu wechseln“, so von Bomhard. Am Ende stimmten fast 98 Prozent der stimmberechtigten Aktionären für EY. Nach aktuellen regulatorischen Vorschriften könnte EY bis 2029 den Geschäftsbericht der Munich Re prüfen.
Seit August 2018 verantwortet sie auch das Ressort Europa und Lateinamerika.
Zumindest etwas Klarheit zeichnet sich bei der aktuell wichtigsten Personalfrage der Munich Re ab. Doris Höpke, die als einzige Frau im Vorstand zuletzt für Personal sowie die Märkte in Europa und Lateinamerika zuständig war, verlässt den Rückversicherer Ende April.
„Für den Aufsichtsrat hat die Berufung eines weiblichen Vorstandsmitglieds bei nächster Gelegenheit oberste Priorität“, kündigte Nikolaus von Bomhard an. Wie schwer allerdings die Suche ist, zeigt die Tatsache, dass seit Bekanntgabe von Höpkes Abschied vor rund einem halben Jahr noch keine Nachfolgerin gefunden wurde.
„Der Markt ist nicht groß, es geht schließlich auch um Qualität“, begründete der Aufsichtsratschef die Probleme bei der Vorstandsauswahl. Den Personalbereich wird ab der kommenden Woche Vorstand Achim Kassow übernehmen, für die Märkte in Europa und Lateinamerika ist dann Thomas Blunck zuständig.